Basketball-Europapokal : Säbelrasseln im Bermuda-Dreieck

Im Streit um die Wettbewerbe im Basketball-Europapokal wächst der Druck auf Ligen, Verbände und Klubs - der Konflikt zwischen Euroleague und Fiba verschärft sich.

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Viel Bewegung in Basketball-Europa. Albas Manager Marco Baldi.
Viel Bewegung in Basketball-Europa. Albas Manager Marco Baldi.Foto: dpa/Schulze

Ultimaten, Klagen und öffentliche Angriffe: Der Basketball-Konflikt zwischen der Euroleague und dem Verband Fiba Europa verschärft sich immer weiter. Am Montagmittag stellte die Fiba Details ihrer neuen Champions League vor, am Abend legte der Verband eine Drohung nach: Er kündigte an, Nationalmannschaften von Wettbewerben bis hin zur Olympia-Qualifikation auszuschließen, sollten Vereine aus diesen Ländern im von der Euroleague organisierten Eurocup starten. Seit Monaten bekämpfen sich Euroleague und Fiba an allen Fronten, beide Organisationen wollen hochkarätige Europapokal-Wettbewerbe ausrichten.

Auf die europäischen Klubs wird großer Druck von allen Seiten ausgeübt. Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi blickt aber gelassen auf die verfahrene Situation. „Ich bin total entspannt“, sagt Baldi. „Wir haben uns 26 Jahre lang für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert, das ist auch für nächste Saison unser Ziel.“ Die Konfrontation zwischen Euroleague und Fiba sowie das Säbelrasseln des europäischen Verbands sind für Baldi nur eine Momentaufnahme. „Ich glaube nicht, dass wir schon irgendwo angekommen sind“, sagt der 53-Jährige. „Es wird in den kommenden Wochen und Monaten noch viel Bewegung geben.“

Zurzeit stehen sich beide Kontrahenten erbittert gegenüber. Die Fiba will die Hoheit über den europäischen Klubbasketball zurückgewinnen, der sich zuletzt in Form der Profiligen-Vereinigung Uleb mit den beiden Wettbewerben Euroleague und Eurocup selbst organisiert hatte. Eine große Rolle spielt dabei die Einführung von Zeitfenstern für Länderspiele, mit der die Fiba die Bedeutung und Medienpräsenz der Nationalteams stärken will.

Ab Oktober will die neue Champions League mit 32 Klubs starten, die Euroleague soll mit 16 Teams, der Eurocup mit 24 Mannschaften in die Saison gehen. Wer aber wo spielt – und ob die Fiba sogar noch einen vierten Europapokal ins Leben ruft – ist derzeit unklar. Lediglich elf absolute Spitzenteams wie Real Madrid, der FC Barcelona oder ZSKA Moskau stehen als feste Euroleague-Teilnehmer fest. Alle anderen Vereine bekommen abwechselnd Zuckerbrot und Peitsche der konkurrierenden Ligen zu spüren.

Bundesliga-Geschäftsführer Stefan Holz hatte vor kurzem angemerkt, eigentlich könne er seine komplette Arbeitszeit nur für das Thema Europapokal verwenden. „Im Prinzip gibt es jeden Tag eine potenzielle Änderung“, sagt Baldi. „In dem Dreieck aus Verbänden, Klubs und Ligen gibt es immer wieder Interessenkonflikte.“ Für seinen Klub sieht der Alba-Manager in all dem Chaos ein klares Ziel. „Unsere Aufgabe ist es, den bestmöglichen und hochkarätigsten Wettbewerb anzubieten – für unser Team, unsere Fans und unsere Partner“, sagt Baldi. „Der Stempel, der am Ende draufsteht, ist für uns nicht entscheidend.“ Am Ende werde sich der bessere Wettbewerb durchsetzen, glaubt Baldi, eventuell aber erst „nach einer Übergangsphase von zwei, drei Jahren“.

Einigkeit sieht anders aus: die Risse gehen quer durch Europa

Die diversen Risse und Verwerfungen gehen kreuz und quer durch Europa. Frankreichs Verband hatte sich bereits früh auf Seiten der Fiba geschlagen und erklärt, abtrünnige Klubs aus der nationalen Liga zu werfen. Inzwischen wehren sich die Vereine gegen dieses Vorgabe. Die osteuropäische VTB-Liga, in der unter anderem russische und baltische Spitzenteams antreten, votierte bereits für Euroleague und Eurocup. In der Türkei und Italien drohen die Spannungen zwischen Verband, Liga und Klubs gerade zu eskalieren.

Ein ähnliches Szenario hat die Bundesliga (BBL) bislang vermeiden können und keiner der beiden Organisation Zusagen gegeben. Trotz unterschiedlicher Interessen hat auch noch kein deutscher Verein einen Alleingang gewagt. Am heutigen Donnerstag treffen sich alle Bundesligisten in Frankfurt am Main zum nächsten Kriegsrat. „Wir haben bislang eine gute gemeinsame Position gefunden, die wollen wir jetzt überprüfen“, sagt Baldi. „ Wir wollen als Liga bis auf Weiteres mit einer Stimme sprechen.“ Die mit dem Ausschluss der Nationalteams drohende Fiba wünscht sich mindestens zwei deutsche Starter in ihrer Champions League, die Euroleague hat der BBL dem Vernehmen nach einen festen Startplatz angeboten – allerdings unter der Bedingung, dass vier Bundesligisten im Eurocup antreten.

„Mit Drohungen – egal von welcher Seite – kann man kurzfristig vielleicht Pyrrhus-Siege erreichen“, sagt Marco Baldi. „Aber darauf kann man sicher nichts bauen.“

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