Berliner Amateurfußball : Testspiel endet mit brutaler Schlägerei

Am Sonntag trafen die zwei Bezirksligisten SC Union 06 und Berliner AK II im Poststadion in Moabit zu einem Vorbereitungsspiel aufeinander. Doch nach 30 Minuten eskalierte das Duell der Platznachbarn und es kam zu einer brutalen Schlägerei.

Julian Graeber
Die traurige Bilanz des Testspiels SC Union 06 vs Berliner AK II: Zwei Spieler von Union 06 mussten mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden.
Die traurige Bilanz des Testspiels SC Union 06 vs Berliner AK II: Zwei Spieler von Union 06 mussten mit dem Rettungswagen ins...Foto: Promo

Es sollte ein ganz normales Freundschaftsspiel zwischen zwei Platznachbarn werden. Was am Sonntag im Moabiter Poststadion zwischen den Bezirksligisten (8. Liga) SC Union 06 und Berliner AK II passierte, hatte mit Fußball allerdings überhaupt nichts zu tun.

In der Anfangsphase war es eine Begegnung wie jede andere, in der Union früh mit 2:0 führte. Doch nach einer halben Stunde entwickelte sich aus einem normalen Zweikampf an der Mittellinie eine regelrechte Rudelbildung. „Die zwei Spieler sind im Kampf um den Ball zu Fall gekommen, haben sich ineinander verhakt und keiner wollte loslassen“, beschrieb Schiedsrichter Andrea Raphael Wilding den Auslöser. Dann habe es einen Schlag gegeben, sagt der junge Unparteiische, „ich konnte aber nicht genau sehen, von wem die Gewalt ausging.“

Polizei ruft Verstärkung

Die Aussagen der Vereine widersprechen sich hier ebenfalls. Während Union 06 den Spieler des BAK als Auslöser sieht und sich nur gegen die Angriffe der Gegner gewehrt habe, sagt Muhlis Aydin, Teammanager des Berliner AK II: „Der Spieler von Union 06 hat zuerst zugeschlagen.“

Fest steht: Innerhalb kürzester Zeit befanden sich fast alle Auswechselspieler und einige Zuschauer auf dem Feld, der Schiedsrichter und weitere Zeugen berichten von fliegenden Fäusten und Tritten. Die Versuche des Unparteiischen und einiger Vereinsverantwortlicher, den Aufruhr zu schlichten, misslangen vorerst. Polizeibeamte, die sich am Rande des Nebenplatzes befanden, forderten Verstärkung an. Als diese wenige Minuten später mit insgesamt 25 Beamten eintraf, hatte sich der Tumult allerdings bereits aufgelöst und die Mannschaften waren in ihre Kabinen zurückgekehrt.

Union-Spieler erleidet mehrere Knochenbrüche

An eine Fortsetzung des Spiels konnte zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht mehr gedacht werden.

Die traurige Bilanz des Testspiels: Zwei Spieler von Union 06 mussten mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Einer von ihnen wurde am Montag sogar operiert – er erlitt bei der Schlägerei Brüche des Nasenbeins, des Jochbeins, des Kiefers und der Augenhöhle. Mehrere Zeugen von Union 06 wollen deutlich gesehen haben, wie ihn mindestens ein Spieler des BAK mit der Faust geschlagen habe. Außerdem hätten sie gesehen, wie zwei weitere Spieler des Gegners im Laufe der Rudelbildung zugeschlagen bzw. -getreten hätten. Noch vor Ort stellte Union 06 Anzeige. Die Polizei hat ein Strafermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung aufgenommen.

Doch auch der Berliner AK habe Anzeige erstattet, sagt Aydin. Bei der zweiten Mannschaft des Regionalligisten habe es zwar keine Verletzten gegeben, seine Spieler seien aber auch geschlagen worden, versichert der Teammanager. Wie mit der Situation intern umgegangen werde, müsse noch geklärt werden, sagt indes BAK-Trainer Özkan Gümüs. „Ich war bei dem Spiel nicht vor Ort und muss mir erstmal einen Überblick darüber verschaffen, was genau passiert ist.“

Sportgericht tagt am 21. Februar

Sein Gegenüber Benjamin Kandler ist auch drei Tage nach dem abgebrochenen Spiel noch geschockt. „So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich bin extrem enttäuscht“, sagt Kandler, „solch eine Gewalt hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen und verunglimpft den ganzen Sport.“

Wie es zwischen den zwei Vereinen, die oft zeitgleich auf der Sportanlage in der Lehrter Straße trainieren, weitergeht, ist unklar. Das Verhältnis ist fürs Erste stark beschädigt. Aufeinandertreffen werden Union 06 und der Berliner AK II aber demnächst nicht nur auf dem Trainingsplatz, sondern mit Sicherheit auch vor Gericht. Das Sportgericht des Berliner Fußball-Verbands beschäftigt sich mit dem Fall bereits am 21. Februar.


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