Alte Bekannte im Berliner Fußball (4) : Wacker 04: Die Festung am Wackerweg

Die Zeiten haben sich geändert: 1974 wäre Wacker 04 fast in die Bundesliga aufgestiegen – heute spielt man unter anderem Namen vor 50 Zuschauern in der siebten Liga.

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Einer der Besten. Bernd Sobeck schoss Wacker in den Siebzigern fast in die Bundesliga – bis er sich verletzte.
Einer der Besten. Bernd Sobeck schoss Wacker in den Siebzigern fast in die Bundesliga – bis er sich verletzte.Foto: Imago

 Entsetzt starrte Klaus Basikow auf den Platz. Drei seiner Spieler krümmten sich vor Schmerzen am Boden, sie waren im Training zusammengeprallt und konnten nur mit fremder Hilfe aufstehen. „In dem Moment wusste ich, dass es vorbei ist“, sagt Basikow. Der Moment liegt nun schon 38 Jahre zurück. Basikow kann sich trotzdem noch daran erinnern, als wäre es gestern gewesen. Vor der Weltmeisterschaft 1974 war er Trainer bei einem der erfolgreichsten Berliner Klubs jener Tage: Wacker 04.

Den Job hatte er vier Jahre zuvor als 33-Jähriger von Pal Csernai übernommen. Csernai zog es nach Süddeutschland, später wurde er Trainer beim FC Bayern München. Wacker und Basikow, das passte. Der Klub aus Reinickendorf zählte zu den besten in der Regionalliga, die damals mit fünf Staffeln den Unterbau zur Bundesliga bildete. Die Zweite Liga wurde erst nach der WM zur Saison 1974/75 eingeführt. In die Bundesliga wäre Basikow nur zu gern zurückgekehrt. Als Torwart von Tasmania Berlin hatte er 1965/66 dort gespielt, „die Stadien, die Atmosphäre, das war schon was“. Während seiner ersten vier Jahre als Trainer bei Wacker qualifizierte sich die Mannschaft jedes Mal für die Aufstiegsrunde, so nah wie 1974 aber kam man der Bundesliga nie.

Regelmäßig kamen um die 5000 Zuschauer ins kleine, enge Stadion am Wackerweg und veranstalteten einen Höllenlärm. Zur Aufstiegsrunde zog man aber stets ins größere Poststadion um. „Da haben wir so viel eingenommen, dass wir die Mannschaft zur neuen Saison verstärken konnten“, erzählt Basikow. Wackers Heimstärke litt unter dem Umzug nicht, der 1. FC Nürnberg wurde im Poststadion 5:0 abgefertigt. Auch Wattenscheid musste sich geschlagen geben. Dann kam der Zusammenprall im Training. Die drei verletzten Spieler waren Torwart Peter Scholich, Bernd Sobeck, der Sohn von Hertha-Legende Hanne Sobek, und Hans-Peter Mielke – Basikows beste Leute.

„Diese Ausfälle konnten wir nicht kompensieren“, sagt er. Wie schwer der Verlust des Trios wog, zeigte sich im ersten Spiel ohne die drei. In Nürnberg setzte es eine 1:9-Packung, am Ende stieg Eintracht Braunschweig in die Bundesliga auf. „Das war bitter“, sagt Basikow, der nach der Spielzeit zum SV Meppen wechselte. Im Emsland hielt es ihn aber nur zwei Jahre, dann kehrte er wieder zu Wacker zurück. Mit einigen Unterbrechungen ist Barsikow bis heute in Reinickendorf tätig. Mal als Trainer, mal als Manager, im Moment ist er gerade erster Vorsitzender. Es gibt viel zu tun, die Saison in der Landesliga muss durchgeplant werden. Ein paar gute Spieler würden dem Team noch guttun. Nachdem der Verein Wacker 04 im Juni 1994 aufgelöst wurde und sich die Fußballer dem BFC Alemannia 1890 anschlossen, spielt man inzwischen unter dem Namen BFC Alemannia 90 Wacker in der siebten Liga. „Wir würden gern eine Liga höher spielen, aber das ist momentan nicht drin“, sagt Basikow, heute 75 Jahre alt.

Der letzte Erfolg gelang 2005 mit dem Einzug ins Berliner Pokalfinale, wo man als krasser Außenseiter dem Favoriten Tennis Borussia erst im Elfmeterschießen unterlag. Basikow war vor sieben Jahren Trainer. Nach der Niederlage feierte er mit seinen Spielern die ganze Nacht. Verloren hatten sie nur auf dem Papier.

Heute kommen selten mehr als 50 Zuschauer an den Wackerweg. „Die Zeiten haben sich geändert“, sagt Basikow. „Durch die vielen Spielklassenreformen ist der Verein nach und nach weiter abgerutscht.“ Von der Zweiten Liga, so wie im Sommer ’74, ist der BFC Alemannia90-Wacker momentan weit, weit entfernt.

Mit Hertha BSC und dem 1. FC Union sind derzeit zwei Berliner Vereine im großen Fußball vertreten – allerdings nur in der Zweiten Liga. Das war nicht immer so, Tradition ist bei vielen Vereinen der Stadt reichlich vorhanden. Wir blicken in einer Serie auf Berliner Klubs mit ruhmreicher Vergangenheit und beschreiben ihre Gegenwart. Hier finden Sie Alle Folgen der Serie.

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