Borussia Mönchengladbach : Und wer hat jetzt Recht?

André Schubert hat beim 4:2 gegen Augsburg ein erfolgreiches Debüt mit Borussia Mönchengladbach gefeiert. Die Wende war das aber noch lange nicht, findet unser Kommentator.

von
Debüt zum Lächeln. Beim ersten Bundesligaspiel von André Schubert erinnerte wenig an die bleiernen Wochen unter Lucien Favre.
Debüt zum Lächeln. Beim ersten Bundesligaspiel von André Schubert erinnerte wenig an die bleiernen Wochen unter Lucien Favre.Foto: dpa

In Zeiten der Hochkommerzialisierung ist das Schöne am Fußball ja längst nicht mehr, dass man vorher nicht weiß, wie es ausgeht. Das Schöne am Fußball ist, dass jeder das sehen kann, was er sehen will. Nehmen wir nur Borussia Mönchengladbach. Beim Debüt ihres neuen Trainers André Schubert erzielten die Gladbacher am Mittwoch gegen Augsburg in den ersten 20 Minuten doppelt so viele Tore wie in den letzten sechs Pflichtspielen unter Trainer Lucien Favre. Was man daraus schließen kann?

Dass Favre mit seinem Rücktritt Recht hatte, dass er dem Erfolg der Mannschaft einfach nur noch im Wege gestanden hat. Sagen die einen.

Die anderen sagen, dass Borussias Sportdirektor Max Eberl vollkommen richtig damit lag, Favre mit aller Macht zum Weitermachen bewegen zu wollen. Weil es eben nur eine Frage der Zeit sei, bis die Mannschaft wieder funktioniere; weil mit der Rückkehr der verletzten Spieler mehr Qualität zur Verfügung stehe – was das Spiel gegen Augsburg ja dann auch eindrucksvoll gezeigt habe.

Erstmals in dieser Saison gingen die Gladbacher in Führung

Ob es so war oder doch so – das werden wir nie erfahren. Aber es spricht zumindest einiges dafür, dass Favre, der längst in die eigenen Zweifel verstrickt war, nicht mehr in der Lage gewesen wäre, der Mannschaft wieder die Lust am Spiel zu vermitteln. Genau das aber hat sein Nachfolger Schubert getan. Die Verbesserungen sind wohl weniger auf die Einflüsse seines exzellenten Trainings zurückzuführen – wie auch bei einer einzigen Einheit? –, sie sind eher im Reich der Psychologie zu verorten. Ein paar Dinge haben dem neuen Trainer und der Mannschaft zudem in die Karten gespielt: dass die Gladbacher zum Beispiel zum ersten Mal überhaupt in dieser Saison in Führung gegangen sind und die Augsburger den Borussen auch in der Folge schön viel Platz zum Kombinieren ließen.

Es ehrt Schubert, dass er das erfolgreiche Treiben an der Seitenlinie recht reserviert verfolgt hat, dass er sich nicht zu übertriebenen Triumphgesten hat hinreißen lassen. Und es zeigt, dass ein Sieg allein nicht alles vergessen macht, was die Gladbacher zuletzt mit sich herumgeschleppt haben. Wie stabil die Mannschaft wirklich ist, wird sich erst zeigen, wenn sie wieder gegen Widerstände wird ankämpfen müssen. Wird sie dann in der Lage sein, sich aus dem alten Trott zu befreien? In den vergangenen 62 Spielen haben die Gladbacher nur zweimal gewonnen, wenn sie in Rückstand geraten sind: in der vorigen Saison in Hoffenheim und zum Auftakt der aktuellen Spielzeit im Pokal gegen St. Pauli. Einen Zweitligisten.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben