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BR Volleys : Erst das Finale, dann der große Zoff?

Die BR Volleys wollen am Samstag Vereinsgeschichte schreiben. Zugleich erwägen sie den Verzicht auf die Champions League. Es steht viel auf dem Spiel.

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Jubeln für Europa. Die Spieler der BR Volleys können am heutigen Samstag im Rückspiel des CEV-Pokals in Surgut dem Verein den ersten internationalen Titel bescheren.
Jubeln für Europa. Die Spieler der BR Volleys können am heutigen Samstag im Rückspiel des CEV-Pokals in Surgut dem Verein den...Foto: dpa

Beim Kurznachrichtendienst Twitter haben die BR Volleys schon einmal kundgetan, was sie an diesem Samstag sein wollen: #historymaker. Sie wollen also Geschichte schreiben, Vereinsgeschichte, denn noch nie haben die Berliner einen europäischen Pokalwettbewerb gewonnen. „Wir haben schon so viel erreicht“, sagt Volleys-Manager Kaweh Niroomand. „Aber natürlich wollen wir diesen letzten Schritt noch machen.“ Und vielleicht sollten die Volleys diesen letzten Schritt schon allein deshalb tun, weil es nach Lage der Dinge nicht völlig ausgeschlossen ist, dass sie in der nächsten Saison an keinem europäischen Pokalwettbewerb teilnehmen werden.

Niroomand kränkelt dieser Tage leicht und hat deswegen die weite Reise ins russische Surgut nicht mitgemacht. Er wird das Finalrückspiel im CEV-Pokal gebannt zu Hause oder im Park Inn Hotel am Alexanderplatz verfolgen, wo ein Public Viewing veranstaltet wird (Einlass ab 14.30 Uhr). Das Hinspiel gegen Surgut hatten die Volleys in Berlin nach großem Kampf 3:2 gewonnen, das Rückspiel (15 Uhr/live auf Laola1.tv) dürfte nicht minder kräftezehrend werden.

Nur der Meister qualifiziert sich direkt für die Champions League

Dennoch ist Niroomands Euphorie gedämpft. Das hat damit zu tun, dass der europäische Volleyball-Verband CEV die Champions League umgemodelt hat. Von der nächsten Saison an erhalten nur noch die besten vier Nationen zwei direkte Startplätze in der Gruppenphase des wichtigsten europäischen Klubwettbewerbs. Für die Volleys ist das deshalb ärgerlich, weil Deutschland in der europäischen Rangliste auf Platz fünf liegt. Das heißt: Nur der Meister qualifiziert sich direkt für die Champions League, der Vizemeister muss sich über eine neu eingeführte K.-o.-Phase einen Platz in der Gruppenphase erspielen.

„Ich weiß gar nicht, wie wir diese Qualifikationsrunden, sollten wir uns nicht direkt qualifizieren, terminlich unterkriegen wollen“, sagt Niroomand. Der 63-Jährige ist stocksauer über die Entscheidung des CEV. Das geht sogar so weit, dass er sagt: „Sollten wir nicht Meister werden, überlegen wir ernsthaft, uns gar nicht für die Champions League anzumelden.“ Was klingt wie aus der Emotion heraus gesagt, ist nichts anderes als eine nüchterne Kosten-Nutzen-Abwägung.

Lohnt sich eine Teilnahme an der Champions League?

Im Volleyball verhält es sich mit der Champions League anders als bei ihrem Pendant im Fußball. Millionen sind hier nicht zu verdienen, und wenn der Wettbewerb dazu nur über eine zusätzliche Qualifikationsrunde zu erreichen ist, stellt sich sogar die Frage, ob sich eine Teilnahme im wahrsten Sinne des Wortes lohnt. „Wir müssen nicht unter allen Bedingungen daran teilnehmen. Ich werde die Volleys deswegen nicht finanziell und terminlich ins Verderben stürzen“, sagt Niroomand. Ihm ist klar, „dass so eine Entscheidung Konsequenzen haben würde“. In welcher Form, ob man in den dritten europäischen Pokalwettbewerb, den Challenge Cup, heruntergestuft würde oder sogar der Ausschluss aus allen europäischen Wettbewerben drohte, ist Spekulation.

Niroomand scheint jedenfalls gewillt, den Aufstand gegen den von Osteuropäern dominierten europäischen Volleyballverband zu proben. Schon im Dezember vergangenen Jahres hatte er sich laut darüber beschwert, dass der CEV die beiden russischen Klubs Belogorie Belgorod und Dynamo Moskau nicht sanktionierte. Diese waren aufgrund von politischen Spannungen zwischen der Türkei und Russland nicht zu ihren Auswärtsspielen in der Türkei angetreten. Zudem ist er genervt von der kurzfristigen und überbordenden Terminplanung des CEV. „Es wird gar nicht berücksichtigt, dass wir, anders als zum Beispiel russische Mannschaften, über keine eigene Halle verfügen. Wir können nicht von heute auf morgen Spiele neu terminieren“, sagt er.

Ein Sieg heute im Europapokal in Russland wäre für Niroomand also in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderer Erfolg.

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