Sport : Bruno Akrapovic will für TeBe spielen, darf aber nicht...

Karsten Doneck

Auf den Mann war Verlass. 34 Punktspiele in der Regionalliga - und in keinem einzigen hat er gefehlt. Selbst ausgewechselt wurde er nie. Bruno Akrapovic kann also mit Fug und Recht von sich behaupten: "Ich habe diesem Verein zum Aufstieg verholfen." Der Dank dafür fällt für ihn mittlerweile jedoch ein bisschen dürftig aus. Akrapovic hat für Tennis Borussia in bisher 84 Punktspielen die Knochen hingehalten. Aber seit Wochen stagniert dieser statistische Wert. Grund: Trainer Winfried Schäfer hat ihn suspendiert. Die Chance auf Begnadigung liegt nahe Null. Morgen im für den Abstieg entscheidenden Spiel beim Chemnitzer FC benötigt TeBe zwar durch den verletzungsbedingten Ausfall von Suchoparek, Kozak und Melzig dringend routiniert-abgeklärtes Personal in der Hintermannschaft, doch Schäfer denkt selbst in dieser Notlage nicht im Entferntesten daran, sich deshalb mit Akrapovic irgendwie zu arrangieren. "Ich habe da neulich wieder ein Interview mit ihm gelesen, da stehen so viele Dinge drin ...", sagt Schäfer kopfschüttelnd.

Das Interview erschien in der "Mainzer Rhein Zeitung" vor der Partie von TeBe beim FSV Mainz 05 (1:2), bei dem Akrapovic bis zu seinem Wechsel nach Berlin anno 1997 spielte. Alles sei bei Tennis Borussia in bester Ordnung gewesen und - so erzählte es Akrapovic der Zeitung - "dann kommt dieser blonde Kerl, und alles geht bergab." Der 32-jährige Abwehrspieler weiter: "Jedes Wort über ihn (Schäfer - Anm. der Redaktion) ist ein verlorenes Wort. Ich will nur so viel sagen: Wir haben viele gute Einzelkönner, ein guter Trainer macht daraus eine Gemeinschaft und eine funktionierende Mannschaft. TeBe ist keine Einheit."

Akrapovic trifft mit solchen Äußerungen gewiss den Nagel auf den Kopf. Mit dieser Meinung an die Öffentlichkeit zu gehen, mag nicht sehr geschickt sein. Aber was hat Akrapovic denn noch zu verlieren? Der Mann brennt darauf, wieder spielen zu dürfen. Man lässt ihn nur nicht. "Ich fühle mich diesem Verein noch immer verbunden", hat er mal gesagt. Und er ist noch gebunden. Sein Vertrag bei TeBe läuft bis 2002 plus ein Jahr Option. Danach, so wurde Akrapovic zugesichert, soll er weitere drei Jahre lang im Jugendbereich des Vereins arbeiten.

Die Ursachen für Akrapovics Suspendierung liegen schon länger zurück. Eine Boulevardzeitung hatte den Spieler mal mit der Aussage zitiert, er würde seinem Mannschaftskameraden Uwe Rösler keinen Ball mehr zuspielen. Akrapovic bestreitet energisch, das jemals gesagt zu haben. "Ich bin 32 Jahre alt, so einen Fehler macht man vielleicht mit 18."

Die Fronten sind inzwischen so verhärtet, dass Akrapovic zurzeit nicht mal mehr mit der Mannschaft trainieren darf. Was auch zu Reibereien führt. So gab es unlängst einen Disput zwischen Akrapovic und Kotrainer Stefan Mücke. Mücke behauptet, Akrapovic habe ihm Prügel angedroht und wurde damit beim Präsidenten vorstellig. Der Beschuldigte wehrt sich gegen derlei Verdächtigungen. Er sei von Mücke gefragt worden, wie viele Bundesligaspiele er schon bestritten habe. Eine blödsinnige Frage, die wohl allein der Provokation diente. Natürlich wusste Mücke sehr genau, dass Akropovic noch nie in der Bundesliga gespielt hat. Akrapovic soll gekontert haben: "Noch keins, aber du trainierst ja auch nur als Assistent in der Zweiten Liga." Im Interview mit der "Mainzer Rhein Zeitung" meint der TeBe-Profi dazu: "Ich habe ihm lediglich gesagt, er soll mich in Ruhe meine Arbeit machen lassen."

Für den Vorfall musste Akrapovic 5000 Mark Strafe zahlen und bekam eine Abmahnung. "Der Klub will mich provozieren und rausekeln", glaubt er. Es wäre jammerschade, wenn er mit dieser Aussage Recht behielte. TeBe braucht Männer wie Akrapovic. Immerhin war er lange Zeit bei TeBe eine Figur, mit der sich die Fans identifizieren konnten, mehr jedenfalls als mit manchem Profi, den Schäfer im Mommsenstadion angeschleppt hat. Schäfer indes behauptet: "Ich glaube nicht, dass wir mit Akrapovic einen Punkt mehr oder weniger hätten."

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