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Bundesliga : Davie Selke rettet Hertha BSC einen Punkt in Wolfsburg

Zwei Videobeweise, ein verschossener Elfmeter und viele Tore prägen ein turbulentes Spiel zwischen Wolfsburg und Hertha. Am Ende steht ein 3:3.

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Herthas Davie Selke trifft auch in der Liga: Gegen Wolfsburg erzielte er das 3:3.
Herthas Davie Selke trifft auch in der Liga: Gegen Wolfsburg erzielte er das 3:3.Foto: dpa

„Jetzt aber!“, rief der Stadionsprecher. „Ramalama ding dong“ von Rocky Sharpe and The Replays war zum zweiten Mal durch die Lautsprecher gescheppert, die Fußballer von Hertha BSC begaben sich zum Mittelpunkt. „Und damit haben wir einen neuen Spielstand …“, sagte der Stadionsprecher. In diesem Moment malte Schiedsrichter Robert Kampka mit seinen Armen einen Monitor in die Luft. Das Tor zählte nicht: Statt Anstoß für die Berliner gab es Freistoß aus dem eigenen Strafraum, wegen einer strafbaren Abseitsstellung. Auf den Rängen machte sich Revolutionsstimmung breit.

Plattenhardt: "War ein krasses Spiel"


Was für ein Spektakel in Wolfsburg: mit acht Toren, fünf in der ersten Halbzeit, von denen zwei nach Videobeweis wieder aberkannt wurden, dazu einem verschossenen Elfmeter. „War ein krasses Spiel“, sagte Herthas Linksverteidiger Marvin Plattenhardt. Mit dem Ergebnis, dem 3:3 (2:1), konnten die Berliner deutlich besser leben als der VfL Wolfsburg, für den es unter Trainer Martin Schmidt im siebten Spiel das siebte Unentschieden gab. „Den dreckigen Punkt nehmen wir gerne mit“, sagte Davie Selke, der als Joker zum 3:3-Endstand getroffen hatte.
Dabei hatte der Abend für die Berliner und ihren Kapitän Vedad Ibisevic gut begonnen. Der Bosnier hatte vor dem Spiel 900 Spielminuten auf ein Tor in der Bundesliga warten müssen. Bei 900 Spielminuten blieb es auch, weil Ibisevic schon nach 20 Sekunden zum 1:0 traf. Nach Vorarbeit von Valentino Lazaro nahm Ibisevic den Ball zweimal mit dem linken Fuß mit und vollendete dann mit rechts. Auch sein letztes Bundesligator vor mehr als einem halben Jahr hatte der Bosnier gegen Wolfsburg erzielt, ebenfalls zum 1:0; doch damals reichte das zum Sieg.
Die Gastgeber machten nach dem Rückstand viel Druck. Und bejubelten schon nach fünf Minuten zum ersten Mal den Ausgleich. Nach einem Freistoß lenkte John Anthony Brooks den Ball mit dem Fuß an den Innenpfosten, der Ball trudelte die Linie entlang und wurde schließlich von Mario Gomez ins Tor gedrückt. Jubel, Lightshow, Tormusik – und dann revidierte der Schiedsrichter nach Intervention aus Köln alles: Gomez hatte im Abseits gestanden.
Für den Stürmer der Wolfsburger war das nicht die letzte Enttäuschung an diesem Abend. Nach einem Foul von Per Skjelbred an Daniel Didavi gab es Elfmeter für den VfL. Gomez, der zuletzt in Schalke gescheitert war, setzte den Ball an die Latte. „Wir haben viel Glück gehabt in der ersten Halbzeit“, sagte Herthas Verteidiger Sebastian Langkamp.
Und das Glück war noch längst nicht aufgebraucht. Hertha überließ dem VfL weiter die Initiative und kassierte sechs Minuten später durch Yunus Malli das zweite Gegentor. Doch der Schiedsrichter musste sich erneut aus Köln korrigieren lassen. Didavi hatte Mallis Schuss, im Abseits stehend, noch abgefälscht. Die Volksseele kochte trotzdem. „Ihr macht unseren Sport kaputt!“, riefen die VfL-Fans. Die Anhänger aus Berlin, obwohl Profiteure des Videobeweises, schlossen sich an.

Hertha bleibt anfällig in der Defensive


Auch wenn die Tore nicht gezählt hatten: Sie zeigten Herthas Anfälligkeit in der Defensive, zumal auch Niklas Stark (Knie) verletzt raus musste. „In der ersten Halbzeit wollten wir nicht mehr Fußball spielen“, klagte Dardai. Die Wolfsburger machten noch vor der Pause aus dem 0:1 ein 2:1. Erst traf Malli per Kopf. Dann überwand Gomez Herthas Torhüter Rune Jarstein. Der Ball ging an den linken Innenpfosten, rollte an den rechten Innenpfosten und trudelte über die Linie.
Beide Mannschaften spielten auch nach der Pause munter nach vorne und nahmen es dafür mit der Abwehrarbeit weiterhin nicht ganz so genau. Rekik gelang nach einem Freistoß von Marvin Plattenhardt das 2:2. Kurz darauf konnte Divock Origi den Ball nach einer Ecke mit dem Bauch über die Linie stupsen, weil er vollkommen frei stand. Dardai brachte 25 Minuten vor dem Ende Davie Selke als zweiten Stoßstürmer. Und der hat gerade einen Lauf. Sieben Minuten vor Schluss traf er nach gutem Zuspiel von Per Skjelbred zum 3:3. Wolfsburgs Torhüter Koen Casteels hatte seinen Schuss noch abgewehrt, doch Selke sprang der Ball zurück an den Oberschenkel, so dass er eine zweite Chance bekam. „Passt zum Spiel“, sagte er.

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