• Bundesliga-Topspiel gegen FC Bayern München: Fabian Johnson: Der stille Held bei Borussia Mönchengladbach

Bundesliga-Topspiel gegen FC Bayern München : Fabian Johnson: Der stille Held bei Borussia Mönchengladbach

Fabian Johnson ist ein Grund dafür, dass das Duell von Borussia Mönchengladbach gegen den FC Bayern München heute ein Spitzenspiel ist.

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Strukturspieler. Fabian Johnson (l.) gibt Gladbachs Spiel Halt, weil er auch in der Offensive die Defensive mitdenkt. Foto: AFP/Andersen
Strukturspieler. Fabian Johnson (l.) gibt Gladbachs Spiel Halt, weil er auch in der Offensive die Defensive mitdenkt.Foto: AFP/Andersen

Möglicherweise ist Fabian Johnson schuld am Rücktritt von Lucien Favre bei Borussia Mönchengladbach. Und möglicherweise hat sich Favre das selbst zuzuschreiben. Am Tag nach der 0:4-Niederlage seiner Mannschaft zum Saisonauftakt bei Borussia Dortmund bat der Schweizer seine Mannschaft nicht wie sonst zum Auslaufen, sondern zum Elf-gegen-Elf, um die offenkundigen Defizite aufzuarbeiten. Johnson zog sich bei dieser Gelegenheit – und nicht etwa im Spiel gegen den BVB – einen Muskelfaserriss in der Wade zu. Als er fünf Wochen später wieder fit war, hatte die Borussia sechs von sechs Spielen verloren – und Favre die Lust, weiter für den Klub zu arbeiten.

Einen kausalen Zusammenhang zwischen Johnsons Fehlen und der Misserfolgsserie haben damals die wenigsten hergestellt. Es war in jenen Wochen zwar viel von den Verletzten die Rede, von Martin Stranzl, von Alvaro Dominguez und Patrick Herrmann. Aber Fabian Johnson? Stimmt, der fehlt ja auch noch. Inzwischen hat sich mehr und mehr die Erkenntnis durchgesetzt, dass es vor allem Johnson war, der der Mannschaft gefehlt hat. Auf eine Weise, die sich nicht zwingend auf den ersten Blick erschließt. „Er ist ein wichtiger Strukturspieler“, sagt Borussias Sportdirektor Max Eberl.

Johnson ist einer jener unbesungenen Helden, deren Heldentaten dem breiten Publikum erst auffallen, wenn die Heldentaten ausbleiben, weil sie nicht spielen. Für die offensiven Außenpositionen gibt es bei den Gladbachern mit Patrick Herrmann, Ibrahima Traoré oder André Hahn ganz sicher spektakulärere Spieler. Trotzdem hat Favre Johnson vornehmlich in der Offensive aufgeboten. Und nicht auf der Position des rechten Außenverteidigers, auf der er bei der WM in Brasilien für die USA überzeugt hatte. Johnson denkt auch als Offensivspieler die Defensive mit. Er glänzt nicht durch playstationkompatible Kunststückchen, sondern durch seinen Blick fürs große Ganze und ist gerade deshalb wichtig für die Balance seines Teams.

Gute Fitness, ein großes Herz und einen starken Willen bescheinigt Borussias Trainer André Schubert dem 27-Jährigen; er gilt als recht flink, hat eine solide Technik und kann den Ball mit beiden Füßen nahezu gleich gut spielen. Seitdem Johnson im Sommer 2014 ablösefrei aus Hoffenheim kam, stand er in 35 Pflichtspielen in der Startelf. Davon gewann die Mannschaft 23, neun endeten unentschieden, und nur drei gingen verloren. Ohne ihn begannen die Gladbacher 34 Mal: Davon endeten 14 Spiele mit einem Sieg, sieben unentschieden und 13 mit einer Niederlage. „Ich versuche immer, mannschaftsdienlich zu spielen“, sagt Johnson, der auch abseits des Platzes wenig Gewese um seine Person macht. Er ist, im Wortsinne, kein Lautsprecher, sondern äußert sich lieber im Flüsterton – wenn er denn mal reden muss.

Seit Johnson wieder in der Startelf steht, ist Gladbach in der Bundesliga unbezwungen

Inzwischen passiert das zwangsläufig immer häufiger. Im ersten Spiel nach Favres Rücktritt stand Johnson erstmals wieder in der Startelf. Nach fünf Minuten traf er gegen den FC Augsburg zum 1:0. Seitdem haben die Gladbacher in der Bundesliga kein Spiel mehr verloren und sich vom letzten auf den vierten Tabellenplatz emporgearbeitet. Wenn Bayern München an diesem Samstag um 15.30 Uhr im Borussia-Park gastiert, ist das tatsächlich wieder ein Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga: Der Vierte empfängt den Ersten. Und Fabian Johnson, Sohn einer Deutschen und eines US-Amerikaners, wird dann neben Philipp Lahm der einzige gebürtige Münchner auf dem Feld sein.

„Fabian war eigentlich immer ein Spieler, der sich für die Mannschaft aufgeopfert hat“, hat Borussias Vizepräsident Rainer Bonhof in dieser Woche in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ gesagt. „Im Moment ist er auch extrem produktiv und effektiv.“ Am vergangenen Wochenende hat Johnson beim 3:3 in Hoffenheim zum ersten Mal in seiner Karriere zwei Tore in einem Spiel erzielt. Fünf Treffer sind ihm in den 14 Pflichtspielen unter Schubert bereits gelungen. In den sechs Jahren zuvor waren es gerade acht. Ein Held ist Fabian Johnson bei den Gladbachern damit mehr denn je. Nur unbesungen ist er immer weniger.

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