Confed-Cup : Alles neu beim deutschen Gegner aus Kamerun

Seit dem Rücktritt von Samuel Eto’o spielt Afrikameister Kamerun ohne Stars. Auch heute gegen die Deutschen.

Mit Zukunft. Christian Bassogog gehört zum neuformiertem Team.
Mit Zukunft. Christian Bassogog gehört zum neuformiertem Team.Foto: dpa

Hugo Broos ist weit gereist. Der Nationaltrainer von Kamerun fuhr in die Slowakei, nach China, Norwegen, und sogar aus der angolanischen Liga hat der 65 Jahre alte Belgier einen Spieler für seinen Kader gefunden. Kameruns Mannschaft besteht beim Confed-Cup in Russland aus 23 Profis, die in 15 verschiedenen Ländern auflaufen. Der einzige von ihnen, der sein Geld in Deutschland verdient, ist der Stürmer Jacques Zoua vom 1. FC Kaiserslautern.

Seitdem Broos das Team übernommen hat, ist die Auswahl Kameruns kaum mehr wiederzuerkennen. Jene Mannschaft, die am Sonntag in Sotschi auf Deutschland trifft, hat keine Stars oder zumindest namhaften Spieler von bedeutenden europäischen Klubs mehr in ihren Reihen. Sie rechnet sich gegen den Weltmeister daher auch nicht wirklich eine Chance auf den Sieg und den noch immer möglichen Einzug in das Halbfinale aus, sondern begreift diesen Confed-Cup in erster Linie als Erfahrungsgewinn. „Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die solche Turniere braucht, um besser zu werden“, sagt Broos.

Beim Auftaktspiel in Moskau war Samuel Eto’o da

Der Belgier nahm als Spieler an der WM 1986 teil. Als Trainer war er schon in Griechenland, Algerien, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten tätig. „Als ich Anfang 2016 nach Kamerun kam, fand ich dort ein sehr altes Team vor“, erzählte der 65-Jährige nun in Russland. „Wir wussten: Dieses Team hat keine Zukunft. Also haben wir sehr intensiv gescoutet und fanden in verschiedenen europäischen Ligen viele junge Spieler, die einen modernen Fußball spielen können.“

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Nur Verteidiger Sebastien Siani vom KV Oostende ist bereits 30 Jahre alt. Allein Stürmer Vincent Aboubakar von Besiktas Istanbul und Torwart Andre Onana von Ajax Amsterdam haben bereits so etwas wie eine internationale Reputation. Trotzdem gewann Kamerun mit diesem völlig neuformierten Team im Januar überraschend den Afrika-Cup.

„Wir wollen hier in Russland zeigen, dass dieser Erfolg kein Zufall oder ein Unfall war“, sagt Broos. „Dieses Turnier ist eine gute Gelegenheit für unsere jungen Spieler, sich zu zeigen und sich zu empfehlen. Das wird meine Spieler motivieren, alles zu geben.“

0:2 gegen Chile und 1:1 gegen Australien sind die bisherigen Ergebnisse beim Confed-Cup. Beim Auftaktspiel in Moskau saß sogar der frühere Barcelona- und Inter-Mailand-Stürmer Samuel Eto’o auf der Tribüne, der aus der Nationalmannschaft zwar zurückgetreten ist, mit 36 Jahren aber noch immer für den türkischen Klub Antalyaspor spielt. Aus seiner vor Jahren gegründeten Fußball-Akademie gehören derzeit drei Spieler zum Nationalteam. „Ich bin fast so stolz wie ein Vater, der seine Kinder große Dinge erreichen sieht“ sagte Eto’o. „Kamerun hat einen großartigen Kader. Diese Harmonie ist schon die Hälfte von dem, was du brauchst, um zu gewinnen.“ (dpa)

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