Dardai, Groß, Unruh, BR Volleys : Das sind Berlins Sportler des Jahres 2016

Kanute Marcus Groß, Bogenschützin Lisa Unruh, die BR Volleys und Hertha-Trainer Pal Dardai wurden als Berlins Sportler des Jahres ausgezeichnet.

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Wucht am Rand. Trainer Pal Dardai steht für Haltung und Fleiß.
Wucht am Rand. Trainer Pal Dardai steht für Haltung und Fleiß.Foto: AFP

Sportler des Jahres: Marcus Groß

Von seiner Krönung hat Berlins erfolgreichster Olympiasportler so gut wie nichts gesehen. Nach dem Olympiasieg im Kajak-Zweier war ein Dieb im Zimmer von Marcus Groß aufgetaucht. Die wertvolle Medaille hatte er nicht gefunden, wohl aber die Kontaktlinsen des Kanuten. Also setzte sich Groß tags darauf halb blind in den Vierer. Doch im Kanusport geht es ohnehin eher um den Kampf gegen innere Qualen als um die externe Sicht, und so gewann der leidensfähige Groß auch im Vierer Gold.

Scharf betrachtet ist der 27-Jährige vom kleinen Grünauer Kanuverein 1990 weniger Einzelsportler als Teil eines einzigartigen Duos. Ohne seinen vier Jahre jüngeren Bootspartner Max Rendschmidt ist er eigentlich gar nicht mehr vorstellbar. Die Berlin-Bonner Verbindung kämpfte sich nach Fehlschlägen zurück an die Spitze, unter anderem, weil sie einen Mentaltrainer engagierte. Das Paar bildete auch das Kraftzentrum des Vierers und ragte so neben dem Potsdamer Sebastian Brendel aus der überragenden Bilanz der Kanuten noch einmal heraus. Die beiden Goldmedaillen hat Marcus Groß übrigens sicher aus Rio nach Hause gebracht.

Doppelt gut. Marcus Groß (r.) jubelt mit Kanupartner Max Rendschmidt.
Doppelt gut. Marcus Groß (r.) jubelt mit Kanupartner Max Rendschmidt.Foto: dpa/Lewins

Sportlerin des Jahres: Lisa Unruh
Getanzt hat sie nicht, auch nicht im Sambodromo. Als sie überraschend die olympische Silbermedaille im Bogenschießen gewann, jubelte sie zwar, aber auf ihre Art: kontrolliert. Statt Champagner oder Bier trank sie später Wasser, das sei sowieso ihr Lieblingsgetränk. Lisa Unruh ist meist die Ruhe selbst. Und das ist die große Stärke der 28-Jährigen.

Mit großer Willenskraft hat Unruh jahrelang Tag für Tag auf der kleinen, schmucklosen Schießanlage in Hohenschönhausen trainiert. Meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit, und auch von ihren Wettkämpfen nahm man kaum Notiz. Bogenschießen ist uralt, aber hierzulande anders als in Südkorea wenig populär. In diesem Jahr hat Unruh ihrer Sportart nun zu unverhofftem Glanz verholfen. Bereits im März wurde sie Hallen-Weltmeisterin, im August dann holte sie als erste deutsche Bogenschützin überhaupt eine olympische Einzelmedaille.

Dabei wäre sie beinahe Schwimmerin geworden, erst nach der fünften Klasse wechselte sie zum Bogenschießen. Sie fand es sofort „megageil“. Nun ist Lisa Unruh Berlins Sportlerin des Jahres. Übrigens als erste Bogenschützin.

Die Ruhe weg. Bogenschützin Lisa Unruh holte in Rio Silber.
Die Ruhe weg. Bogenschützin Lisa Unruh holte in Rio Silber.Foto: dpa

Trainer/Manager des Jahres: Pal Dardai
Neulich hat Pal Dardai die Geschichte von seinem Kühlfach erzählt. Hertha hatte gerade den dritten Tabellenplatz erobert. Er werde die Tabelle ausschneiden und in sein Kühlfach legen. Im Mai, so seine Idee und Hoffnung, wenn die Spielzeit endet, hole er sie hervor – und schwupps, Hertha wäre Dritter und für die Champions League qualifiziert. Es wäre ein umwerfender Erfolg für diesen leidgeprüften Verein.

Pal Dardai, 40, ist mehr ein Täter denn Träumer. Schon als Spieler kam er weniger über sein Talent, sondern mehr über seinen Fleiß. Als Trainer hat er nach diesem Bilde eine Mannschaft geformt, die reifer ist als in seinem ersten Jahr. Hertha ist nicht nur eine fleißige Mannschaft, sondern auch eine, die Widrigkeiten standhalten kann und Mut hat.

Er hat seine eigene, gute Ansprache. Es sind einfache Worte und Sätze. Er nutzt gern wundervolle Bilder, wenn ihm das Deutsche zu kompliziert wird. Das ist authentisch, seine Spieler folgen ihm. Auch weil sie spüren, dass ihr Trainer sie besser macht. Vielleicht nicht jeden Tag, aber auf Strecke. Man sollte schon mal etwas kaltstellen.

Mannschaft des Jahres: BR Volleys
Dass die BR Volleys um Titel mitspielen, gehört beim Verein und dessen Fans mittlerweile zum Anspruch dazu. Eine so erfolgreiche Saison, wie sie die Volleys 2015/16 gespielt haben, gab es bei dem Klub aus Charlottenburg allerdings noch nie. Zunächst triumphierte die Mannschaft von Trainer Roberto Serniotti im DVV-Pokal, zum letzten Mal war dies den Berlinern vor 16 Jahren gelungen. Danach gewannen die Volleys den ersten Europapokal-Titel der Vereinsgeschichte. Im Finale des CEV-Pokals besiegten sie das russische Spitzenteam aus Surgut deutlich.

Obendrauf holten sich die Volleys auch den aus ihrer Sicht wichtigsten Titel: die deutsche Meisterschaft. Dem großen Rivalen VfB Friedrichshafen, der den Berlinern im Jahr zuvor den Meistertitel entrissen hatte, ließen sie im Play-off-Finale keine Chance. Schöner Nebeneffekt: Zum ersten Mal gewannen die Volleys das entscheidende Spiel in der Max-Schmeling-Halle. Frühere Meisterschaften hatten sie stets auswärts errungen. Umso größer waren die Feierlichkeiten dieses so dominanten Teams. Und umso verdienter ist nach dem Triple die Auszeichnung zu Berlins Mannschaft des Jahres.

Titel Nummer drei. Paul Carroll und die BR Volleys mit der Meisterschale.
Titel Nummer drei. Paul Carroll und die BR Volleys mit der Meisterschale.Foto: imago/Rebsch

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