Sport : Das ungleiche Paar

Albas Mithat Demirel gegen Frankfurts Pascal Roller: Wer gewinnt das Duell der kleinen Basketballer?

Benedikt Voigt

Berlin - Eigentlich könnte Mithat Demirel mit seiner Körpergröße zufrieden sein. Mit einer Länge von 1,80 Meter liegt der 26-Jährige drei Zentimeter über dem Durchschnitt der männlichen Bevölkerung in Deutschland. Trotzdem muss er sich aufgrund seiner Berufswahl „Basketballprofi bei Alba Berlin“ häufiger mal eine erstaunte Nachfrage anhören: „Bist du nicht zu klein dafür?“ Eine Frage, die auch Pascal Roller kennt.

Mithat Demirel und der ebenso groß oder klein gewachsene Pascal Roller von den Skyliners aus Frankfurt verkörpern den gleichen Spielertypus in der Basketball-Bundesliga: schnell, wendig, spielbestimmend. Gegenwärtig treffen beide Aufbauspieler in der Halbfinalserie zwischen Alba Berlin und Frankfurt direkt aufeinander. Nach Siegen steht es 1:1, heute in der Max-Schmeling-Halle (17.15 Uhr, live auf Premiere) kann ein Team einen großen Schritt in Richtung Finale machen. Unentschieden ist bisher auch das persönliche Duell zwischen Roller und Demirel gelaufen.

Bei Berlins Niederlage im ersten Spiel (64:80) überragte Roller mit 23 Punkten und fünf Assists, im zweiten Spiel (94:85) schlug Mithat Demirel mit zehn Punkten und einer hundertprozentigen Trefferquote von der Dreipunktelinie zurück. Zwar erzielte Roller erneut 22 Punkte und reichte neun Assists, doch nach dem ersten Viertel hatte die Berliner Verteidigung ihn besser im Griff. „Er ist momentan in einer sehr guten Form“, sagt Demirel, „aber wir haben diesmal seine Laufwege besser gestört.“ Seine schwache Leistung im ersten Spiel führt er auf eine Erkältung zurück. „Das ist tödlich in so einem Spiel.“ Allerdings musste er sich in der Verteidigung auf Frankfurts Maßnahmen einstellen, Pascal Roller freizublocken. „Ich bin beim Versuch, über den Block zu laufen, zu lange hängengeblieben.“ In Frankfurt jedoch ließ er sich nicht mehr so leicht abhängen.

Bei aller körperlicher Ähnlichkeit erfüllen beide Nationalspieler in ihren Bundesligateams unterschiedliche Aufgaben. Während Roller in seiner Mannschaft den uneingeschränkten Chef im Spielaufbau gibt und fast die gesamten 40 Spielminuten auf dem Feld steht, teilt sich Demirel diese Rolle mit dem US-Amerikaner Gerald Brown. Beide sind bei Alba Teil einer Rotation von sieben Spielern. „Es ist die Philosophie von Alba, nicht von ein oder zwei Spielern abhängig zu sein“, sagt Demirel.

Sein Verhältnis zu Roller beschreibt Demirel als „normal“. Er kennt ihn seit Jugendzeiten, als Roller für den USC Freiburg spielte. Befreundet sind die beiden nicht. „Wir telefonieren nicht“, sagt Demirel. Womöglich sind sie sich in ihrer Spielweise zu ähnlich, außerdem konkurrieren sie in der Nationalmannschaft um dieselbe Position. In seiner gegenwärtigen Form ist der Frankfurter aussichtsreichster Kandidat für den Posten als erster Aufbauspieler im Nationalteam bei der Europameisterschaft 2005 in Serbien und Montenegro. Bundestrainer Dirk Bauermann hat neben Roller und Demirel auch Steffen Hamann und Misan Nikagbatse für die Spielmacherposition zur Verfügung. Doch an die Europameisterschaft denkt Demirel noch nicht. „Der Sommer ist noch weit weg.“

Zunächst gilt es, mit Alba das Finale zu erreichen. „Wir waren im ersten Spiel mental nicht auf der Höhe“, sagt Demirel. Heute wird viel davon abhängen, ob Alba ähnlich aggressiv wie in Spiel zwei zu Werke geht. Und wer das Duell der kleinen Basketballer gewinnen kann.

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