Der Streetfighter von Hertha BSC : Yanni Regäsel: Der Typ, der mitreißt

Der erst 19 Jahre alte Yanni Regäsel rückt auch gegen Hoffenheim in die Startelf. Zuletzt überragte das Talent aus Herthas Nachwuchs beim Sieg in Hannover.

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Wendig und willig. Yanni Regäsel (links) bei seinem Debüt in Herthas Profi-Startelf vor zwei Wochen in Hannover.
Wendig und willig. Yanni Regäsel (links) bei seinem Debüt in Herthas Profi-Startelf vor zwei Wochen in Hannover.Foto: dpa/Steffen

Anfang der vergangenen Woche hat Yanni Regäsel eine ungewohnte Erfahrung gemacht. Er hat bei den Profis von Hertha BSC trainiert und war ausnahmsweise mal nicht der jüngste Spieler auf dem Platz. Weil die Nationalspieler mit ihren Nationalteams unterwegs waren, hatte Trainer Pal Dardai einige Jugendspieler aus der U 17 und U 19 zum Training der Profis gebeten. Sonst ist Yanni Regäsel, 19 Jahre alt, seiner Zeit immer ein bisschen voraus. Schon in der vergangenen Saison hat er vornehmlich in der U 23 gespielt, obwohl er eigentlich noch A-Jugendlicher war. Der damalige U-19-Trainer Michael Hartmann hat Regäsel nur drei Mal eingesetzt, unter anderem im DFB-Pokalfinale gegen Energie Cottbus. „Das ist nicht so einfach, wenn man nicht den Kontakt zur Mannschaft hat“, sagt der frühere Nationalspieler Hartmann. „Aber Yanni ist ein Typ, der die anderen mitreißen kann.“

Dass Regäsel nicht lange braucht, um sich in unbekannter Umgebung zurechtzufinden, hat er auch bei Herthas Profis gezeigt. Im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach wurde er für die letzten zwölf Minuten eingewechselt. „Nach zwei Ballkontakten habe ich gesagt: Nächste Woche spielt er“, erzählt Pal Dardai. Herthas Trainer hat im Laufe der Woche noch gegrübelt, ob das Risiko nicht doch zu groß wäre, am Ende hat er Regäsel bei Hannover 96 von Anfang an aufgeboten. „Er hat ein überragendes Spiel gemacht“, sagte Dardai später über das Startelfdebüt des Rechtsverteidigers. Regäsel gewann 62 Prozent seiner Zweikämpfe, er hatte 60 Ballkontakte, und vor allem wirkte er auf der großen Bühne unerschrocken und nicht im Geringsten eingeschüchtert. Das passt auch nicht zu ihm. „Yanni profitiert von seiner Mentalität“, sagt Dardai. „Er ist ein richtiger Arbeiter, gibt in jedem Training hundert Prozent.“

Regäsel wird vermutlich auch an diesem Sonntag, im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim, wieder in der Startelf stehen. Mitchell Weiser hat sich bei der U 21 verletzt, Peter Pekarik ist nach seiner Schulteroperation zwar zurück auf dem Trainingsplatz; dass er in diesem Jahr aber noch einmal zum Einsatz kommt, ist eher ausgeschlossen. Erst Mitte Dezember darf der Slowake wieder das komplette Trainingsprogramm inklusive Zweikämpfen bestreiten. Bis dahin wird wohl Yanni Regäsel, der Junge aus dem eigenen Nachwuchs, weiter die Chance erhalten, sich für mehr zu empfehlen. „Er hat ein gutes erstes Spiel gemacht“, sagt Sebastian Langkamp, sein erfahrener Nebenmann aus der Viererkette, „wichtig ist, dass ihm das auch in seinem zweiten Spiel gelingt.“

Der 19-Jährige steht nicht unter dem Verdacht, zum Abheben zu neigen

Bei Hertha sind sie in dieser Hinsicht inzwischen ein bisschen vorsichtiger geworden: An Talenten hat es in der Vergangenheit nicht gemangelt; gemangelt hat es den Talenten eher am unbedingten Willen, nach dem ersten Schritt auch den letzten entscheidenden zum gestandenen Bundesligaprofi zu machen. Dardai empfindet das Lob für Regäsel als durchaus gerechtfertigt, er sagt aber auch: „Wenn er 50, 60 Mal überragend spielt, dann kriegt er großes Lob.“ Der 19-Jährige steht allerdings nicht unter dringendem Tatverdacht, zum Abheben zu neigen. „Er ist charakterlich einwandfrei und kann damit umgehen“, sagt Langkamp.

Wer immer sich zu Regäsel äußert, hebt seine gesunde Mentalität hervor. Er ist ein kleiner Streetfighter auf dem Platz, einer der von seiner Emotionalität lebt, sich in eine Sache regelrecht verbeißen, aber auch leicht aufbrausend sein kann. Dass Regäsel mit Herthas U 17 Meister geworden ist, mit der U 19 den Pokal gewonnen hat und in beiden Teams Führungsspieler war, hält Dardai für alles andere als Zufall. „In solchen Stresssituationen ist er immer da gewesen, er ist da immer als Gewinner rausgekommen“, sagt der Ungar. „Yanni hat keine Angst.“

Ein bisschen verwunderlich ist es angesichts der Entwicklung, dass Regäsel im Sommer erst einmal nicht für die Profis vorgesehen war, während Shawn Kauter, Florian Kohls und Maximilian Mittelstädt, seine Mitspieler aus der U23, die komplette Vorbereitung absolvieren durften. Kohls und Mittelstädt haben inzwischen sogar ihre ersten Profiverträge unterschrieben.

Trotz allem hat Regäsel im Sommer nicht den Kopf hängen lassen, sagt Herthas U-23-Trainer Ante Covic. „Er wusste, dass er es schaffen wird.“ Und das, obwohl angesichts der Kandidaten Pekarik, Weiser und Kauter eher nicht davon auszugehen war, dass auf der Position des Rechtsverteidigers akuter Notstand herrschen würde. „Yanni war erst mal nicht da geplant“, sagt Pal Dardai. „Aber so ist das Leben.“

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