Sport : Die Bank im eigenen Büro

Schalkes Aufsichtsratschef Tönnies hat dem Klub viel Geld geliehen.

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Foto: p-a/dpa Foto: picture alliance / dpa
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Berlin – Die Begründung wirkt nicht nur im Nachhinein vorgeschoben. Er habe sich nicht in den Vordergrund drängen wollen, sagt Clemens Tönnies. Der 56-Jährige ist einer der größten Fleischfabrikanten Europas und nicht gerade arm. Zudem ist er Aufsichtsratschef von Schalke 04. Nach einem Bericht der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ war es nicht wie damals behauptet eine anonyme „international operierende Bank“ sondern Tönnies, der vor zwei Jahren die noch offenen 65 Millionen Euro aus der sogenannten „Schechter-Anleihe“ ablöste.

Der Londoner Finanzvermittler Stephan Schechter hatte ein Konsortium von Investoren vor einigen Jahren dazu gebracht, dem stark verschuldeten Klub 85 Millionen Euro zu leihen, als es schwierig war, Bankkredite zu erhalten. 2010 machten die Anleger der amerikanischen und englischen Fonds Druck, sie forderten mehr Sicherheiten und Garantien für ihr Geld. Die Erleichterung in Gelsenkirchen war so groß, als die Ablösung der stets umstrittenen Anleihe bekannt gegeben wurde, dass niemand genau wissen wollte, wer hinter der angeblichen internationalen Bank steckt.

Aufsichtsratschef Tönnies bekommt sein Geld nun demnächst zurück, denn Schalke wird diesen Kredit noch einmal umschulden und ist bereit, dafür mehr Zinsen zu zahlen. Die von Tönnies aufgekaufte Anleihe ist derzeit mit ungefähr fünf Prozent verzinst.

In der vergangenen Woche hat Schalke, das vor allem wegen des Stadionbaus mit insgesamt 184 Millionen Euro verschuldet ist und auf Jahre hinaus einen Teil der Einnahmen verpfändet hat, eine Schuldverschreibung mit einem Zinssatz von 6,75 Prozent auf den Markt gebracht. Für 1000 Euro kann man wie bei einem mittelständischen Unternehmen das Papier an der Börse zeichnen. Wer dies tut, erhält im Gegensatz zu den nicht börsennotierten Fan-Anleihen anderer Klubs keine schmückende Urkunde für das Wohnzimmer. Er hat ein komplexes Finanzprodukt erworben, das dem Klub 50 Millionen Euro bringen soll. Schlimmstenfalls droht dem Anleger der – allerdings sehr unrealistische – Totalverlust, weil die Anleihe nicht besichert ist.

Das ist bei den alten Schalker Schulden anders, die von Tönnies und inzwischen auch teilweise von einigen Banken übernommene Anleihe ist durch die Verpfändung von Anteilen an Schalker Unternehmen sowie von Forderungen aus Spielertransfers besichert. Diese Sicherheiten fallen mit der Umschuldung an Schalke zurück. Der Klub steht also auf den ersten Blick besser da, muss dafür allerdings auch mehr Zinsen zahlen.

Von Clemens Tönnies ist nicht bekannt, ob er als Privatmann in die neue Anleihe investieren will. Als Aufsichtsratschef steht er nun aber einem Klub vor, der über seine Spielertransfers wieder ein Stück freier entscheiden kann.

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