Sport : Die nächste Depression

Durch ein 1:2 beim FC Fulham verpasst der Hamburger SV das Finale der Europa League

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London - 75 Minuten lang durfte der Hamburger SV am Donnerstagabend davon träumen, dass ein einziger Geniestreich reichen würde, um die vergangenen Wochen der Agonie vergessen zu machen. Mit dem linken Fuß hatte HSV-Angreifer Mladen Petric im Halbfinale der Europa League einen Freistoß kunstvoll zum 1:0 ins Tor des FC Fulham gezirkelt, die Hamburger waren nach dem 0:0 im Hinspiel auf dem Weg ins Endspiel am 12. Mai im eigenen Stadion. Bis auf diesen einen Moment allerdings spielte der HSV in London zu uninspiriert, um sich das große Finale zu verdienen. Fulham drehte das Spiel mit zwei Toren in der zweiten Hälfte und stürzte die Hamburger durch den 2:1 (0:1)-Sieg nach dem jüngsten 1:5 in Hoffenheim und dem Rauswurf von Trainer Bruno Labbadia in die nächste Depression. Die Londoner treffen im Finale auf Atletico Madrid: Beim FC Liverpool verloren die Spanier ihr Rückspiel zwar 1:2 (0:1, 0:1) nach Verlängerung, setzten sich aber aufgrund des 1:0 aus dem Hinspiel durch. Diego Forlan schoss das entscheidende Tor, nachdem Liverpool schon 2:0 in Führung gelegen hatte.

Rund 72 Stunden hatte HSV-Interimscoach Ricardo Moniz nach der Entlassung von Labbadia am Montag gehabt, um die Leidenschaft des zuletzt seelenlosen Teams zu entfachen. Diese Zeit reichte dem Niederländer am Ende nicht. Zunächst begannen die Hamburger aber hellwach, aggressiv und konzentriert. Auch Dennis Aogo, der nach seinen Magen-Darm-Beschwerden erst wenige Stunden vor dem Spiel zur Mannschaft stieß und von Moniz gleich in die Startaufstellung beordert wurde. Eine Schrecksekunde mussten die mitgereisten HSV-Fans gleich zu Beginn überstehen, als Bobby Zamora im Hamburger Strafraum frei zum Schuss kam. Im glänzend reagierenden Keeper Frank Rost fand der Londoner Stürmer aber seinen Meister. Verunsichern ließ sich der Bundesliga-Siebte durch die frühe erste Chance der Hausherren aber keineswegs.

Nach 22 Minuten bewies Mladen Petric dann einmal mehr seine Extraklasse: Aus rund dreißig Metern ließ er seinen Freistoß über die Fulham-Mauer fliegen, Australiens Nationalkeeper Mark Schwarzer streckte sich vergeblich. Petric rutschte auf Knien über den englischen Rasen, seine Mitspieler feierten die Führung und die HSV-Fans skandierten bereits voller Euphorie: „Über London fahren wir nach Haus.“ Sieben Minuten vor der Pause wäre Jonathan Pitroipa fast das 2:0 gelungen, der Distanzschuss des Profis aus Burkina Faso verfehlte aber knapp das Tor.

Fulham drängte nach dem Seitenwechsel auf den Ausgleich – bis zum Duell mit dem HSV hatten die Londoner noch kein Heimspiel in der Europa League in dieser Saison verloren. Trainer Roy Hodgson brachte US-Nationalspieler Clint Dempsey für Zamora. Doch den Ausgleich markierte ein anderer: Hamburgs Verteidiger Guy Demel kam zu spät und Simon Davis bugsierte den Ball am herausgeeilten Rost vorbei ins Netz. Das Zittern begann – und endete fatal für die Hamburger: JonathanPitroipa vergab eine weitere Chance und kurz darauf verwandelte Zoltan Gera im Anschluss an eine Ecke nach 75. Minuten das Stadion mit dem Siegtreffer für den FC Fulham in ein Tollhaus. Ruud van Nistelrooy verpasste schließlich Sekunden vor dem Ende der Nachspielzeit den Ausgleich, als er den Ball kurz vor dem Tor noch einmal quer legte, anstatt selbst abzuschließen. dpa/Tsp

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