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Die Revolution bleibt aus : Bundesliga stimmt gegen Torlinientechnik

Die Bundesligisten haben gegen die Einführung der neuen Torlinientechnik gestimmt. Vor allem die Zweitligisten lehnen die Neuerung ab - sie ist ihnen zu teuer. Die Schiedsrichter erhoffen sich nun zumindest weniger Kritik.

Drin oder nicht? Das Wembley-Tor 1966.
Drin oder nicht? Das Wembley-Tor 1966.Foto: dpa

Die Niederschlagung der Technik-Revolution im deutschen Fußball war eine Angelegenheit von wenigen Minuten, die Auswirkungen könnten aber noch auf Jahre spürbar sein. In einer kurzen Abstimmung votierten am Montag auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) nur neun von 18 Erstligisten und lediglich drei Zweitligavereine für die Einführung einer Torlinientechnologie. Die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit wurde damit
klar verfehlt. „Bis auf weiteres ist dieses Thema damit für uns erledigt. Ich erwarte in naher Zukunft keinen neuen Antrag“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball.

Eine große Rolle bei der Ablehnung vor allem im Unterhaus dürften die Kosten gespielt haben. Ein Kamerasystem wie das in England verwendete Hawk Eye oder das für die WM gebuchte Goal Control hätte jeden Verein rund 500 000 Euro für drei Jahre gekostet. Der Chip im Ball wurde mit rund 250 000 Euro für diesen Zeitraum veranschlagt. „Die Kosten sind so exorbitant, dass das nicht tragbar ist“, begründete Jörg Schmadtke, Geschäftsführer des Zweitliga-Spitzenreiters 1. FC Köln, seine Ablehnung.

Aus Kostengründen hatte der DFB bereits vor Montag erklärt, eine mögliche Torlinientechnologie nicht in den ersten Runden des DFB-Pokals einzusetzen, um die Amateurvereine vor erheblichen Ausgaben zu bewahren.

Anders als in England oder bei der Fußball-WM in Brasilien wird es in der Bundesliga so auf absehbare Zeit keine technischen Hilfsmittel geben. Nach intensiven Vorgesprächen kam es am Montag nicht einmal mehr zu einer kontroversen Diskussion.

„Es gab ein demokratisches Votum, das es zu akzeptieren gilt. Für die Wahrnehmung der Bundesliga sehe ich dadurch keinen Nachteil. Die steht und fällt nicht mit der Torlinientechnologie“, kommentierte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert das Ergebnis.

Er verwies darauf, dass es in den Top-Ligen Europas derzeit kein einheitliches Bild gebe. So setzen Italien und Frankreich auf Torrichter, die für die Bundesliga als Alternative jedoch ebenfalls keine Rolle spielen. „Wir haben uns im Vorfeld mit diesem Thema beschäftigt. Die Torrichter kommen für uns überhaupt nicht infrage, weil letztlich das menschliche Auge nur eine bestimmte Anzahl an bestimmten Bildern pro Sekunde aufnehmen kann“, stellte Andreas Rettig, DFL-Geschäftsführer Spielbetrieb, klar.

Rettig ließ anklingen, dass das Abstimmungsergebnis für ihn überraschend kam. „Wir hatten einen Entscheid erwartet, nach dem wir in die Ausschreibung für die Art der technischen Hilfsmittel gehen“, erläuterte er. Dazu kam es nicht, weil sich die Befürworter wie Branchenprimus Bayern München, Bayer Leverkusen, Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach, 1899 Hoffenheim und der FSV Mainz 05 nicht durchsetzen konnten.

„Wir bedauern diese Entscheidung. Als Demokraten haben wir das zu akzeptieren“, erklärte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und fügte hinzu: „Wir werden in Zukunft weiter mit Fehlentscheidungen leben müssen. Diejenigen, die gegen die Torlinientechnik gestimmt haben, sollten dann aber auch nicht mehr lamentieren.“

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Er hoffe, „dass sich der ein oder andere nach dieser Entscheidung in Zukunft etwas schwerer tut, die Schiedsrichter für eine strittige oder falsche Entscheidung in diesem Bereich öffentlich zu kritisieren“, sagte Herbert Fandel.

Entsetzt äußerte sich der Mainzer Trainer Thomas Tuchel. „Für mich ist das eine völlig unverständliche Entscheidung. Den Grund dafür will ich gar nicht wissen und würde ihn auch nicht verstehen“, kritisierte er. Werder-Coach Robin Dutt gab zu bedenken, dass eine Tor-Entscheidung „neben der sportlichen auch eine wirtschaftliche Bedeutung haben könnte. Wir geben so viel Geld in die Technik aus, da kann ich nicht einsehen, warum wir das bei so einer wichtigen Sache nicht machen.“

Wie sehr das Thema polarisiert, zeigte sich am Beispiel des Hamburger SV. „Ich weiß, dass unser Vorstand dagegen gestimmt hat. Ich persönlich bin tendenziell dafür, weil man doch wissen will, ob der Ball hinter der Linie war oder nicht“, erklärte Trainer Mirko Slomka. HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer begründete die Haltung des Bundesliga-Dinos so: „Wir diskutieren über ein, zwei oder drei Entscheidungen in der Saison. Manchmal ist man der Glückliche, manchmal nicht. Das gleicht sich aus. Dagegen stehen die extremen Kosten. Das rechnet sich nicht.“

Am Ende setzten sich die Traditionalisten wie Heribert Bruchhagen durch. „Der Fußball soll überall unter gleichen Bedingungen gespielt werden“, erklärte Eintracht Frankfurts Vorstandsboss. Er sieht das Votum aber nicht als endgültig an: „Ich glaube nicht, dass es ein Nein für alle Zeiten war.“ Schalkes Sportvorstand Horst Heldt, der die Technik ebenfalls ablehnte, brachte bereits eine Alternative ins Spiel: „Ich persönlich halte den Videobeweis für sinnvoller - nicht nur bei Torentscheidungen.“

Herbert Fandel hofft nach der Entscheidung auf weniger Schiedsrichter-Schelte. Der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) hatte sich stets für die Einführung von technischen Hilfsmitteln ausgesprochen. Fandel hofft, „dass sich der ein oder andere nach dieser Entscheidung in Zukunft etwas schwerer tut, die Schiedsrichter für eine strittige oder falsche Entscheidung in diesem Bereich öffentlich
zu kritisieren.“

Der frühere Fifa-Referee aus Kyllburg verwies darauf: „Wir Schiedsrichter haben stets betont, dass wir die Einführung der Torlinientechnologie begrüßen würden, da sie die Unparteiischen bei der wichtigsten Entscheidung des Fußballs unterstützt und somit auch ein Stück weit aus der Kritik nimmt.“ Dass sich die Profivereine nunmehr mehrheitlich dagegen ausgesprochen haben, würden die Schiedsrichter selbstverständlich akzeptieren. (dpa)

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