• Die VSG Altglienicke und Torsten Mattuschka: Ein Amateurklub durchsetzt mit Ex-Profis

Die VSG Altglienicke und Torsten Mattuschka : Ein Amateurklub durchsetzt mit Ex-Profis

Torsten Mattuschka und Björn Brunnemann spielten einst für Union Berlin in der Zweiten Liga. Jetzt laufen sie in der Oberliga auf - bei der VSG Altglienicke.

Rahul Rahman
Torsten Mattuschka wie ihn die meisten kennen - im Trikot von Union Berlin. Inzwischen aber spielt er in der Oberliga bei der VSG Altglienicke.
Torsten Mattuschka wie ihn die meisten kennen - im Trikot von Union Berlin. Inzwischen aber spielt er in der Oberliga bei der VSG...Foto: picture alliance / dpa

Sie mögen für Fußballer schon ein biblisches Alter haben. Aber für die Oberliga reicht es für Torsten Mattuschka, 36 Jahre alt, und den gleichaltrigen Björn Brunnemann allemal. Die Frage für die beiden Ex-Profis ist vielmehr: Für wie viel mehr reicht es noch? Die beiden spielen in der NOFV Oberliga Nord beim Aufsteiger VSG Altglienicke, und der steht nach neun Spielen mit 20 Punkten auf Platz eins und strebt den Durchmarsch an.
Auch Mattuschka, viele Jahre beim 1. FC Union in der Zweiten Liga aktiv, weiß um die Qualität des Berliner Meisters: „Wir haben für die Oberliga eine gute Truppe mit viel Potenzial.“

Mattuschka, Spitzname „Tusche“ und Brunnemann kommen zusammen auf 369 Profieinsätze für Teams wie eben Union, St. Pauli und Energie Cottbus. Doch die beiden sind nicht die einzigen Ex-Profis in der Mannschaft. Fünf weitere Akteure kickten in den drei höchsten Spielklassen Deutschlands sowie in der kroatischen und bosnischen ersten Liga. Innenverteidiger Francis Banecki spielte als 19-Jähriger mit Werder Bremen in der Champions League und traf sogar bei der U20-WM 2005 auf Lionel Messi. Mehrere Verletzungen verhinderten eine größere Karriere. Ähnlich verlief die Entwicklung des einstigen Hertha-Talents Lennart Hartmann, der mit 17 Jahren vier Monaten und 14 Tagen in der Bundesliga debütierte und so zum jüngsten Bundesligaspieler der Geschichte von Hertha BSC wurde.

Mit dem systematischen Anheuern von Ex-Profis erhofft sich der Investor und Sportliche Leiter Daniel Böhm zum einen mehr öffentliches Interesse für seinen Verein. Zwar habe, sagt Böhm, „die Außendarstellung des Vereins „einen großen Schritt nach vorne gemacht“, doch ganz zufrieden ist er dann doch nicht. „Auch wenn unsere Zuschauerzahlen gestiegen sind, könnten sie trotzdem höher sein“, sagt er. Während in der vergangenen Saison der Zuschauerschnitt bei 79 lag, kamen es in den ersten fünf Heimspielen dieser Saison immerhin durchschnittlich 385 Zuschauer. Den Heimsieg gegen Tennis Borussia sahen sogar 965 Zuschauer im Fritz-Lesch-Sportpark in Treptow-Köpenick. Böhm ist aber bewusst, dass es für einen kleinen Verein „sehr schwierig ist, Aufmerksamkeit zu erregen“.

Mattuschka überzeugte in den bisherigen neun Spielen

Die ehemaligen Profis sollen der VSG aber nicht nur mehr Aufmerksamkeit verschaffen, sie sollen auch zur sportlichen Weiterentwicklung der Mannschaft um das Trainergespann Simon Rößner und Dennis Kutrieb beitragen. „Wir sollen unsere Erfahrungen an die etwas jüngeren Spieler weitergeben und in schwierigen Situationen vorweg marschieren“, beschreibt Mattuschka seine Aufgabe.

Natürlich ist auch das fußballerische Können gefragt. Allen voran Mattuschka überzeugte in den bisherigen neun Spielen. Mit zwei Toren sicherte er am vergangenen Spieltag der VSG einen Punkt gegen Grün-Weiß Brieselang. Das 2:2 war für Manager Böhm zu wenig, obwohl damit die Tabellenführung verteidigt werden konnte. „Grundsätzlich sind wir zufrieden, doch mit unserem Kader sollten wir zwei oder drei Punkte mehr auf dem Konto haben“, sagte er.

Der Aufsteiger gibt sich keineswegs bescheiden. Laut Böhm, „kann die Oberliga nur als Durchgangsstation gesehen werden.“ Ziel sei ganz klar die Regionalliga. „Man darf nicht vergessen, dass wir Aufsteiger sind. Wir können hier jetzt nicht lospoltern“, mahnt Brunnemann. Ein Zwei-Jahres-Plan sieht den Aufstieg bis spätestens 2018 vor.

Dass Altglienicke sich zur dritten Kraft hinter Hertha BSC und dem 1. FC Union entwickeln könnte, ist derzeit eher unwahrscheinlich. Schon für die Regionalliga müsste sich einiges ändern. So hat der Klub kein viertligataugliches Stadion. Auch deshalb urteilte Daniel Böhm realistisch: „Für uns ist die Regionalliga die erste Liga. Das ist das Ende der Fahnenstange. Mehr geht für uns nicht.“ Ein Durchmarsch in den Profifußball ist also nicht zu erwarten.

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