Sport : Doping-Prozess: Bewährungsstrafen für Ex-TSC-Trainer

Das Amtsgericht Tiergarten hat am Freitag im Schnellverfahren drei ehemalige Leichtathletik-Trainer des früheren DDR-Clubs TSC Berlin wegen Hormondopings zu mehrmonatigen Bewährungsstrafen verurteilt. Peter Börner erhielt eine Gefängnisstrafe von zehn Monaten auf zwei Jahre Bewährung, gegen seine Ehefrau Helga sowie gegen Alfred Papendick wurden jeweils sieben Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung verhängt. Die Sportlehrerin Helga Börner muss zudem mit einem Disziplinarverfahren rechnen.

Zur selben Zeit wurden am Landgericht Berlin vier weitere Zeugen im Doping-Prozess gegen den früheren DDR-Sportchef Manfred Ewald und den ehemaligen Sportarzt Manfred Höppner gehört. Im wichtigsten Prozess um das systematische Doping im DDR-Sport sagte die frühere Schwimmerin Jutta Gottschalk (geborene Klaß) aus, sie führe die schwere Augenerkrankung ihrer Tochter auf die Verabreichung von Anabolika zurück.

Ihr Trainer habe ihr erstmals im Alter von 13 Jahren blaue Tabletten gegeben und behauptet, dies seien Vitamintabletten. "Ich habe meinem Trainer geglaubt", sagte die Sportlerin unter Tränen aus. Zwei Jahre lang habe sie das Medikament eingenommen. "Jetzt fühle ich mich gegenüber meinem Kind schuldig." Die Sechsjährige musste bereits elf Augen-Operationen über sich ergehen lassen.

Das Amtsgericht Tiergarten sah es als erwiesen an, dass das Trainer-Trio vom TSC Berlin in den Jahren 1974 bis 1985 in sieben Fällen Körperverletzung durch Hormondoping begangen hat. Die Prozess-Bevollmächtigten erklärten, dass die drei Angeklagten, die zu der Urteilsverkündung unentschuldigt fehlten, das ausgesprochene Strafmaß akzeptierten. Staatsanwalt Dietmar Reichelt sagte, die drei Angeklagten hätten exzessiv gedopt. "Sie haben zum Teil weit mehr Hormonpräparate vergeben, als es die Verbandskonzeption vorsah."

Die ehemalige TSC-Athletin und Nebenklägerin Brigitte Michel bezeichnete den Prozess und das Urteil als Farce. "Dieses Urteil ist für die Täter ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk." Ein Anwalt der Nebenklage bezeichnete das Strafmaß als gerecht. Bei anderen Tätern, deren Vergehen viel schwerwiegender waren, seien immerhin in Berlin die Verfahren eingestellt worden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben