Ein Fan über Alba Berlin : „Der Verein hat immer wieder Schiss“

Jörg Busche, Alba-Fan seit 1992, über die Play-off-Serie gegen den FC Bayern, eine ernüchternde Saison und die Perspektive des Klubs.

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Gibt’s noch was zu feiern? Alba könnte am Donnerstag (20.30 Uhr) das letzte Heimspiel dieser Saison haben. Foto: imago/Camera 4
Gibt’s noch was zu feiern? Alba könnte am Donnerstag (20.30 Uhr) das letzte Heimspiel dieser Saison haben.Foto: imago/Camera 4

Herr Busche, waren Sie am Samstag in München beim ersten Play-off-Spiel von Alba Berlin gegen den FC Bayern?

Nein, ich hatte mich für die Fanfahrt angemeldet, aber dann haben sich zu wenig Leute für einen Bus gefunden. Und alleine wollte ich nicht fahren.

Wann haben Sie zuletzt ein Play-off-Spiel verpasst?

Ich versuche es eigentlich immer, dabei zu sein. Nur die ersten Spiele einer Serie habe ich mir manchmal geklemmt. Nach dem Motto: Es kommen ja noch mehr.

In dieser Saison sieht es nicht so aus, als ob noch sehr viele Spiele kommen. Wie ist die Stimmung in der Fanszene vor dem Heimspiel am Donnerstag, das das letzte dieser Spielzeit werden könnte?

Man kann die Fans natürlich nicht über einen Kamm scheren. Es gibt Leute, die immer Bambule und Stimmung machen, egal wie es sportlich läuft. Es gibt zurzeit aber auch viele, die ernüchtert sind.

Ist diese Ernüchterung nur auf die Ergebnisse zurückzuführen? Oder spielen da noch mehr Dinge mit rein?

In erster Linie geht es um das Sportliche. Wir gewinnen natürlich lieber, als zu verlieren – wie unser Team auch. Man merkt jetzt am Ende der Saison aber, wie meilenweit wir teilweise von der Spitze entfernt sind. Ganz bekloppt können wir uns zwar nicht angestellt haben, immerhin sind wir Sechster von 17 Klubs geworden und würden sonst nicht in den Play-offs spielen. Aber dann guckt man sich den ersten Spieltag an … der Achte schlägt den Ersten, der Siebte schlägt den Zweiten – und wir kriegen in München eine Packung, die sich dermaßen gewaschen hat.

Welchen Eindruck haben Sie vom aktuellen Zustand des Alba-Teams?

Wir haben offensichtlich zu viele Spieler, die schlicht und ergreifend zu schlecht sind. Vielleicht ist ein Teil der Ernüchterung, dass man das Gefühl hat, dass es Alba nach all den Jahren offensichtlich nicht gelingt, mehr Geld zu generieren, um teurere Spieler zu verpflichten. Das ist eine Entwicklung, die weh tut. Je länger man dabei ist, desto schmerzhafter ist das.

Können Sie sich an eine vergleichbare Situation erinnern?

Dass wir meilenweit von der Spitze entfernt sind? Nein. Das hat nichts mit Sympathiewerten zu tun, wir haben zurzeit viele dufte Typen im Kader. Aber technisch ist es eines der schlechtesten Teams in all den Jahren, die ich zu Alba gehe. Leider. Es tut mir weh, das sagen zu müssen.

Alba tauschte zuletzt jeden Sommer fast das komplette Team aus. War nun einfach viel Pech dabei? Oder gibt es ein strukturelles Problem?

Ich möchte nicht den Job von Marco Baldi oder Himar Ojeda haben. Die werden sich schon etwas gedacht haben bei den Spielern, die wir jetzt haben. Wir spielen ja auch nicht seit September Grütze, es gab starke Phasen in der Saison. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass uns einmal am Schluss so die Luft ausgegangen ist. Wenn ein Team so aufgestellt ist, dass zwei oder drei Verletzungen dazu führen, dass alles in sich zusammenbricht, ist es vielleicht in der Tat ein strukturelles Problem. Aber für Breite im Kader brauche ich Geld.

Die Topteams wie Bamberg und München geben deutlich mehr aus.

Wir drehen uns in dieser Hinsicht im Kreis. Ich weiß nicht, durch welche Maßnahmen das besser werden sollte.

Wie haben Sie den überraschenden Trainerwechsel erlebt?

Einen Tag vor der Entlassung von Ahmet Caki gab es ein öffentliches Mitglieder-Training. Niemand hat etwas geahnt, viele haben sich Autogramme geholt und Fotos mit ihm gemacht. Und einen Tag später ist er weg. Das war schon sehr kurios. Irreal. Aber ich fand die Entscheidung richtig. Zu der Erkenntnis, dass eine Veränderung her muss, hätte man auch einen Monat früher kommen können. Dann hätte Thomas Päch noch etwas bewirken können. Im Grund ist es ein Scheißjob, wenn er jetzt dafür sorgen soll, dass sich der große Knoten im Gehirn der Spieler noch lösen soll.

Würden Sie es begrüßen, wenn Päch auch kommende Saison Chefcoach bleibt?

Ich fände es gut, wenn Alba auch an dieser Stelle mal auf ein Eigengewächs setzt. Es macht eher Sinn, einen preiswerten Trainer zu holen und sich dafür als Spieler einen Knaller leisten zu können, als umgekehrt. Insofern würde ich es Thomas gönnen. Ich glaube aber kaum, dass Alba das machen wird, weil Thomas im europäischen Wettbewerb noch die Erfahrung fehlt.

Alba hat die Strategie ausgerufen, junge deutsche Spieler entwickeln und ans Profiteam heranführen zu wollen. Wie bewerten Sie die Fortschritte auf diesem Gebiet?

Der Verein hat immer wieder Schiss. Das Potential ist da. Aber wenn ich junge Spieler immer nur mittrainieren lasse, die aber nie im Spiel zum Einsatz kommen, ist das ein Problem. Wir setzen uns immer riesige, gigantische Ziele. Wir wollen europäisch spielen, in der Bundesliga oben dabei sein – dafür müssen aber nun einmal die besten Spieler auf dem Feld stehen. Und schon sitzen die jungen Spieler auf der Bank. Ich würde mir da viel mehr Mut wünschen. Es gibt andere Teams, die den Talenten mehr zutrauen und bei denen sich die jungen Spieler dann auch besser entwickeln.

Vor zwei Jahren war Alba mit dem FC Bayern auf Augenhöhe, im Halbfinale setzte sich München im fünften Spiel erst in der Verlängerung durch. Was bedeutet es für Sie, dass der Abstand nun so groß ist?

Das schmerzt schon sehr. Man merkt, dass dort und hier ganz unterschiedlich gearbeitet wurde. Das hat natürlich mit dem Geld zu tun. Und damit, ob man ein glückliches Händchen bei der Zusammenstellung des Teams hat. Der finanzielle Abstand hat sich in den letzten zehn Jahren entwickelt, aber man hat jetzt das Gefühl, dass es deutlich schlimmer geworden ist. Als könne man das gar nicht mehr aufholen. Da kann man natürlich diejenigen schelten, die da ohne Ende Geld reinpumpen. Aber das ist Quatsch, auch Alba war mal in dieser Position als Krösus der Liga. Wenn wir es könnten, würden wir es genauso machen. Aber wir können es nicht.

Woher könnte mehr Geld kommen?

Ich lasse nichts auf die Familie Schweitzer kommen, ohne die Firma Alba wären wir nichts. Aber dass Axel Schweitzer seit November auch noch Präsident des Vereins Alba Berlin ist, sagt mir: Wir werden auf absehbare Zeit keinen anderen großen zusätzlichen Sponsor haben. Wer viel Geld gibt, will auch seinen Namen auf dem Trikot und an herausragender Stelle lesen. Dann muss aber Alba selbst da noch etwas draufpacken.

Trotz allem: Am Donnerstag werden Sie in der Arena am Ostbahnhof sein?

Ich werde auch am Samstag mit nach München fahren. Und ich werde auch in der nächsten Saison eine Dauerkarte haben. Manchmal denke ich aber, der Knoten würde eher platzen, wenn Alba merken würde, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass die Leute kommen. Ich kenne auch Sportarten, in denen Mannschaften nach schlimmen Niederlagen wie zuletzt in Bremerhaven vor der Halle nicht gefeiert werden, sondern beschimpft. Vielleicht müsste man das mal machen. Aber das ist weder meine Art noch die der allermeisten Alba-Fans.

Welche Erwartungen haben Sie noch an diese Saison?

Ich befürchte, dass sie nicht mehr lang ist. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Jörg Busche, 51, ist einer der treuesten Fans von Alba Berlin. Seit 1992 besucht er Spiele des Vereins, von 1996 bis 2011 war er Vorsitzender des größten Fanklubs „Alba-Tross“.

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