Elfmeterpfiff empört Union : Der Veitstanz von Schönheim

Fabian Schönheim und Union Berlins Fans verlieren beim Spiel gegen Ingolstadt in der Nachspielzeit ein bisschen die Nerven.

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Nett und umgänglich. Fabian Schönheim (links) zeigte im Spiel gegen Ingolstadt sein anderes Ich.
Nett und umgänglich. Fabian Schönheim (links) zeigte im Spiel gegen Ingolstadt sein anderes Ich.Foto: dpa

Fabian Schönheim gab sich am Sonntagvormittag wieder als netter, freundlicher und zuvorkommender Typ. Der Verteidiger des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union Berlin lächelte nach dem Auslaufen verschmitzt, als er den Journalisten über sein merkwürdiges Auftreten am Vortag beim 1:1 gegen den FC Ingolstadt Auskunft gab. Der 26-Jährige, dessen Dienste Union vom Erstligisten Mainz 05 geliehen hat, sprach dabei über sein zweites Ich, als wenn der „gute“ über den „bösen“ Schönheim reden würde. „Ich war in dem Moment vielleicht nicht ganz bei mir selbst. Ich bin kurz aus meinem Körper rausgeschlüpft“, sagte Schönheim. „Normalerweise bin ich nicht der Typ, der so komplett ausrastet. Am Sonnabend war es einfach mal nötig.“

Die Nerven lagen blank beim 1. FC Union, als dem Gegner in der Nachspielzeit ein Elfmeter zugesprochen wurde. Vor allem Schönheim wollte sich mit der Entscheidung nicht abfinden. Er führte im Strafraum einen Veitstanz auf, wie es ihn im Profifußball eher selten gibt. Während der Schütze Ilian Micanski schon bereit stand, fummelte sich Schönheim zunächst im Strafraum stehend ewig an den Schuhen herum. Dann stampfte er zwei Mal auf dem Elfmeterpunkt auf, „um seine Schuhe abzutreten“.

Nachdem er sich kurz entfernt hatte, folgte Schönheims Meisterstück an Unsportlichkeit. Er kehrte noch einmal in den Strafraum zurück, wo der Ball bereits auf dem Elfmeterpunkt lag. Erst feuerte Schönheim seinen Torhüter Daniel Haas an, dann spuckte er demonstrativ auf den Ball. So sah es zumindest aus, und so sah es auch der Schiedsrichter, der Schönheim mit der Gelben Karte bestrafte. „Ich habe nicht auf den Ball gespuckt. Ich habe nur so getan“, sagte Unions Verteidiger. „Ich bin auch zuvor schon ausgerastet, weil ich nicht glauben konnte, dass der Linienrichter in der 92. in das Spiel eingegriffen und auf Elfmeter entschieden hat.“ Nach Ansicht der Fernsehbilder aber „muss ich sagen, man kann den Strafstoß geben“, bekannte Schönheim. „Ich habe nicht viel nachgedacht. Ich wollte den Schützen verunsichern. Das hat geholfen. Dann hat sich die Aktion auf jeden Fall gelohnt.“ Micanski setzte den Ball an die Latte. Es blieb beim 1:1.

In Unions Fanforum wird Schönheim fast noch mehr gefeiert als Torschütze Adam Nemec. Und genauso hatten die Spieler Verständnis für das Verhalten der Zuschauer, die nach dem Elfmeterpfiff ebenfalls die Nerven verloren. Zahlreiche Gegenstände flogen von den Rängen auf den Platz. „Das wäre in jedem Stadion so gewesen, wenn gegen die Heimmannschaft in der Nachspielzeit ein Elfmeter gepfiffen wird. Welche Fans sind dann noch ruhig?“, fragt Schönheim. „Dass wir Spieler reklamieren, ist normal. Wir wollten das Spiel nicht verlieren. Auch für uns geht es um sehr viel. Wir wollen vorn dran bleiben.“

Das gelingt jedoch nur mit Siegen. Gegen Ingolstadt waren die meisten Unioner aber nur in der Schlussphase halbwegs wach. „Wir müssen uns ankreiden lassen, nicht so wie beim Derby gegen Hertha ins Spiel gegangen zu sein. Jetzt muss man auch die Ambitionen ein bisschen herunterschrauben“, sagte Schönheim. „Man sieht ja, was für Mannschaften da vorn stehen. Die haben ein ganz anderes Budget als wir. Was wir aus unseren Möglichkeiten machen, ist auf jeden Fall lobenswert.“

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