Erneuter Übergriff der Fans : 1. FC Union: Der Ruf wird ruiniert

Für den 1. FC Union werden die eigenen Anhänger langsam zum Problem. Bei einem Altherrenspiel attackierten nun vermummte Fans Spieler und Anhänger des BFC Dynamo.

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Nicht immer so friedlich. Zwischenfälle mit Union-Fans häufen sich.
Nicht immer so friedlich. Zwischenfälle mit Union-Fans häufen sich.Foto: imago/Oliver Ruhnke

Es war gegen 21.20 Uhr am späten Freitagabend, als rund 30 teilweise vermummte Anhänger des 1. FC Union den Kleinfeld-Kunstrasenplatz an der Hämmerlingstraße stürmten. Dort fand ein Altherrenspiel der Altersklasse 40 zwischen Union und dem BFC Dynamo statt. Die Angreifer sollen körperliche Attacken gestartet haben. Ein BFC-Spieler wurde laut Polizeibericht an Auge, Jochbein und Sprunggelenk verletzt. Zwei Dynamo-Fans mussten ambulant im Krankenhaus behandelt werden. Nach zehnminütiger Unterbrechung konnte die noch offene letzte Minute zu Ende gespielt werden. Die Polizei erstattete Anzeige gegen unbekannt wegen Landfriedensbruch.

Bereits vor zwei Wochen hatte es beim Aufeinandertreffen der beiden rivalisierenden Klubs Ausschreitungen gegeben. Am 15. März musste die Regionalliga-Partie zwischen Union II und dem BFC (0:1) unterbrochen werden, weil Fans des 1. FC Union BFC-Anhänger im Stadion An der Alten Försterei angreifen wollten. Die Polizei konnte das jedoch verhindern.

„Solche Probleme hatten wir noch nicht“, sagte der BFC-Mannschaftsleiter Ralf Mätschke nach den Angriffen am Freitag. Wie Unions Teamleiter Thomas Körner wollte auch Mätschke die Kommunikation lieber den Vereinssprechern überlassen. Union zufolge haben Provokationen die neue Randale ausgelöst. Eine größere Gruppe Gästefans soll die Gastgeber nach Tagesspiegel-Informationen mit „Scheiß- Union“-Rufen bedacht haben.

Union-Fans schaden zum wiederholten Mal dem Ruf des Vereins

Keine 100 Meter entfernt vom Kunstrasenplatz entfernt liegt die Union-Fan-Kneipe „Abseitsfalle“, die an diesem Abend anlässlich einer Quizveranstaltung von rund 80 Anhängern und Ultras besucht wurde. Teile dieses Publikums müssen im Laufe des Abends zwangsläufig auf die Anti-Union-Stimmung beim Altherrenspiel aufmerksam geworden sein. Vermutlich fühlten sie sich provoziert, andere Angreifer sollen herbeitelefoniert worden sein. Union verurteilte das Geschehen. „Leider haben wir es nicht geschafft, die unangebrachte Provokation rechtzeitig zu unterbinden“, wurde Unions Teamleiter Körner vom Verein zitiert. „Eine solche Reaktion darauf ist ebenso unschön wie erwartbar. Sie ist aber auch eine Grenzüberschreitung.“ Der BFC forderte eine Aufarbeitung des Geschehens. Das Spiel endete übrigens 3:1 für den BFC.

Unstrittig ist, dass Union-Fans zum wiederholten Mal dem Ruf des Vereins schadeten. Im Januar 2014 musste ein Testspiel in Stockholm abgebrochen werden, als Unioner den Platz gestürmt und wie die Anhänger von Djurgardens IF Pyrotechnik verwendet hatten.

Gegen die Fans, die die Spielunterbrechung beim Regionalligaspiel gegen den BFC verursachten, ist Union nicht selbst vorgegangen. Unions Sprecher Christian Arbeit sagte, dass Stadionverbote keine Lösung seien. Sie würden das Problem nur verlagern. Zudem könne man als Verein solche Ausschreitungen wie am Freitag nicht verhindern.

Dass in diesen Tagen öffentlich wurde, dass der Verfassungsschutz in der Fanszene Unions nach V-Leuten sucht, dürfte Zufall sein. Schließlich ist der Verfassungsschutz für politische Straftaten zuständig, nicht für Fanrandale. Diesbezüglich hatte es bei Union nur Aufsehen gegeben, als der Verein im Sommer 2013 der als rechtsextrem geltenden Brandenburger Gruppierung „Crimark“ ein Auftrittsverbot als Gruppe im Stadion An der Alten Försterei erteilte. Das Innenministerium beschäftigt sich wegen des vermeintlichen Anwerbeversuchs eines aktiven Union-Fans durch den Verfassungsschutz wohl bald mit Union. „Ich werde den Innenminister fragen, auf welcher Grundlage das passiert“, sagte Matthias Schmidt, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Treptow-Köpenick.

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