Sport : „Es ist etwas schief gegangen“

Der Athletenmanager Jos Hermens über neue Vorwürfe und die Strafanzeige gegen ihn

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Herr Hermens, der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat Strafanzeige gegen Sie gestellt. Sie sollen Athleten an den spanischen Arzt Miguel Peraita vermittelt haben, um sie dopen zu lassen.

Ich habe Kontakt zu bestimmt 25 Ärzten und 50 Trainern. Aber es ist doch Wahnsinn, dass ich deshalb in einem Dopingnetzwerk sein soll. Ich habe immer versucht, mich vom Doping fernzuhalten.

Der DLV beruft sich auf E-Mails, die bei dem wegen Dopings verurteilten Trainer Thomas Springstein gefunden worden sind. Aus ihnen soll hervorgehen, dass Sie Behandlungskosten der Läuferin Grit Breuer bei Peraita beglichen haben.

Bei mir gehen so viele Rechnungen über den Tisch; das reicht bis zu einem Traktor für einen Läufer aus Afrika. Ich habe schon mehr als 500 Athleten betreut. Da kann ich nicht alles kontrollieren. Ich bin wirklich sehr enttäuscht über das Verhalten des DLV. Denn mit mir hat bisher niemand gesprochen. Ich war noch im September mit Helmut Digel zusammen …

… dem Ehrenpräsidenten des DLV …

… warum hat er mir nichts gesagt? Der DLV macht hier eine große Show mit seiner Null-Toleranz gegen Doping. Aber es wäre fair, wenn man erst die Gelbe Karte zeigen würde und dann die Rote.

Sie hätten also Gelb verdient?

Dafür, dass ich viel zu lange mit Herrn Springstein gearbeitet habe. Das war ein Fehler. Aber machen Sie nie Fehler?

Es ist schon seit Anfang der neunziger Jahre bekannt, was Springstein mit seinen Athleten macht. Haben Sie das als Manager von Katrin Krabbe nicht gewusst?

Ja, ich habe gewusst, dass Springstein an die Grenze geht und vielleicht sogar darüber hinaus. Ich habe leider nicht gleich darauf reagiert. Trotzdem ist es wahnsinnig, mich zu kriminalisieren.

Aus den Springstein-Akten soll hervorgehen, dass Grit Breuer schon seit 1998 gedopt gewesen sein soll, was sie bestreitet. Haben Sie davon nie etwas mitbekommen?

Nein, denn ich begegne keinem Dopingnetzwerk, sondern Menschen, und Grit Breuer ist ein netter Mensch. Ich habe den Prozess gegen Thomas Springstein auch nicht verfolgt.

Es gibt das Gerücht, dass Sie sogar die Prozesskosten für Springstein bezahlt haben.

Blödsinn! Meine Informationen über Doping hätte ich doch dann auch an 20 andere Trainer geben können. Das zeigt doch, dass ich damit nichts zu tun habe.

Ein Journalist hat Sie während des Springstein-Prozesses nach Peraita gefragt, und Sie sollen sich nicht mehr erinnert haben.

Ich wusste den Namen nicht mehr. Vielleicht habe ich das alles unterschätzt.

Haben Sie mit Herrn Peraita zusammengearbeitet?

Ja, es waren drei Athleten von mir bei ihm: Nils Schumann, Amewu Mensah und Grit Breuer.

Warum haben Sie Peraita empfohlen?

Weil er revolutionäre Methoden bei Kreatinen und in der Homöopathie hatte. Ich war vielleicht ein bisschen dumm. Irgendwann hätte ich mir mehr Fragen stellen sollen, was Peraita genau macht.

Spätestens, seitdem Hochspringerin Mensah nach einem Besuch in Madrid positiv auf Oxandrolon getestet wurde.

Das kam wohl aus einem verseuchten Nahrungsergänzungsmittel aus Frankreich. Amewu ist ein armes Mädchen.

Wieso war Ihr Misstrauen nicht größer?

Peraita hat mir ein ganzes Paket vorgestellt. Mir hat die natürliche Seite daran gefallen, Homöopathie, Ernährungsberatung. Ich dachte, damit könnte man noch Leistung herausholen. Was es genau war, weiß ich nicht. Ich bin kein Experte.

Aber müssten Sie nicht Experte sein?

Ich muss Steuerexperte sein, Leichtathletik-Experte und auch noch Psychologe.

Doping ist aber etwas besonders Sensibles. Es kann ganze Karrieren zerstören.

Ja, aber sich mit Doping zu beschäftigen, kostet unheimlich viel Zeit. Ich habe auf jeden Fall 100 Prozent Vertrauen, dass am Ende nichts herauskommt.

Wie erklären Sie sich, dass Sie in den E-Mails auftauchen?

Bei der Masse an Kontakten ist etwas schief gegangen. Natürlich habe ich viel Geld überwiesen. Aber man kann alle Buchungen nachprüfen bei den holländischen Steuerbehörden. Ich möchte gerne diese E-Mails sehen. So wie bei Fuentes …

… dem mutmaßlichen Dopingarzt des Radsports aus Spanien …

… da hieß es, ich sei auch mit drin und es gebe Unterlagen, Unterlagen, Unterlagen. Am Ende war gar nichts. Ich habe mich nicht dagegen gewehrt. Ich dachte, das wird schon richtig gestellt. Aber jetzt werde ich mich wehren. Ich habe keine Geheimnisse. Und ich habe keine Angst vor einem Prozess.

Das Gespräch führte Friedhard Teuffel.

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