Sport : Euphorie bei den Widdern

Marco Reich findet sein Glück bei Derby County

Raphael Honigstein

Derby - Marco Reich hat sein Auto auf dem Bürgersteig quer geparkt, direkt vor dem Trainingsgelände von Derby County. Reich darf das, er ist der Star der Mannschaft. Und er will nicht, dass ihn jemand wieder aus der Fußball-Peripherie in der zweiten englischen Liga heraus holt: „Es läuft super hier, einfach super.“

Weihnachten 2003. Soeben war mal wieder eine zutiefst unbefriedigende Halbserie zu Ende gegangen, der Mittelfeldspieler bekam beim zukünftigen Meister Werder Bremen immer noch kein Bein auf den Boden. Dabei galt das Engagement an der Weser nach einem katastrophalen Jahr beim FC Köln schon als seine letzte Chance in der Liga. Reich hatte sie nicht nutzen können.

Reich war im Hotel Stanglwirt in Kitzbühel, als sein Berater ein Fax aus England bekam. Er machte den Videotext an, konnte aber Derby County partout nicht in der Tabelle der Premier League finden. Erst ziemlich am Ende der zweiten Liga stand der Klub, und obendrein wollten „the Rams“ (die Widder) ihn erstmal bei einem Probetraining sehen. Nach seinem Debüt gegen Gillingham freute sich der Stadionreporter schon mal über „the coming of the Fourth Reich“. Das war nett gemeint. Dann zirkelte der 26-Jährige beim letzten Match der Saison einen Freistoß in den Winkel; das 2:0 gegen Milwall sicherte den Klassenerhalt, und der Rest ist Wohlgesonnenheit. Auch die Midlands können schön sein. Neulich hat sich Reich das Schloss im benachbarten Nottingham und den Sherwood Forest angesehen, wo früher Robin Hood sein Unwesen getrieben haben soll.

Fünf Tore und acht Vorlagen stehen nach 16 Spielen für Reich nunmehr zu Buche. Kein deutscher Feldspieler hat in dieser Saison in England mehr Partien bestritten. Ein Platz unter den ersten Sechs, der für die Play-offs reicht, ist realistisch, die Euphorie in Derby groß. 33000 Zuschauer werden am Samstag gegen Sheffield United dabei sein und Reich bei jeder Ballberührung feiern.

Der Evening Telegraph hat Trainer George Burley nun empfohlen, Reich während der Transferperiode im Januar in seinem Büro einzusperren und den Schlüssel wegzuwerfen. Sein Vertrag läuft aus. Tottenham Hotspur soll sich schon mit ihm befasst haben.

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