Eurocup gegen Neptunas Kleipeda : Es wird ungemütlich für Alba Berlin

Albas Basketballer gehen dezimiert und ausgelaugt ins entscheidende Eurocup-Spiel am Dienstag gegen Neptunas Klaipeda.

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Halbe Kraft voraus. Trainer Sasa Obradovic fordert stets kompromisslosen Einsatz von seinen Spielern. Derzeit aber muss sein Team Ressourcen sparen. Foto: dpa/Schmidt
Halbe Kraft voraus. Trainer Sasa Obradovic fordert stets kompromisslosen Einsatz von seinen Spielern. Derzeit aber muss sein Team...Foto: dpa/Schmidt

Zumindest Dragan Milosavljevic strahlte Zuversicht aus. „Ich bin am Dienstag dabei, kein Problem“, sagte Alba Berlins serbischer Basketballprofi überzeugt, bevor er sich am Samstag in den Feierabend begab. Milosavljevic humpelte nicht, als er die Arena am Ostbahnhof verließ, seine Bänderverletzung im Sprunggelenk scheint weitgehend auskuriert. Ansonsten aber sind die Berliner vor dem entscheidenden Eurocup-Spiel gegen Neptunas Klaipeda am heutigen Dienstagabend (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof/Eurosport 2 live) von vielen Rückschlägen und Problemen geplagt. Alba muss das litauische Team aber bezwingen, um das Achtelfinale zu erreichen, bei einer Niederlage ist die Europapokal-Saison für den achtmaligen Deutschen Meister in der Zwischenrunde beendet. Wahrscheinlichster Gegner in der Runde der besten 16 wäre Bundesliga-Konkurrent FC Bayern München.

Die Voraussetzungen für das „Do or die“-Spiel gegen Klaipeda sind aber alles andere als günstig, das machte die 74:78-Heimniederlage gegen Ludwigsburg am Samstag deutlich. Marco Baldi drückte das Problem so aus: „Wir sind im Moment sehr dünn.“ Albas Geschäftsführer wollte damit die Situation im Kader beschreiben, der Trainer Sasa Obradovic nur wenige Möglichkeiten lässt. Milosavljevic könnte heute zwar zurückkehren, Niels Giffey und Jordan Taylor fallen aber weiter aus.

„Unsere Rotation ist komplett umgeworfen“, sagt Spielmacher Ismet Akpinar. „Viele Spieler müssen 30 Minuten auf dem Feld stehen, obwohl das überhaupt nicht der Mentalität unseres Coaches entspricht.“ Dadurch fehle es an Intensität, „man kann nicht 30 Minuten full power geben“. Hauptleidtragender ist Will Cherry, der Spielmacher stand gegen Ludwigsburg mehr als 36 Minuten auf dem Feld, was seiner Spielweise nicht wirklich gut tut. Neuzugang Robert Lowery soll ihn zwar entlasten, geht aber allzu sorglos mit dem Ball um und scheint mit der Organisation von Albas Spielsystemen bisweilen überfordert.

Im Achtelfinale könnte es das Duell mit dem FC Bayern München für Alba geben

Flügelspieler Marc Liyanage, von der Position her eigentlich Vertretung für die Small Forwards Milosavljevic und Giffey, wurde von Obradovic das Vertrauen am Samstag schon nach eineinhalb Minuten auf dem Feld wieder entzogen. Liyanage war ein überhasteter Ballverlust unterlaufen, prompt fand er sich für den Rest des Spiels auf der Bank wieder. Im Auswärtsspiel in Mailand vor einer Woche war der 26-Jährige vor allen Dingen dadurch aufgefallen, dass er zwei Mal den Überblick verloren hatte und mit dem Ball ins Aus getreten war. Auch die deutschen Nationalspieler Akeem Vargas und Alex King suchen momentan ihre Form, gegen Ludwigsburg lautete die gemeinsame Bilanz des Duos: sieben Wurfversuche, kein Treffer, null Punkte.

Obradovic muss derzeit also auf ein Rumpfteam bauen – das sich allerdings auch eher wacklig präsentiert. „Spielerisch bleiben wir im Moment unter unseren Möglichkeiten“, sagt Baldi und fordert mehr individuelle und kollektive Konstanz: „Wir haben zu viele, die an einem Tag nicht so richtig da sind und am nächsten Spieltag wieder voll auftrumpfen.“ Auch innerhalb eines Spiels gibt es extreme Schwankungen, den Berliner geling es zurzeit einfach nicht, über die vollen 40 Minuten zu überzeugen. „Ein Viertel reicht nicht“, weiß auch Ismet Akpinar, der immerhin die positive Entdeckung der Verletzungsphase darstellt. „Es ist aber schwierig, jedes Spiel um dein Leben zu spielen“, sagt der 20-Jährige. „So eine Spannung kann man einfach nicht jedes Mal haben. Gerade wenn man so viele Spiele hat wie wir.“

Insofern könnte der besondere Anspruch des Spiels gegen Klaipeda den Berlinern sogar entgegenkommen. Keine Entschuldigungen, keine Alternativen, kein Weg zurück: Seit dem Amtsantritt von Sasa Obradovic haben diese Voraussetzungen bei Alba Berlin meist zu guten Ergebnissen geführt.

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