Sport : Europa, was ist das?

Freiburg gibt sich trotz Platz fünf größte Mühe, nicht vom internationalen Wettbewerb zu reden.

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Treffen und wegrennen. Max Kruse bejubelt sein Führungstor in Bremen. Foto: dpa
Treffen und wegrennen. Max Kruse bejubelt sein Führungstor in Bremen. Foto: dpaFoto: dpa

Bremen - Es ist immer noch so, dass Christian Streich vor Fernsehkameras und Mikrofonen so spricht, als erzähle er seinem Nachbarn oder dem Postboten davon, wie seine Mannschaft gerade mal wieder ein Bundesligaspiel gewonnen hat. Man kann das putzig oder auch kauzig nennen, wie der Trainer des SC Freiburg auftritt. Man kann auch das arg überstrapazierte Wort „authentisch“ dafür benutzen.

Am Samstag nach dem 3:2-Erfolg bei Werder Bremen druckste Streich zunächst ein wenig herum und begann sein Statement damit, dass er seine Jungs eigentlich nicht so viel loben wolle. Es folgte so etwas wie ein Seufzer, und dann lobte er sie natürlich doch: „Das, was die Jungs hier abgeliefert haben, das nötigt mir höchsten Respekt ab.“ Abgesehen vielleicht von der ersten Viertelstunde war der SC Freiburg das bessere Team, wirkte reifer, zielstrebiger und besser organisiert als Werder. Als Manko könnte man vielleicht die stattliche Anzahl an vergebenen Großchancen nennen. Vielleicht auch, dass die Breisgauer es trotz Führung nicht schafften, Ruhe in das bisweilen wilde Spiel zu bringen. „Na ja“, sagte Streich, „wir haben es probiert, aber gegen so eine Wucht musst du erst einmal bestehen. Uns war bewusst, dass wir Werder nicht über 90 Minuten dominieren können. Wir sind ja nicht Borussia Dortmund.“

Als sein Gegenüber Thomas Schaaf in der zweiten Hälfte Marko Arnautovic einwechselte, reagierte Streich und brachte den Youngster Christian Günter auf der linken Abwehrseite. Der 20-Jährige konnte zwar Arnautovics Flanke zum 2:2 der Bremer nicht verhindern, aber er lieferte danach eine tadellose Partie ab und gewann 90 Prozent seiner Zweikämpfe. Streich war nicht überrascht und erzählte sogleich eine Geschichte über seinen jungen Abwehrspieler. Der sei in der älteren B-Jugend noch Ergänzungsspieler gewesen, habe neben dem Fußball eine Lehre gemacht. „Der ist um halb sechs in der Früh aufgestanden: Ausbildung, Training, dann ist er ist um halb elf am Abend heim gekommen. Aber wenn du so eine Einstellung hast, dann kommen halt solche Dinge dabei raus.“ Man merkt Streich an, wie stolz er darauf ist. Und wenn er sagt „ich weiß, was die Jungs jeden Tag machen, ich weiß alles“ – dann ist damit zumindest ein Teil des Freiburger Erfolgsrezepts erklärt.

Seine Jungs standen derweil im Bauch des Weserstadions und übertrafen sich gegenseitig darin, Bescheidenheit zu üben. Der SC Freiburg steht mit 34 Punkten auf einem Platz, der zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigt. Aber es scheint beinahe so, als müsste jeder Freiburger Spieler, der das Wort Europa League in den Mund nimmt, einen beachtlichen Betrag in die Mannschaftskasse zahlen. Julian Schuster sprach von drei wichtigen Punkten gegen den Abstieg. Jan Rosenthal betonte: „An der Zielsetzung Klassenerhalt ändert sich nichts.“ Und Max Kruse erklärte: „Wir sagen immer noch, dass es unser Ziel ist, 40 Punkte zu sammeln.“ Immerhin wagte Schuster noch den Zusatz: „Wenn wir Ende April immer noch Fünfter sind, dann können wir noch mal reden.“ Ob sein Trainer dann darüber redet, weiß man nicht. Am Samstag sagte der vom Chef-Ausbilder zum Bundesligatrainer beförderte Streich noch: „Das Thema Europa League interessiert mich null. Es geht immer nur um die Art und Weise, wie du dich zeigst.“ Sven Bremer

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