Formel 1 : Kimi Räikkönen: Erziehung auf Finnisch

Spektakulärer Wechsel in der Formel 1: Ferrari holt Kimi Räikkönen. Der Finne ist schon einmal für den italienischen Rennstall gefahren - nun soll er vor allem Fernando Alonso Beine machen.

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Ein seltsames Paar. Fernando Alonso (links) muss sich in der kommenden Saison mit Kimi Räikkönen arrangieren. Foto: dpa
Ein seltsames Paar. Fernando Alonso (links) muss sich in der kommenden Saison mit Kimi Räikkönen arrangieren. Foto: dpaFoto: dpa

Viele in der Formel 1 wollten es lange nicht glauben. Doch am Mittwoch hat es Ferrari offiziell bestätigt: Kimi Räikkönen kehrt zurück nach Italien und wird dort ab 2014 Teamkollege von Fernando Alonso. „Ich kann es nicht erwarten, mit Fernando zu arbeiten und dem Team den Erfolg zu verschaffen, den es verdient“, erklärte Räikkönen in der offiziellen Verlautbarung. „Ich begrüße meinen neuen Reisebegleiter“, teilte Alonso mit, doch wahre Freude wird er darüber kaum empfunden haben.

Schon nach dem Rennen in Ungarn Ende Juli hatte sich angedeutet, dass die Paarung zweier Weltmeister Realität werden könnte. Zu dem Zeitpunkt musste Räikkönen erkennen, dass es mit seinem Wunschteam Red Bull wohl nichts werden würde, weil sich Firmenchef Dietrich Mateschitz intern bereits für Daniel Ricciardo als Nachfolger von Mark Webber an der Seite von Weltmeister Sebastian Vettel entschieden hatte. Gleichzeitig musste dem Finnen ein Verbleib bei Lotus immer weniger attraktiv erscheinen. Die Finanzprobleme des Teams, von denen immer noch ausstehende Gehaltszahlungen und ein deutlich schlechteres Vertragsangebot für 2014 kündeten, zeigten insgesamt bescheidene Erfolgsaussichten für die Zukunft auf. So hat Lotus noch nicht einmal einen Motoren-Vertrag mit Renault für das kommende Jahr, und Cheftechniker James Allison, verantwortlich für das derzeit gute Auto, hat inzwischen bei Ferrari angefangen.

Außerdem wusste Räikkönen, dass Ferraris Teamchef Stefano Domenicali ihn gern holen würde. Der freundschaftliche Kontakt zwischen den beiden war auch nach Räikkönens unfreiwilligem Abgang Ende 2009, zwei Jahre nach dem Titelgewinn, nie abgerissen.

Auch Alonso half unfreiwillig mit, sich die starke Konkurrenz ins Haus zu holen. Weil er sich in Ungarn bei Red Bull anbot, verscherzte er sich bei Ferrari viele Sympathien. Und mit der am selben Wochenende geäußerten heftigen Kritik an Auto und Team noch mehr. Damit spielte er Domenicali bei dessen Wunsch in die Hände, Räikkönen als Ersatz für Felipe Massa zu den Roten zu holen. Nun hatte Domenicali mit seiner Idee auch bei Ferrari-Chef Luca di Montezemolo auf einmal deutlich bessere Karten. Montezemolo hatte Massa unter anderem auch deshalb immer geschützt, um dem heimlichen Ferrari-Herrscher Alonso zu Gefallen zu sein. Aber jetzt reichte es offenbar auch dem Präsidenten. Den deutlichen Worten an den Spanier vor einigen Wochen, dass man sich als Ferrari-Pilot so nicht zu verhalten habe, folgten Taten. Der frühere Formel-1-Teamchef Eddie Jordan formulierte es so: „Das ist eine deutliche Erziehungsmaßnahme für Alonso.“

Denn auch wenn der Spanier Räikkönen offiziell mit warmen Worten begrüßt – glücklich ist er über den neuen Mann an seiner Seite sicherlich nicht. Denn Räikkönen wird sicher nicht so brav die Nummer zwei hinter Alonso spielen, wie das Massa drei Jahre lang tat. Und so wie die Stimmung derzeit bei Ferrari ist, wird man ihn dazu auch nicht nötigen. Alonso hat erstmals seit seinem McLaren-Jahr 2007 – damals mit Lewis Hamilton – wieder einen gleichberechtigten und wohl auch gleichwertigen Teamkollegen. Und keine andere Alternative, als sich bei Ferrari auch unter den geänderten Bedingungen durchzubeißen, wenn er weiter erfolgreich Formel 1 fahren will. Dass es so weit gekommen ist, hat er sich zum großen Teil auch selbst zuzuschreiben. Karin Sturm

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