Fußball-Bundesliga : Hertha BSC: Willkommen in der Parallelwelt

Bei Hertha BSC sind gewisse Ähnlichkeiten zur letzten Saison erkennbar - das ist nicht unbedingt die schlechteste Nachricht, findet unser Autor. Ein Kommentar.

von
Eindeutiges Handspiel. Herthas Trainer Pal Dardai (links) und Siegtorschütze Julian Schieber klatschen sich nach dem ersten Heimsieg der Saison ab.
Eindeutiges Handspiel. Herthas Trainer Pal Dardai (links) und Siegtorschütze Julian Schieber klatschen sich nach dem ersten...Foto: imago/Bernd König

Einen kleinen Seitenhieb konnten sie sich nicht verkneifen in der Ostkurve. Dort, wo die härtesten und treuesten unter den Hertha-Fans sitzen, ääähmmm, Entschuldigung, stehen natürlich, kam am Sonntag zum Bundesliga-Auftakt gegen den SC Freiburg ein Plakat mit folgender Forderung zum Vorschein: „Schnell noch die PR-Agentur wechseln, bevor alle Fans weg sind.“ Eine eindeutige und nicht zu übersehende Kritik am neuen Motto des Klubs („We try. We fail. We win.“) und den pinken Tim-Wiese-Gedächtnis-Trikots, mit denen Hertha in dieser Saison noch auflaufen könnte.

Die Entscheidungsträger und Verantwortlichen im Verein werden es verkraften, weil die Aktion so ziemlich das einzige Störgeräusch am ersten Spieltag war. Sportlich sind die Berliner nach schwierigen Wochen wieder einigermaßen in der Spur, das peinliche Aus in der Qualifikation zur Europa League ist Geschichte. In der Gegenwart stehen der Einzug in die zweite Pokalrunde und ein durchaus attraktives Los (beim FC St. Pauli) sowie drei Bundesliga-Punkte zu Buche. Zudem sind gewisse Parallelen zur letzten Saison erkennbar, und das ist angesichts des Abschneidens mit Rang sieben sicher nicht die schlechteste Nachricht.

Vor einem Jahr wusste auch niemand so genau, wie es um die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit der Berliner bestellt ist, weil das Bundesliga-Niveau abgesehen von den Spitzenteams immer eng beeinander liegt. Nicht wenige hielten Trainer Pal Dardai für verrückt, als er das Pokalfinale zum Ziel erklärte, dabei hat am Ende gar nicht viel gefehlt.

Nun hat Hertha wieder die erste Pokalrunde überstanden, zwar nicht so souverän wie 2015 (damals in Bielefeld), es folgte ein Sieg zum Bundesliga-Auftakt (wenn auch nicht so souverän wie vor einem Jahr in Augsburg), aber wenn interessiert das schon? Vor allem unter psychologischen Aspekten sind die jüngsten Ergebnisse kurz vor der ersten Länderspielpause der Saison enorm hilfreich. „Wir müssen jetzt nicht tagelang darüber reden, was schief gelaufen ist“, sagt Dardai. Die Herrschaften aus der Ostkurve werden das sicherlich ähnlich sehen.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben