Fußball-EM: England gegen Russland : Später Schock durch Witali Berezutski

England verpasst beim 1:1 gegen Russland erneut einen Auftaktsieg bei einer EM, nach Schlusspfiff gibt es auch Randale im Stadion.

In der Nachspielzeit erzielte Russland das 1:1.
In der Nachspielzeit erzielte Russland das 1:1.Foto: dpa

Die russischen Fußballer drehten klatschend eine Ehrenrunde, um sich von den Fans für den späten Ausgleich zum 1:1 (0:0) gegen England feiern zu lassen. Doch die Hälfte der Ränge wurde schon von Ordnern geräumt, weil es auch im Stadion nach Schlusspfiff zu Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen kam. Auslöser waren offenbar russische Zuschauer, die auf in benachbarten Blöcken sitzende englische Fans losstürmten. Einige Zuschauer mussten sogar in den Innenraum springen, um sich in Sicherheit zu bringen. Schon während der Partie waren einige Male Leuchtraketen aus dem russischen Block abgefeuert worden. Auch ein lauter Böller war zu hören.
Das Ausmaß der Stadionrandale war zunächst schwer zu überblicken, die internationale Regie zeigte keine Bilder der Zusammenstöße. Zu allem Überfluss lief auch noch ein Flitzer über das Feld.
Die 67 394 Zuschauer verließen jedoch das Stadion unbeschadet. Schlimme Szenen wie Stunden vor Spielbeginn blieben zunächst aus.

Dabei war es lange friedlich und farbenfroh geblieben. Fred Feuerstein war gekommen, mehrere Ritter und Löwen, die Queen im Dutzend, auch Matrosen, Wölfe und Kosacken mit Fellmützen. Es war eine bunte Kostümparty, die sie im Stadion aufführten. Vor allem feierten die Engländer und Russen auf den Rängen friedlich. Das war ein nicht unwichtiges Zeichen, nach den Ausschreitungen der Hooligans. Die Mehrzahl der Fans war gekommen, um den Fußball zu feiern – und auch ein bisschen sich selbst.

Vielleicht hatte die dramatische Schlussphase eines lange unspektakulären Spiels zur Erhitzung der Gemüter beigetragen. Der russische Kapitän Witali Berezutski schockt die Engländer mit einem Kopfball, der wie ein Stein ins lange Ecke fällt. Nach einer Flanke von links steigt der Innenverteidiger am höchsten und köpft über Joe Hart hinweg in die Maschen.

Eric Dier drosch den Ball dann mit Drall unter die Latte

Die Engländer hatten sich ab der 73. Minute als Sieger gewähnt: Bei einem Freistoß vor der Strafraumgrenze sprang Harry Kane zunächst noch über den Ball. Eric Dier drosch den Ball dann mit Drall unter die Latte. Allerdings in eine Ecke, die Igor Akinfejew als russischer Torwart durchaus seinem Zuständigkeitsbereich zurechnen musste. Es passte zu diesem Spiel, in dem die Engländer dominierten, ohne zu glänzen, dass Dier, dieser eher rustikale Mittelfeldarbeiter von Tottenham Hotspur, mit seinem ersten Länderspieltor das Spiel hätte entscheiden können. Es kam anders. „Klar, sind wir enttäuscht, wir haben gut gespielt und dann kommt so ein Ausgleich“, sagte Torschütze Dier danach. „Wir sind glücklich über den Ausgleich“, sagte der deutsch-russische Länderspieldebütant Roman Neustädter.

Durch den Ausgleich in vorletzter Minute hat England auch im neunten Anlauf den ersten Auftaktsieg bei einer Fußball-EM verpasst. Angetrieben von Kapitän Wayne Rooney in ungewohnter Mittelfeldrolle ließ die Mannschaft von Trainer Roy Hodgson aber zu oft die letzte Genauigkeit vermissen.

Von Beginn an dominierten die Engländer mit einem ultraoffensiven 4-1-2-3-System. Adam Lallana vom FC Liverpool bot sich in der siebten Minute die erste der beiden besten Chancen der ersten Hälfte: Bei seinem Schuss aus elf Metern bekam Akinfejew gerade noch rechtzeitig die Fäuste hoch. In der 22. Minute verzog Lallana, sein Flachschuss ging am langen Eck vorbei.
Die junge Mannschaft von Trainer Roy Hodgson erarbeitete sich dank ihrer Schnelligkeit und der gewachsenen fußballerischen Fähigkeiten immer wieder Vorteile. Rooney schien im linken Mittelfeld gut aufgehoben. Der 30-Jährige wurde immer wieder als Anspielstation und Vorbereiter gesucht. Er genoss die Freiheiten ohne direkten Gegenspieler in seiner Rolle sichtlich und verteilte klug die Bälle. Auch Rooney prüfte Schlussmann Akinfejew, der erneut faustete.

Einziges Manko beim Weltmeister von 1966: Trotz der Überlegenheit gelangen bis zur Pause keine Tore, auch weil zu oft das letzte Zuspiel nicht gelang. Torjäger Kane – einer von fünf Spielern von Tottenham im Team – bekam keinen brauchbaren Ball und blieb gegen die erfahrene Innenverteidigung ohne Wirkung. Russland zog sich weit in die eigene Hälfte zurück und verlegte sich aufs Kontern. Der Ausgleich war äußerst schmeichelhaft. Doch das rückte angesichts der erneuten Randale im Stadion in den Hintergrund. Tsp (mit dpa)

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