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Fußball-WM 2018 in Russland : WM-Boykott wegen Ukraine-Krise? Bundesregierung dementiert EU-Pläne

Die Bundesregierung hat Berichte dementiert, nach denen die Europäische Union im Zuge der Ukraine-Krise offenbar einen Boykott der Weltmeisterschaft 2018 in Russland erwägt. Zuvor berichtete die spanische Tageszeitung „El País“ von dementsprechenden Plänen.

Boykottdrohung: Die EU erwägt offenbar, die WM 2018 in Russland zu boykottieren.
Boykottdrohung: Die EU erwägt offenbar, die WM 2018 in Russland zu boykottieren.Foto: Imago

Die Bundesregierung hat nun Medienberichte dementiert, wonach die EU einen Boykott der Fußball-WM 2018 in Russland in Erwägung zieht. Ein EU-Boykott der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland als neue Sanktion im Ukraine-Konflikt steht nach Angaben der Bundesregierung vorerst nicht zur Diskussion. Die WM stehe schließlich erst 2018 an, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Die Frage sei daher nichts, was heute zu diskutieren sei. Auch Außenamtssprecher Martin Schäfer erklärte, die EU berate zwar gerade über weitere Sanktionen gegen Russland. Es gehe dabei aber nicht um Bereiche im Zusammenhang mit der Fußball-WM.

Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise hatte die spanische Tageszeitung „El País“ über einen dementsprechenden Plan berichtet. Dies gehe aus einer Vorschlagsliste hervor, die die EU-Kommission den Mitgliedsstaaten unterbreiten wolle, berichtete das Blatt am Mittwoch. Auf eine Anfrage des Tagesspiegels wollte die Sprecherin der EU-Kommission keinen Kommentar dazu abgeben.

Fifa-Boss Joseph Blatter hatte Russland dagegen noch am Vortag ungeachtet der Ukraine-Krise das volle Vertrauen ausgesprochen. „Wir stellen die WM in Russland nicht infrage. Wir sind in einer Situation, in der wir den Organisatoren der WM 2018 und 2022 unser Vertrauen aussprechen. Wir warten derzeit noch den Bericht der Ethikkommission ab“, bekräftigte der Schweizer Boss des Fußball-Weltverbandes (FIFA) am Dienstagabend in Kitzbühel. Ein Boykott sei keine Lösung: „Das hat noch nie etwas gebracht.“

DFB-Präsident Niersbach: "Boykott 1980 hat nur geschadet"

Angesichts der militärischen Intervention Russlands in der Ukraine waren zuletzt Forderungen laut geworden, die WM 2018 zu boykottieren oder das Turnier neu zu vergeben. IOC-Präsident Thomas Bach warnte vor diesem Schritt. Der Sport dürfe sich nicht verleiten lassen, den Boden der politischen Neutralität zu verlassen, sagte der Boss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Ähnlich wie Blatter hatte sich zuvor auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach geäußert. Der Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau habe nichts gebracht. „Er hat nur den Sportlern geschadet. Der Versuch, über den Sport auf politische Dinge Einfluss zu nehmen, ist gescheitert. Niemand von uns nimmt das Wort Boykott in den Mund und das wird auch nicht von der Politik erwartet“, sagte Niersbach.

Offenbar ist aber unter EU-Diplomaten sogar im Gespräch, Russland von anderen "hochkarätigen, internationalen Ereignissen im Bereich Kultur, Wirtschaft oder Sport zu suspendieren", wie die Financial Times am Dienstag berichtete. Dazu könnten auch Formel1-Rennen oder europäische Fußball-Wettbewerbe zählen.

Ein Einlenken Russlands gilt als ausgeschlossen

Die Idee eines WM-Boykotts stieß bei einem Treffen von EU-Diplomaten am Montag laut Financial Times bei vielen Delegationen auf Wohlwollen - besonders enthusiastisch zeigten sich Estland und Litauen. Auch EU-Experten sind offenbar von der Wirksamkeit eines Boykottes überzeugt. "Der Boykott eines renommierten internationalen Sportereignisses wird die Russen viel mehr treffen als alles, was die EU an finanziellen Druckmitteln hat", sagte Mujtaba Rahman, der Leiter der europäischen Analyse bei der Eurasia Group Risikoberatung dem Blatt.

Die von der EU geplanten neuen Strafmaßnahmen seien weitaus härter und konkreter als die bisherigen Sanktionen, betonte „El País“. Die EU halte ein Einlenken Moskaus im Ukrainekonflikt für ausgeschlossen und wolle daher einen harten Kurs einschlagen. (dpa)

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