Gedopte DDR-Kugelstoßlegende : Beyer: "Ich wusste über alles Bescheid"

Potsdams Kugelstoß-Legende Udo Beyer räumt in einem Film erstmals Doping zu DDR-Zeiten ein. Wissenschaftlerin Jutta Braun ist über den Inhalt seiner Beichte nicht überrascht.

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Olympiasieger und Weltrekordler. Udo Beyer 1986 als Kugelstoßer des Armeesportklubs Vorwärts Potsdam.
Olympiasieger und Weltrekordler. Udo Beyer 1986 als Kugelstoßer des Armeesportklubs Vorwärts Potsdam.Foto: Imago/Werner Schulze

Udo Beyer macht reinen Tisch. Nach jahrelangem Schweigen räumt das Sport- Idol jetzt als erster früherer Potsdamer Spitzenathlet erstmals die selbstbestimmte Einnahme verbotener Substanzen zu DDR-Zeiten ein. Im Dokumentarfilm „Einzelkämpfer“ der früheren Wasserspringerin Sandra Kaudelka, der am heutigen Freitag auf der Berlinale seine Premiere erlebt, gibt die Kugelstoß-Legende erstmals Doping zu. Beyer war 1976 Olympiasieger, 1980 Olympia-Dritter sowie zweifacher Europameister und dreifacher Weltrekordler.

Jetzt erklärt er, selbst über die Mittel entschieden zu haben. „Über alles, was mit mir gemacht wurde, wusste ich Bescheid. Dinge, die ich gemacht habe, habe ich selbst entschieden. Das Recht hatte ich, und das Recht habe ich mir herausgenommen“, sagt Beyer in dem Film, in dem auch die Lebenswege der Leichtathletinnen Marita Koch und Ines Geipel sowie der Wasserspringerin Brita Baldus erzählt werden. „Ich habe auch Sachen abgelehnt, ich habe Sachen gemacht. Aber: Ich wusste, ich habe es entschieden. Und es kamen keine Sachen heimlich in den Tee. So etwas gab es nicht“, erklärt Beyer, der damals für den Armeesportklub Vorwärts Potsdam startete, in dem Film.

Warum er jetzt diesen Schritt in die Öffentlichkeit tut, konnte Udo Beyer am Donnerstag nicht gefragt werden, weil sich der 57-Jährige derzeit im Krankenhaus befindet. „Mein Vater hat heute eine Hüftoperation“, erklärte seine Tochter Katja, die gemeinsam mit ihm ein Reisebüro in Potsdam führt, gestern auf Anfrage. Einstige sportliche Weggefährten des stets lebensfroh wirkenden Leichtathleten zeigten sich überrascht, als sie durch die PNN von Beyers Doping-Bekenntnis erfuhren. „Das verschlägt mir ein bisschen die Sprache, zumal Udo immer erzählt hat, dass es bei ihm nicht so war“, erklärte Ulrike Bruns, die unter ihrem Mädchennamen Klapezynski 1976 in Montreal Dritte über 1500 Meter wurde und insgesamt drei Weltrekorde aufstellte.

Und Peter Frenkel, der Potsdamer Olympiasieger von München 1972 sowie Olympia-Dritte in Montreal jeweils im 20-Kilometer-Gehen, sagte: „Das verblüfft mich doch sehr. Warum sagt er das, und warum erst jetzt?“ Dass sie in ihren aktiven Zeiten ebenfalls gedopt hätten, verneinten Bruns und Frenkel. „Ganz klar: no“, so Ulrike Bruns. Und Peter Frenkel erklärte: „Das war für mich kein Thema. Wir Geher waren doch nur das fünfte Rad am Wagen. Ich war ja nach meinem Olympiasieg in München noch zur Dopingkontrolle, weshalb sich die Siegerehrung verzögerte.“

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