Gierig auf Erfolg : Franck Ribéry ist Bayern Münchens Bester

Der Franzose hat die Münchner in dieser Saison zu Höchstleistungen getrieben. Aus dem eigenwilligen Profi ist ein Teamspieler geworden - auch dank Trainer Jupp Heynckes.

Elisabeth Schlammerl
Tanzt mit mir. Franck Ribéry (r.) gab auch beim Feiern den Ton an. Foto: Jan Hübner
Tanzt mit mir. Franck Ribéry (r.) gab auch beim Feiern den Ton an.Foto: Jan Hübner

Er gab mal wieder den Ton an. Schnappte sich nach dem Abpfiff das Megafon, johlte und sang, heizte die Stimmung im Stadion an. Es war vielleicht die kälteste und kürzeste Meisterfeier des FC Bayern München aller Zeiten, doch Franck Ribérys Jubel nach dem Gewinn des 23. Titels am Sonnabend wirkte ausgelassen, kein bisschen routiniert. Wie er in Handschuhen und langem Unterhemd über den Frankfurter Rasen tanzte, erst seinen Trainer Jupp Heynckes fest umarmte und ihn dann gemeinsam mit den anderen Spielern mehrmals in die Luft warf. Vermutlich war auch das seine Idee.

Ribéry ist bei Bayern München eben für die gute Laune zuständig, im Nebenjob gewissermaßen. Ein Spaßvogel, der in der Kabine andere mit Wasser bespritzt und beim Feiern fremde Apfelschorlen mit Pfeffer versetzt. Hauptberuflich sorgt Ribéry für beste Unterhaltung auf dem Rasen. Er hat die Münchner in dieser Saison zu Höchstleistungen getrieben. „Ich bin glücklich. Ich denke, das ist ein schöner Tag für uns.“

Der Franzose, der am Sonntag seinen 30. Geburtstag feierte, steht für die Gier, mit der der FC Bayern in dieser Saison die Trophäen jagt. Der Ärger über die drei verpassten Titel 2012 steckt tief und spornt ihn an. Er gibt kein Spiel, keinen Ball verloren. Selbst bei einem komfortablen Vorsprung kann Ribéry noch ausrasten nach einem schlampigen Pass oder einer vergebenen Torchance.

Heynckes hat in der vergangenen Saison begonnen, Ribéry zu einem Teamspieler umzuerziehen. Mit seiner väterlichen Art fand der Bayern-Trainer schnell Zugang zu dem eigenwilligen Profi. Früher wollte Ribéry als Kopf der Kreativabteilung glänzen, jetzt sieht er sich als Teil eines Kollektivs. Da ist es fast egal, dass er in dieser Saison viel weniger Tore geschossen hat. Mittlerweile findet er sogar Gefallen daran, dem Gegner den Ball in der eigenen Hälfte abzunehmen. Der Künstler hat das Kämpfen gelernt – und kapiert, dass seine Kreativität nicht an der Mittellinie enden muss. „Ohne meine Mitspieler wäre ich niemand“, sagt er.

Ribéry ist für seine Gegner nur noch schwer zu greifen. Früher reichte es, zwei Spieler zur Bewachung des flinken Offensivkünstlers abzustellen, um ihn halbwegs aus der Partie zu nehmen. Jetzt weicht er eben auf die andere Seite aus, oder ins Zentrum, oder er orientiert sich in Richtung Mittellinie. „Ich bin so gut wie nie“, sagt Ribéry. „Ich fühle mich fit und frei im Kopf.“ Auch die inzwischen zwei Jahre alte Sexaffäre mit einer minderjährigen Prostituierten scheint ihn auf dem Rasen nicht mehr zu belasten. Im Juni muss sich der Profi deshalb laut französischen Medienberichten in seiner Heimat vor Gericht verantworten.

Heynckes geht nachsichtig mit Ribéry um, gibt ihm auch das Gefühl, selbstbestimmt zu sein. Auch in stressigen Phasen spricht er das Trainingspensum mit Ribéry oft ab. Vom seelischen Gleichgewicht des Bayern-Spielers profitiert auch die französische Nationalmannschaft, in der sich Ribéry zum Führungsspieler entwickelt hat. Vergessen ist die blamable Weltmeisterschaft 2010, bei der er als einer der Anführer gegen den damaligen Trainer Raymond Domenech aufbegehrte. Sein neuer Trainer Didier Deschamps will nicht auf ihn verzichten. „Ich habe nicht viele Spieler, die die Champions League gewinnen können und gewinnen wollen.“

Als Ribéry 2007 von Olympique Marseille zum FC Bayern wechselte, war das für ihn nur ein Zwischenschritt. Bis dahin hatte er nie länger als zwei Jahre bei einem Verein ausgehalten. Ribéry träumte damals davon, eine Mannschaft so zu prägen wie Lionel Messi den FC Barcelona. Inzwischen ist ein Wechsel längst kein Thema mehr für den Familienvater. Er spricht sogar schon davon, seine Karriere beim FC Bayern beenden zu wollen. München, sagt er, sei seine zweite Heimat. „Ich habe noch nie in meinem Leben so ein gutes Gefühl gehabt wie hier in dieser Stadt, in diesem Verein.“ Er ist offenbar angekommen.

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