Handball : Der Lizenzentzug des HSV ist endlich konsequent

Der Dachverband der Handball-Bundesliga hat dem HSV Handball die Lizenz entzogen. Die Verbindlichkeiten des Klubs sind zu groß. Ein Kommentar.

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Die Fahne das HSV Handball wird in der Bundesliga nicht mehr geschwenkt.
Die Fahne das HSV Handball wird in der Bundesliga nicht mehr geschwenkt.Foto: dpa

Selten sind die Signale vor einer großen Entscheidung eindeutiger gewesen. Die Spieler des HSV Handball – schauen sich seit Wochen nach neuen Arbeitgebern um. Und die Gegnerschaft aus der Bundesliga – hat den Vorverkauf für die Heimspiele gegen den HSV in der Rückrunde bereits eingestellt, in weiser Voraussicht. Am Mittwoch hat der Liga-Dachverband HBL dem Meister von 2011 und Champions-League-Sieger von 2013 die Lizenz entzogen. Der Beschluss greift formal zwar erst zum Saisonende, es gilt jedoch als sicher, dass sich der chronisch verschuldete Verein in den nächsten Tagen vom Spielbetrieb abmeldet. Um die Saison vernünftig zu Ende bringen zu können, sollen zwei Millionen Euro fehlen. Tatsächlich dürften die Verbindlichkeiten wesentlich höher sein.

Für die Bundesliga hätte das Aus sportlich wie wirtschaftlich schwerwiegende Konsequenzen. Längst macht der Begriff der Wettbewerbsverzerrung die Runde, weil die Ergebnisse aus der Hinrunde annulliert werden müssten. Noch größer ist der ökonomische Schaden. Der HSV war ein Synonym für die Entwicklung der Sportart hinein in die Metropolen des Landes und ihre großen Arenen.

Auch deswegen war die HBL den Hamburgern stets wohlgesinnt: Vor der Saison 2014/15 etwa stockte sie die Bundesliga erstmals und nach langem Rechtsstreit auf 19 Teams auf, um den Standort Hamburg trotz der schon damals bekannten Finanzprobleme zu wahren. Jetzt ist genau das passiert, was damals unter allen Umständen verhindert werden sollte.

So bitter die Entscheidung für die Spieler sein mag, die trotz der Situation eine starke Hinrunde gespielt haben, so ist sie vor allem eines: endlich mal konsequent. Eine seriöse Buchhaltung gehört eben genau zur Bundesliga wie die Zusammenstellung eines konkurrenzfähigen Kaders.

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