Hertha-Debakel : "Jetzt muss mal Schluss sein"

Sollte Hertha nach der jüngsten Entscheidung zum Relegationsspiel in die dritte Instanz gehen? Bernd Sobeck, Sohn der Hertha-Legende Hanne Sobeck, spricht im Interview über das Urteil vom Freitag und die Zukunft des Vereins.

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Bernd Sobeck, 69, ist der Sohn der Hertha-Legende Hanne Sobeck. Er spielte für Tennis Borussia und Wacker 04. Das Foto zeigt Sobek (rechts) im TeBe-Trikot auf dem alten Hertha-Platz am Gesundbrunnen.
Bernd Sobeck, 69, ist der Sohn der Hertha-Legende Hanne Sobeck. Er spielte für Tennis Borussia und Wacker 04. Das Foto zeigt Sobek...Foto: privat

Herr Sobeck, wie groß ist die Enttäuschung über das Hertha-Urteil?

Natürlich bin ich noch traurig, aber wissen Sie, meine Enttäuschung hält sich in Grenzen. Weil ich mit diesem Ausgang gerechnet hatte, das war eine Gefühlssache.

Hertha hatte unter anderem mit der „Todesangst der Spieler“ argumentiert. Das Argument zog nicht wirklich. Hatte Hertha einfach übertrieben?

Ich kann schon verstehen, dass einem Spieler bei diesen Umständen zumindest mulmig ist. Als Spieler von Tennis Borussia war ich mal drei Stunden in Osnabrück in der Kabine eingeschlossen. Das war nach einem Spiel, in dem es um den Bundesliga-Aufstieg ging. Die Fans haben uns belagert. Unter Polizeischutz sind wir dann zum Bus. Da flogen dann noch Steine aufs Dach. Das ist nicht lustig.

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Die große Frage: Soll Hertha in die dritte Instanz?

Nein, jetzt muss mal Schluss sein. Hertha hatte 34 Spieltage Zeit, den Klassenerhalt zu sichern. Jetzt sollte man fair sagen: Es hat sportlich nicht gereicht. Unabhängig davon aber: Das Urteil hinterlässt auch ein Gefühl der Unzufriedenheit.

Inwiefern?

Ich spreche jetzt nicht für Hertha BSC, sondern für den Fußball. Die Frage ist doch, ob sich durch dieses Urteil Fans nicht ermutigt fühlen, den Platz zu stürmen. Es war ja auch schon eine Katastrophe, was im Hertha-Block passiert ist, was jedoch die Düsseldorfer Zuschauer mit der Platzstürmung angerichtet hatten, geht schon gar nicht.

Für viele Fans ist die Arbeit von Sportdirektor Michael Preetz eine Katastrophe. Sie wollen ihn weghaben. Sie auch?

Diese Frage will ich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Wir im Ältestenrat haben die Aufgabe, Ruhe in den Verein zu bringen.

Aber bewerten werden Sie seine Arbeit ja schon.

Man muss viele Aspekte berücksichtigen. Da ist die schwierige finanzielle Situation von Hertha. Michael Preetz hat noch einen Vertrag. Aber er hat auch positive Dinge bewegt. Natürlich muss sich Preetz kritischen Fragen stellen. Der Vertrag für Felix Bastians hat mich schon überrascht. Freiburg hatte ihn abgeschoben, bei Hertha wird er langfristig gebunden. In den Relegationsspielen spielte jedoch Fabian Holland an seiner Stelle, ein Talent aus dem Hertha-Nachwuchs.

Hertha muss sich neu aufstellen. Wo sehen Sie die wichtigsten Aufgaben?

Auf jeden Fall gehört die Jugendarbeit dazu. Präsident Gegenbauer hat ja gesagt, dass man überall sparen werde, nur nicht im Jugendbereich. Das finde ich gut. Ich wünsche mir aber, dass man mehr Talente an die Profis heranführt.

Welchen Schaden sehen Sie für Hertha durch diesen Abstieg?

Der Imageschaden ist schon enorm. Man muss sich ja bloß mal anschauen, wie allein schon Köln verspottet wird. Und dann erst Berlin: die Hauptstadt ohne Erstligist. Dazu kommt noch der finanzielle Aspekt. Die großen Sponsoren bleiben, okay, aber die kleineren, die auch wichtig sind, werden wegbrechen.

Die Fragen stellte Frank Bachner.

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