Kevin-Prince Boateng auf Schalke : Große Klappe, viel dahinter

Kaum einem Fußballer werden in Deutschland so viele Vorurteile entgegen gebracht wie Kevin-Prince Boateng. Doch das einstige Ghetto-Kid hat sich gewandelt - und seine Rückkehr in die Bundesliga daher nur konsequent.

von
Will sich in Deutschland beweisen: Kevin-Prince Boateng.
Will sich in Deutschland beweisen: Kevin-Prince Boateng.Foto: dpa

Da ist er wieder, der Boateng. Und genau so, wie ihn die deutschen Fans in Erinnerung haben. Bei seiner Präsentation in Gelsenkirchen, wo er einen Vierjahres-Vertrag unterschrieb, blitzte Kevin-Prince Boatengs altes Ego wieder durch: Da die Bundesliga seiner Meinung nach die beste Liga der Welt ist, müsse er dort auch spielen. Große Klappe, selbstbewusstes Auftreten – Boateng halt.

Vielleicht gibt es keinen Fußballer, dem in Deutschland so viele Vorurteile entgegen gebracht wurden und immer noch werden wie Kevin-Prince Boateng. Gut möglich, dass auch das für ihn ein Anreiz war, in die Bundesliga zurückzukehren. Boateng hat sich gewandelt und kann spätestens jetzt auch die Menschen in seinem Geburtsland davon überzeugen. Sofern er das mit seinem engagierten Auftreten gegen Rassismus nicht längst schon getan hat. Auf die pöbelnden Dumpfbacken, die ihn in Italien wegen seiner Hautfarbe verhöhnt hatten, reagierte er souverän. Dass er samt seiner Kollegen vom AC Mailand den Platz verließ, brachte ihm eine Rede vor den Vereinten Nationen in Genf ein – wie viele Fußballer können das von sich behaupten? Aus dem einstigen Rotzlöffel, der bei Hertha BSC gegen die Etablierten aufmuckte, ist längst ein ernsthafter junger Mann geworden. Boateng hat sein Image inzwischen grandios korrigiert und die Leute nicht nur auf dem Fußballfeld verzückt.

Kevin-Prince Boateng: Bälle, Brillen und Tattoos
Großer Einsatz bei der UN-Konferenz am 21.März 2013 in Genf: Kevin-Prince Boateng und die UN-Menschenrechtsbeauftragte Navanethem Pillay diskutieren über Rassismus im Sport.Weitere Bilder anzeigen
1 von 12Foto: dpa
27.08.2012 19:14Großer Einsatz bei der UN-Konferenz am 21.März 2013 in Genf: Kevin-Prince Boateng und die UN-Menschenrechtsbeauftragte Navanethem...

Im Nachhinein erscheint es kurios, welche Wendung Boatengs Karriere genommen hat. Nach seinem Foul an Michael Ballack vor der WM 2010 wurde er zum Buhmann der Nation erklärt. In Deutschland, so hieß es, werde Boateng für alle Zeiten nicht mehr vermittelbar sein. Auch deshalb ist seine Rückkehr in die Bundesliga nur konsequent.

Autor

4 Kommentare

Neuester Kommentar