Kolumne: So läuft es : Im Herbst ist es Zeit für den Lauf-Wechsel!

Am Donnerstag beginnt meteorologisch gesehen der Herbst. Zeit für ein wenig Laufromantik, findet unser Kolumnist.

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Laufen im Herbst kann so schön sein.
Laufen im Herbst kann so schön sein.Foto: picture alliance / dpa

Obacht! In dieser Kolumne werde ich meinem Ruf, die Rosamunde Pilcher der Kolumnisten zu sein, absolut gerecht. Schuld daran ist der Herbst. Und nur der Herbst. Aber ein wenig Laufromantik muss heute mal sein. Und, kommen Sie: Sie wollen es doch auch. Sie wollen doch auch endlich laufen. Oder wieder laufen. Und Sie wollen all diese Ausreden nicht mehr. Weil Sie Ihre eigenen Ausreden eigentlich selbst gar nicht mehr hören können. Weil Sie nämlich fast schon wirklich an Ihre eigenen Ausreden glauben, warum Sie nicht laufen.

Der Herbst eignet sich ganz besonders, um loszulaufen. Und das hat Gründe. Keine andere Jahreszeit steht so sehr für Veränderung wie der Herbst. Die Blätter fallen, die Natur streift ihr Leben ab. Ihr altes Leben nämlich, das sie bis hierhin gebracht hat. Sie stirbt ein bisschen, sie kommt zur Ruhe, um neue Kraft zu schöpfen. Wer mit dem Laufen (wieder) beginnen will, braucht diese Ruhe ebenfalls. Braucht Besinnung und muss Kräfte neu bündeln. Muss sich verabschieden von einer alten Struktur. Von der Struktur des Nicht-Laufens.

Es ist nicht gelaufen. Aber es soll laufen. Anders laufen. Wieder laufen. Der Herbst ist etwas wie eine natürlich Reset-Taste. Sie sollten sie nur drücken. Sie müssen durch den Herbst und den Winter. So lange wird es brauchen, um im Frühling wieder bei Kräften zu sein. Nehmen Sie sich diese Zeit. Unbedingt.

Die Wildgänse ziehen gen Süden

Gestern bin ich mit einem guten Freund gelaufen. Veränderung war unser Thema. Wir unterbrachen unsere Konversation, weil ein Schwarm Wildgänse über uns hinwegzog. Sie machten sich auf nach Süden. Sie begaben sich auf den Weg. Machen auch Sie sich auf den Weg, der Herbst gibt der Natur ein natürliches Signal dazu. Überhören Sie es nicht!

Die Temperaturen fallen langsam. Das macht es ein wenig einfacher. Gerade wenn Sie früh am Morgen starten, können Sie pure Motivation aus der Schönheit der Natur ziehen. Alleine der Mix aus Nebel, der über den Feldern steht, und der goldenen Farbe der Sonne, allein das ist ein Schauspiel, das die Natur so nur im Herbst spielt.

Wer täglich läuft, spürt die Veränderungen an sich selbst. Natürlich spätestens – so man am Ball bleibt – im Frühling. Viel wichtiger sind jedoch die positiven Veränderungen, die es jeden Tag gibt. Manchmal sind es Nuancen, kleine Stellschrauben, Signale des Körpers. Man spürt sich selbst mehr denn je. Und genau das motiviert. Der Herbst macht einen radikalen Schnitt mit dem Leben. Und manchmal braucht es genau das, um (neu) zu starten. Goethe schrieb einst: „Man sieht die Blumen welken und die Blätter fallen, aber man sieht auch Früchte reifen und neue Knospen keimen. Das Leben gehört den Lebendigen an, und wer lebt, muß auf Wechsel gefaßt sein.“ Also, leben Sie. Schaffen Sie den Wechsel, werden Sie wieder lebendig. Der Herbst hilft Ihnen. Versprochen. So läuft es.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt hier an jedem Donnerstag übers Laufen.

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