Kommentar zu Pep Guardiola : Endlich Nichtschwimmer

Zum Arbeitsauftakt von Pep Guardiola beim FC Bayern München staunt unser Autor Dominik Bardow über die Ausmaße der Medienhysterie.

von
Pep Guardiola nimmt die Aufregung um seine Person gelassen hin ... noch.
Pep Guardiola nimmt die Aufregung um seine Person gelassen hin ... noch.Foto: dpa

Es ist 12.01 Uhr. Wir melden uns live aus München. Der Flieger ist soeben gelandet. Der Mann, auf den alle gewartet haben, steigt gerade aus. Er läuft barfuß über die Isar zur Säbener Straße. Dort haben sich bereits tausende Jünger versammelt, um Zeugen zu sein, wie er in mehreren Zungen spricht. Wie er Wunder wirkt: Wer Lahm ist, kann plötzlich gehen.

So oder so ähnlich wird sie am Montag ablaufen, die Präsentation von Pep Guardiola als Trainer beim FC Bayern, live auf allen Kanälen. Zumindest wenn man der Vorberichterstattung der letzten Tage glauben schenkt. Was konnte man nicht alles über ihn erfahren: Welche Hemden er trägt, welche Musik er hört, wer ihm Deutsch beibringt (eine Berlinerin, die vertraglich zum Schweigen verpflichtet ist), unter welchem Pseudonym er in New York lebte, was andere über ihn denken, sein Bruder, sein Biograf, Spaniens Botschafter... nur ihn selbst hörte man nie.

Die Strategie Guardiolas, sich medial zu verweigern, hat hierzulande eher zu Hysterie als zu Ruhe geführt. Ursprünglich hatte er sich München auch als Arbeitsort ausgesucht, weil er glaubte, dort ungestörter arbeiten zu können als andernorts. Doch in der Wartezeit ist er verklärt worden zu einem Wunderwirker, einer, der mehr ist als ein Fußballtrainer. Diese Erwartungshaltung ist eigentlich die größte Hypothek, größer als die vielen Titel, die Bayern bereits ohne ihn gewonnen hat.

Daher ist es gut, dass Guardiola nicht nur zu Besuch ist, hinter einer Glasscheibe, wie ein US-Präsident. Er ist gekommen, um zu bleiben. Und die Hysteriker werden merken: Er ist auch nur ein Fußballtrainer. Diese Entzauberung ist das Beste, was ihm passieren kann. Es muss ja nicht so weit kommen wie bei Berti Vogts, der einmal sagte: Wenn ich über Wasser liefe, würden meine Kritiker sagen, nicht mal schwimmen kann er.

Autor

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben