Konkurrenzkampf beim 1. FC Union : Der Vizekapitän muss zusehen

Beim 1. FC Union herrscht derzeit ein Überangebot an Spielern, Trainer Norbert Düwel hat derzeit die große Auswahl. Zum Saisonauftakt gegen Fortuna Düsseldorf bekam das Vizekapitän Michael Parensen zu spüren.

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Unions Trainer Norbert Düwel verfügt in dieser Saison über deutlich mehr Alternativen.
Unions Trainer Norbert Düwel verfügt in dieser Saison über deutlich mehr Alternativen.Foto: dpa

Seine Kollegen waren am Sonntag schon längst auf dem Weg ins Stadion, da saß Denis Prychynenko noch zu Hause auf der Couch. Der Verteidiger des 1. FC Union trug einen roten Kapuzenpulli seines Arbeitgebers, neben ihm Vater Sergei. Beide sahen so aus, als würden sie sich auf einen gemütlichen Fernsehnachmittag freuen. Prychynenko ist später doch noch in die Alte Försterei gefahren – allerdings nur zum Zuschauen. Für einen Platz im Kader hatte es zum Saisonauftakt nicht gereicht, das 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf sah Prychynenko nur von der Tribüne aus. Genau wie Eroll Zejnullahu oder Adrian Nikci. Zejnullahu war in der vergangenen Saison noch fester Bestandteil der Mannschaft, Nikci verfügt über Bundesliga-Erfahrung mit Hannover 96.

Prychynenko, Zejnullahu und Nikci waren nicht die einzigen mannschaftsinternen Verlierer beim 1. FC Union. Vizekapitän Michael Parensen saß 90 Minuten lang auf der Bank, neben ihm Dennis Daube, der ebenfalls nicht eingesetzt wurde. Daube ist eigentlich geholt worden, um das Spiel der Berliner zu lenken. Natürlich hat der Neuzugang vom FC St. Pauli noch ausreichend Spiele vor sich, um die Verantwortlichen von seinen Qualitäten zu überzeugen, momentan muss er sich aber gedulden. Das Gleiche gilt für Publikumsliebling Christopher Quiring, der gegen Düsseldorf vergeblich auf seinen Einsatz wartete.

Union löste vor der neuen Saison die U 23 auf

Wenn Unions Trainer Norbert Düwel wie jetzt alle Spieler zur Verfügung hat, wird es immer wieder zu personellen Härtefällen kommen. „Unser Kader ist im Vergleich zum letzten Jahr viel breiter und die Leistungsdichte höher“, sagt Angreifer Sören Brandy, der sich gegen Düsseldorf an der Schulter verletzte und am Montag zur MRT-Untersuchung musste. Union verfügt 2015/16 über deutlich mehr Alternativen. „Für mich ist die Situation natürlich angenehmer als in der Rückrunde, wo wir manchmal überlegen mussten, wie wir den Kader überhaupt voll bekommen“, sagt Trainer Düwel. Nun stehe das Leistungsprinzip wieder stärker im Vordergrund. „In der Rückrunde wussten einige, dass sie ihren Platz sicher haben“, sagt Düwel.

Um den Konkurrenzkampf zu verschärfen, löste Union vor der neuen Saison die U 23 auf, die talentiertesten Nachwuchsspieler trainieren nun regelmäßig mit den Profis. Die erste Mannschaft wurde zudem mit neun Neuzugängen verstärkt, dem gegenüber stehen bisher sechs Abgänge. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass Union bis zum Ende der Transferperiode noch einige Spieler abgibt.

Wie eng es momentan im Kampf um einzelne Positionen zugeht, zeigt sich am Beispiel von Michael Parensen. Als Lohn für eine starke Vorbereitung wurde der Linksfuß von Trainer Düwel zum Vizekapitän bestimmt. Im letzten Vorbereitungsspiel gegen Crystal Palace erwischte Parensen jedoch nicht seinen besten Tag, gegen Düsseldorf entschied sich Düwel dann für Fabian Schönheim als Linksverteidiger in der Dreierkette. Nikci, der gegen die Engländer noch in der Startformation stand, aber schwach spielte, flog ganz aus der Mannschaft. Düwels Botschaft dürfte nach dem ersten Spiel angekommen sein. Schwächere Leistungen darf sich beim 1. FC Union momentan niemand erlauben.

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