Sport : Konserve aus dem Körper

Blutdoping ist schwer nachweisbar

Frank Bachner

Berlin - Blutdoping, das in Turin bei den österreichischen Biathleten vermutet wird, ist eine uralte Methode der Leistungsmanipulation. Der finnische Langläufer Kaarlo Maaininka, 1980 Olympiazweiter und -dritter über 5000 Meter und 10 000 Meter, gab später zu, mit Blutdoping manipuliert zu haben. Diese Methode kam außer Mode, nachdem 1983 Erythropoetin (Epo), das die Bildung roter Blutkörperchen anregt, erstmals künstlich hergestellt worden war. Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff. Nach 1983 griffen viele Sportler auf das Labor-Epo zurück, das war schließlich nicht nachweisbar. Bis 2000 endlich ein Epo-Nachweis gelang. Deshalb wurde Blutdoping wieder aktuell. Das können Fahnder kaum nachweisen.

Beim Blutdoping injiziert sich der Athlet sein eigenes Blut. Zuvor hat er sich dieses Blut abnehmen lassen. Es wird zentrifugiert, damit sich rote Blutkörperchen, die Erythrozyten, vom Plasma trennen. Die Erythrozyten werden dann rund vier Wochen tiefgefroren und konserviert. So lange dauert es, bis der Sportler seinen Blutverlust organisch wettgemacht hat. Dann wird ihm das konservierte Eigenblut gespritzt.

Nun kann sein Blut durch die zusätzlichen roten Blutkörperchen mehr Sauerstoff transportieren. Damit erhöht ein Athlet seine Ausdauerfähigkeit. Angezeigt wird die Zahl der Erythrozyten mit dem Hämatokritwert. Allerdings gibt es ein Risiko: Wenn zu viele rote Blutkörperchen injiziert wurden, wird das Blut zähflüssiger, die Pumpleistung des Herzens sinkt. Damit wäre der Dopingeffekt hinfällig. Doch der Athlet spielt auch mit seiner Gesundheit. Je höher der Hämatokritwert liegt, umso so dickflüssiger ist das Blut. Damit steigt die Gefahr, eine Thrombose zu bekommen.

Unter Belastung hat ein Mann einenHämatokritwert von rund 47, mit Blutdoping kann er ihn auf 50 oder mehr steigern. Wenn Dopingfahnder bei einem Wintersportler einen Hämatokritwert von 50 oder mehr messen, wird eine Zielkontrolle bei dem Betreffenden angesetzt. Dann besteht der Verdacht der Manipulation. Wer allerdings versucht, sich mit Fremdblut zu dopen, hat Pech. Fremdblut ist inzwischen nachweisbar.

10. BIS 26. FEBRUAR

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