Letztes Duell vor der Fusion : Viktoria und Lichterfelde: Lieber die Lachnummer

Vor ihrer Fusion treffen Viktoria 89 und Lichterfelde am Sonntag in der Oberliga im direkten Duell aufeinander - und Viktoria braucht noch jeden Punkt. Bringen die künftigen Vereinskameraden den Aufstieg in die Regionalliga noch in Gefahr?

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Wenn der BFC Viktoria 89, Tabellenführer der Fußball-Oberliga Nordost, am Sonntag zum Punktspiel beim Lichterfelder FC reist, könnten die Verantwortlichen und Spieler theoretisch gleich ein paar Umzugskartons aus Tempelhof mitbringen. Denn die Arena am Ostpreußendamm wird schon ab Juli auch ihre Spielstätte sein: Die Klubs werden fusionieren, beide erhielten kürzlich mit jeweils rund 88 Prozent der Stimmen die Zustimmung ihrer Mitglieder. Ab 1. Juli geht man somit als einer der größten Amateurvereine Deutschlands unter dem leicht sperrigen Namen „FC Viktoria 1889 Berlin Lichterfelde-Tempelhof“ an den Start.

Dass die beiden Mannschaften nun ausgerechnet kurz nach der Vollzugsmeldung noch ein letztes Mal aufeinandertreffen ist Zufall – Brisanz birgt diese Ansetzung dennoch. Denn Viktoria muss den Zwei-Punkte-Vorsprung auf Union Fürstenwalde behaupten, um in die Regionalliga aufzusteigen. Für das Team von Lichterfelde, das eigentlich noch mitten im Abstiegskampf steckt, ist die Platzierung hingegen durch die Fusion irrelevant geworden.

„So oder so sind wir die Idioten“, sagt Ulrich Brüggemann, Präsident des LFC. „Wenn wir gewinnen und damit quasi den eigenen Aufstieg verhindern, lacht ganz Berlin über uns. Und wenn wir verlieren, dann schreien alle: Wettbewerbsverzerrung.“

Einflussnahme auf Spieler oder Trainer werde es selbstverständlich nicht geben. „Viktoria muss das aus eigener Kraft schaffen“, sagt Brüggemann. Für den Spitzenreiter sollte dies auch eine lösbare Aufgabe sein, ebenso wie die Begegnung am letzten Spieltag mit dem bereits abgestiegenen Schlusslicht Waren 09.

Es ist also alles geebnet für eine Zukunft in der Regionalliga und das Etablieren eines leistungsfähigen Großvereins. Die Mischung scheint zu stimmen. Denn nach der zuletzt ohnehin schon positiven Entwicklung beim BFC Viktoria bringt der LFC nun all das mit ein, was bislang noch fehlte: Eine der größten Jugendabteilungen Deutschlands, eine Frauenmannschaft in der Zweiten Liga sowie einen umfangreichen Breitensport-Bereich. Viktoria liefert dazu noch die große Tradition mit zwei Deutschen Meistertiteln in der Vita, weswegen der neue Klub auch die hellblaue Spielkleidung sowie das große, blaue „V“ im Wappen tragen wird.

Auf beiden Seiten betonen die Verantwortlichen, dass hier zwei auf Augenhöhe befindliche Vereine die Verschmelzung eingehen, die zudem noch beide wirtschaftlich kerngesund sind. „Es geht ums Kräftebündeln, nicht wie so oft um Überlebenskampf“, sagt LFC-Chef Brüggemann.

Erfahrung mit ungünstigeren Konstellationen haben beide selbst gemacht, denn schon vor gut zehn Jahren gab es bereits den Versuch eines Zusammenschlusses, der letztlich am Votum von Viktoria scheiterte. „Aus heutiger Sicht nachvollziehbar“, sagt Brüggemann. „Viktoria ging es damals sehr schlecht, und die dachten wohl, sie würden einfach einkassiert.“

Heute ist das kein Thema mehr, genauso wenig wie ein Namensstreit aus dem Jahre 2004, als der LFC sich in Victoria Berlin umbenennen wollte. Die Tempelhofer klagten und bekamen vor Gericht recht. „Darüber spricht aber niemand mehr, das waren auch ganz andere beteiligte Personen damals“, sagt Viktorias Vize-Präsident Carsten Herrmann.

Am Sonntag im Stadion (Anstoß 14 Uhr) könnte also beste Stimmung sein. Ein letztes sportliches Duell, während man sich innerlich schon auf die künftige Zusammenarbeit freut. Wenn da nicht die prekäre Tabellensituation wäre. „Es wird ein ganz normales Fußballspiel zwischen zwei Mannschaften, die beide gewinnen wollen“, sagt Herrmann. Und wenn der Tabellenführer tatsächlich über seine zukünftigen Kollegen stolpert? „Dann sind wir halt die Lachnummer. Lieber so, als andersherum.“

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