Lieber Bamberg als Alba Berlin : Maodo Lo: Zu viele gute Argumente

Am Beispiel Maodo Lo zeigt sich: Albas Wunschspieler gehen mittlerweile lieber nach Bamberg. Das liegt vor allem am Geld

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Premiere. Bambergs Maodo Lo spielt heute erstmals als Profi in Berlin. Foto: dpa/De Hierro
Premiere. Bambergs Maodo Lo spielt heute erstmals als Profi in Berlin. Foto: dpa/De HierroFoto: dpa

Auch wenn Maodo Lo an diesem Sonntag nicht das knallgelbe Alba-Trikot tragen wird: Der Basketballer kann sich einiger Unterstützung in der Arena am Ostbahnhof gewiss sein. Der 24-Jährige hatte sogar Mühe, genug Auch wenn Maodo Lo an diesem Sonntag nicht das knallgelbe Alba-Trikot tragen wird: Der Basketballer kann sich einiger Unterstützung in der Arena am Ostbahnhof gewiss sein. Der 24-Jährige hatte sogar Mühe, genug Karten für all jene Verwandten und Freunde zu ergattern, die ihn anfeuern wollen. Am Ende kaufte er den Großteil der Tickets ganz regulär und bezahlte sie aus eigener Tasche.

Maodo Lo ist in Berlin geboren und aufgewachsen, nun tritt er erstmals als Profi in seiner Heimatstadt an. „Ich bin Berliner, ich liebe Berlin von ganzem Herzen“, sagt er. „Ich freue mich sehr darauf, nach Berlin zurückzukommen.“ Zum Leidwesen der Alba-Fans läuft der Nationalspieler um 15.30 Uhr aber eben nicht für Alba Berlin auf, sondern für den Erzrivalen Bamberg.

„Ich habe mich nicht gegen Berlin entschieden, sondern für Bamberg"

Noch vor wenigen Jahren wäre Maodo Los Weg wohl anders verlaufen. Lange Zeit landeten talentierte Berliner Basketballer fast zwangsläufig irgendwann bei Alba, das Gesamtpaket aus sportlichem Niveau, professionellem Umfeld und Nähe zu Mutters Küche schien für viele Spieler unschlagbar. Maodo Lo entschied sich aber nach vier Jahren an der Columbia University in New York vor dieser Saison für eine Anstellung beim Deutschen Meister Bamberg.

„Ich habe mich nicht gegen Berlin entschieden, sondern für Bamberg“, betont der Spielmacher. Lo war nie Teil des Alba-Jugendprogramms, seine basketballerische Grundausbildung hat er beim DBV Charlottenburg erhalten. „Ich hatte aber immer ein gutes Verhältnis zu Alba“, sagt er. „Ich hatte immer Kontakt zu Alba.“ Als er sich allerdings im vergangenen Sommer über seinen ersten Profivertrag Gedanken machen musste, sei „der Verhandlungsprozess mit Bamberg klarer und transparenter als mit Alba“ gewesen. Die Berliner steckten nach der Trennung von Trainer Sasa Obradovic wieder einmal im Umbruch, der Sportdirektor Himar Ojeda war noch nicht lange im Amt, die Zusammenstellung des Teams ungewiss. Die Berliner puzzelten ihre Mannschaft erst spät zusammen, lange war auch nicht klar, in welchem Europapokal-Wettbewerb Alba antreten würde.

Dank Mäzen Michael Stoschek zahlt Bamberg exzellente Gehälter

In Bamberg herrschte hingegen Planungssicherheit: Trainer Andrea Trinchieri ist unumstritten, die Teilnahme an der Euroleague stand fest, das Meisterteam blieb weitestgehend zusammen. Die Franken bemühten sich auch schon sehr früh sehr konkret um den Point Guard. Zudem dürfte nicht ganz unwesentlich gewesen sein, dass Bamberg dank seines Mäzens Michael Stoschek exzellente Gehälter zahlt. In der Basketballbranche ist die Rede davon, der Spieleretat des Deutschen Meisters sei inzwischen fast drei- mal so hoch wie der der Berliner.

Dem Vernehmen nach verdient kein deutscher Profi in Bamberg weniger als 200 000 Euro netto. Schon Daniel Theis schlug 2014 ein Angebot aus Berlin aus, nachdem die Franken dem Nationalspieler angeblich 50 Prozent mehr Gehalt boten als Alba. Bamberg kann es sich sogar leisten, den ehemaligen Alba-Spieler Yassin Idbihi als Standby-Profi im Kader zu führen, den 33-Jährigen aber nur noch in der Zweiten Liga ProA bei Kooperationspartner Baunach einzusetzen. Und Idbihi für diese Rolle wohl ähnlich zu entlohnen wie Alba seine aktuellen Nationalspieler. Die Kräfteverhältnisse zwischen den beiden alten Rivalen, die am Sonntag zum 85. Mal aufeinander treffen, haben sich eindeutig in Richtung Süden verschoben.

„Es war eine basketballerische Entscheidung“

Geld ist kein ganz schlechtes Argument – erst recht nicht für einen jungen Sportler wie Maodo Lo, der gerade vier Jahre College ohne jede Form von Bezahlung hinter sich hat. Der 24-Jährige bestreitet natürlich nicht, dass in Bamberg anständig bezahlt wird. „Ich habe aber versucht, das Finanzielle nicht so groß in die Entscheidung mitzunehmen“, sagt er und beteuert: „Es war eine basketballerische Entscheidung.“ Lo will sich als Spieler in Bamberg weiterentwickeln, von den international erfahrenen Aufbauspielern Fabien Caseur, Janis Strelnieks und Nikolaos Zisis lernen – und in der Euroleague Fuß fassen.

Letzteres gelang Lo zu Saisonbeginn noch nicht, Trinchieri setzte den jungen Spielmacher gegen Europas Spitzenteams nur sporadisch ein. Am vergangenen Donnerstag gelang Maodo Lo aber ein kleiner Euroleague-Durchbruch: Bei der unglücklichen 74:81-Niederlage in Vitoria stand er mehr als 20 Minuten auf dem Feld und erzielte 15 Punkte. Er spüre das Vertrauen des Trainers und könne sich unter Trinchieri gut entfalten, schwärmt Maodo Lo: „Ich bin in der idealen Situation, um mich als Spieler weiterzuentwickeln. Ich bin absolut zufrieden mit meiner Entscheidung, nach Bamberg zu gehen.“

Maodo Los Verwandte und Freunde hätten natürlich auch nichts dagegen gehabt, wenn er zurück in die Heimat gewechselt wäre. Druck gemacht habe seine Familie aber nicht, sagt er, „und Bamberg ist ja immerhin schon näher an Berlin dran als New York“. Und am Sonntag bekommen sie ihren Liebling ja auch endlich einmal aus der Nähe zu sehen.

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