Marcel Reifs Kolumne : Borussia Mönchengladbach: Mit Verstand und Methode

Unser Kolumnist Marcel Reif sieht die Borussia aus Mönchengladbach auf einem guten Weg. Aus seiner Sicht gibt es dafür viele Gründe - von Favre über Eberl bis hin zum neuen Stadion.

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Marcel Reif Foto: dpa
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Wir in der Schweiz sagen, dass die Menschen aus der französischsprachigen Schweiz sperrig, schrullig, knorrig sind. Lucien Favre kommt aus einem kleinen Dorf in der französischsprachigen Schweiz. Und ergo und weil sich jeder davon überzeugen kann, ist Favre sperrig, schrullig und knorrig. Es mag Menschen gegeben haben, die Favre deswegen unterschätzt haben, auch wegen seines immer noch putzigen Deutschs. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es solche Menschen immer noch gibt. Und wenn, lassen sie sich aber auch so etwas von blenden.

Favres Sprache mag Schutz sein, Ablenkung, um in aller Ruhe das machen zu können, was er kann, was er hat. Und das ist ein ungemein klarer Blick auf den Fußball. Der Mann hatte mal Reus, Neustätter, Dante und noch ein paar andere zur Verfügung. Und so spielte die Borussia auch. Dann verlor sie diese wichtigen Leute. Und Favre schaute sich an, wie er künftig spielen lässt, was möglich ist. Es passte. Eine Saison lang. Jetzt spielen sie wieder auf. Das passt auch. Favre schaut, analysiert, baut um, reagiert auf die Möglichkeiten. Und zwar grandios.

Weiter zum Sportdirektor. Max Eberl ist ein Kerl von einem Baum, der weiß, was er tut, ist auch nicht zu unterschätzen und wird es auch nicht. Dann ist da der Präsident, der äußert sich nicht. Und der Vizepräsident ist Weltmeister, Rainer Bonhof, der sagt manchmal etwas, aber nichts, was stört. Und Hans Meyer, der Altmeister, gibt väterliche Beratung, ohne zu stören.

Und das Stadion sollte auch nicht unterschätzt werden. Das muss man erst einmal hinbekommen, einen Sportpark zu bauen, der gegen den mythologisch verklärten Bökelberg ankommt und angenommen wird. Will mit allem sagen: Was sie bei Borussia Mönchengladbach tun, ist klar, hat Verstand, hat Methode. Und deswegen steht die Borussia genau da, wo sie steht.

Der Autor ist Sky-Chefkommentator.

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