Nach Entmachtung von Fabian Lustenberger : Aktion Neuanfang bei Hertha BSC

Mit dem Wechsel im Kapitänsamt von Fabian Lustenberger auf Vedad Ibisevic will Herthas Trainer Pal Dardai seine Mannschaft aufrütteln.

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Neuer Anführer. Vedad Ibisevic soll die Mannschaft mitreißen.
Neuer Anführer. Vedad Ibisevic soll die Mannschaft mitreißen.Foto: dpa

Michael Preetz überließ seinen Platz auf dem Podium ganz freiwillig Vedad Ibisevic. Mit vor dem Körper verschränkten Armen lauschte Herthas Manager der Antrittsrede des neuen Mannschaftskapitäns. Er sprach von „Ehre“ und seiner „Bereitschaft“, Verantwortung zu übernehmen, weil er ein Typ sei, der nicht weglaufe. Irgendetwas im Hertha-Kosmos muss aber zuletzt zum Weglaufen gewesen sein, nicht umsonst beschwor Herthas Trainer Pal Dardai mehrmals „einen Neuanfang“.

In einer handstreichgleichen Aktion hatte der 40-jährige Ungar seinem bisherigen, 28 Jahre alten Kapitän Fabian Lustenberger das Vertrauen entzogen und den vier Jahre älteren Bosnier zu dessen Nachfolger ernannt. Vor knapp einer Woche habe er seine Absicht Lustenberger in einem Vieraugengespräch mitgeteilt, am Mittwoch seien dann Mannschaft, Fans und Öffentlichkeit informiert worden. Dass Dardai bei dieser Gelegenheit noch gleich einen Brief für jeden einzelnen Spieler austeilte, begründete der Trainer auf seine Weise: „Ich habe ihnen den Inhalt auch mündlich mitgeteilt, aber Worte fliegen davon, schriftlich bleibt es für immer.“

Der Mannschaftsrat war mit einbezogen

Vier Tage vor dem Pokalspiel beim Drittligisten Regensburg und eineinhalb Wochen vor dem Bundesliga-Saisonstart sah sich Herthas sportliche Leitung zu dieser Veränderung gezwungen. Der Wechsel von Lustenberger auf Ibisevic sei mit dem Mannschaftsrat abgesprochen, als Alternative sei in diesem Gremium nur ein Name gefallen, der von Ibisevic. Der Bosnier habe Persönlichkeit, er überzeuge mit Leistung und sei schwer befallen vom blau-weißen Virus, wie Dardai ausführte. „Es gibt Sachen, wo man durchgreifen muss, ich habe kein schlechtes Gewissen“, sagte er.

„Fabian hat das drei Jahre lang auf seine Art gut gemacht, jetzt ist ein anderer Typ gefragt, um ein bisschen aufzurütteln“, sagte Preetz. Der Manager betonte, dass Lustenberger ein wichtiger Spieler für die Berliner bleiben werde. Er solle sich nun auf seine sportliche Leistung konzentrieren. „Es ist ja menschlich keine leichte Sache, so etwas zu verkraften“, aber die letzten Trainingseinheiten hätten gezeigt, dass Lustenberger die neue Situation angenommen habe. Man wolle den Schweizer als leistungsfähigen Spieler erhalten, der sowohl im Mittelfeld als auch in der Innenverteidigung einsetzbar ist. „Vedad hat eine spezielle Art, er ist ein aggressiver Spieler, der seine Mitspieler anspricht und mitreißt“, sagte Preetz. Allerdings solle man den Fokus nicht allein auf ihn als Kapitän richten, „jeder einzelne Spieler, der auf dem Platz steht, ist gefragt“.

Die Veränderung in der Hierarchie des Teams wird nicht die einzige bleiben, auch in der ersten Elf werde etwas passieren. „Wir gehen davon aus“, sagte Herthas Manager, der für die nächsten Tage Entscheidungen ankündigte. Es sei bekannt, dass der Verein in der Offensive auf mindestens einer Position noch etwas machen wolle. „Wir sind nah dran“, sagte der 49-Jährige. Das Aus in der Europa-League-Qualifikation habe die finanziellen Spielräume nicht eben vergrößert, aber „Abgänge können auch Spielräume schaffen“.

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