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Nerven an der Wand : 1. FC Union verpasst Sensation bei Borussia Dortmund

Der 1. FC Union zeigt 120 Minuten großen Kampf in Dortmund, scheitert dann aber im Elfmeterschießen. Roman Weidenfeller und Borussias Südtribüne werden für die nervösen Berliner dabei zum Verhängnis.

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Torwart Roman Weidenfeller von Dortmund hält einen Elfmeter.
Torwart Roman Weidenfeller von Dortmund hält einen Elfmeter.Foto: dpa

25 000 pfeifende Münder gegen fünf paar zitternde Füße – ein unfaires Duell. Aus Sicht des 1. FC Union zumindest, der beim Elfmeterschießen bei Borussia Dortmund auf die Südtribüne zielen musste, die Gelbe Wand, die größte Stehtribüne Europas. Das war zuviel für den wackeren Zweitligisten aus Berlin. Drei Union-Schützen versagten die Nerven, BVB-Keeper Roman Weidenfeller hielt die Bälle von Felix Kroos und Stephan Fürstner, Philipp Hosiner traf die Latte. Und so wurden die Unioner beim 1:4 nach Elfmeterschießen (1:1, 1:1, 0:1) nicht mit dem Achtelfinale belohnt für 120 Minuten großen Kampf in Dortmund. Zum ganz großen Erfolg für Union reichte es trotz eines engagierten Auftritts vor 79 037 Zuschauern allerdings nicht.

„Es war mir wichtig, Ruhe auszustrahlen und der Mannschaft zu signalisieren, dass wir das Ding schon schaukeln“, sagte Elfmeter-Held Weidenfeller und verriet sein Erfolgsrezept. „Ich war zwar vorbereitet, aber letztlich muss man sich auf sein Gefühl verlassen.“ Dortmunds Trainer Thomas Tuchel bedankte sich beim Publikum: „Es war – spätestens – beim Elfmeterschießen ein entscheidender Faktor!“

Was die Dortmunder möglicherweise für eine stinknormale Zweitrundenpartie gehalten haben mögen, war für den 1. FC Union das vermutlich größte Ding seit dem DFB-Pokal-Finale gegen den FC Schalke 04 vor 15 Jahren. Mehr als 10 000 Anhänger hatten sich aus Berlin auf den Weg in den Pott gemacht, das Spiel begann mit fast 15 Minuten Verspätung. Laut BVB-Pressestelle gab es im Gästebereich sogar Versuche, die Eingänge zu stürmen, möglicherweise von dem großen Spiel etwas zu verpassen. Wie auch immer: Beim verspäteten Anpfiff waren genügend Anhänger der Berliner auf ihren Plätzen – so rot war die Dortmunder Arena lange nicht. Und so laut sind die Fans der Gäste auch nicht oft. Mitte der ersten Hälfte gelang den Anhängern ein so gewaltiger Wechselgesang („Eisern“ - „Union!“), dass die Dortmunder auf der Gegenseite nur mit wütenden Pfiffen zu reagieren wussten. Auch in der zweiten Hälfte machten sich die Union-Fans keine neuen Freunde mehr, als sie mit einiger Penetranz reichlich Pyrotechnik abfackelten.

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Skrzybski erwischte den Ball mit einem Volleyschuss perfekt

Die Spieler des Zweitligisten trugen lange ihren Teil dazu bei, dass die Stimmung in der roten Kurve keinen Schaden nahm. Sie waren dem Vizemeister zwar erwartungsgemäß spielerisch unterlegen, wehrten sich aber mit Macht und großem Eifer gegen das Pokalaus. Die Künstler aus Dortmund kombinierten nett, kamen dem Tor der Berliner, das von Daniel Mesenhöler gehütet wurde, nur selten gefährlich nahe. Mit einem Versuch des Ex-Herthaners Adrian Ramos in der Anfangsphase hatte Unions Torhüter keine Mühe. Erst nach fast 40 Minuten musste er erstmals eingreifen. Bei einem Schuss von Weltmeister Mario Götze durfte er formschön durch die Luft fliegen, kurz darauf lenkte Mesenhöler einen Distanzschuss von Nuri Sahin über die Latte.

Union versuchte nach Ballgewinnen das Mittelfeld mit schnellen Pässen zu überbrücken; das sah zu Beginn gar nicht schlecht aus, auch wenn die letzte Entschlossenheit Richtung Dortmunder Tor fehlte. Collin Quaner wurde immer wieder als Anspielpunkt in der Spitze gesucht. Umso ärgerlicher war es für die Berliner, dass ihr gefährlichster Torschütze kurz vor der Pause verletzungsbedingt vom Feld musste. Philipp Hosiner war gerade erst für Quaner auf dem Feld, als es für die Gäste noch ärger kam. Der BVB-Debütant Jacob Bruun Larsen passte von der rechten Dortmunder Angriffsseite mit Wucht und Entschlossenheit in die Mitte, Michael Parensen bekam den Ball an den Oberarm und veränderte seine Flugbahn damit so unglücklich, dass er unhaltbar für Mesenhöler zum 1:0 für den BVB im Tor landete. Als Stadionsprecher Norbert Dickel in der Pause von einer verdienten Führung sprach, gab es wütende Pfiffe von den Berliner Fans.

Der Treffer unmittelbar vor der Pause schien so etwas wie eine Vorentscheidung zu sein. Der BVB widmete sich der Angelegenheit auch in der zweiten Hälfte mit der nötigen Seriosität, ließ den Ball gut laufen und den Zweitligisten nie mehr richtig ins Spiel kommen. Doch Union steckte trotz nachlassender Kräfte nicht auf und wurde belohnt. Nach einer Ecke konnten die Dortmunder nicht weit genug klären, Skrzybski erwischte den Ball mit einem Volleyschuss perfekt – und versetzte die rote Kurve in Ekstase.

Auch in der Verlängerung berannten die Berliner die Dortmunder bei ihren Angriffsbemühungen, obwohl bei beiden Teams die Kräfte nachließen. Sowohl Skrzybski auf Union- als auch Gonzalo Castro auf BVB-Seite vergaben großen Gelegenheiten. Und so musste das Elfmeterschießen entscheiden, als unfaires Duell von 25 000 Fans gegen fünf Schützen.

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