NFL-Finale : Zwei Brüder im Super Bowl

Im vergangenen Jahr scheiterten sie noch im Halbfinale, 2013 stehen sich nun zum ersten Mal in der Geschichte der National Football League (NFL) im Endspiel zwei Brüder als Cheftrainer gegenüber.

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Großfamilientreffen. Jim (li.) und John Harbaugh (Mi.) mit Tochter und Eltern.
Großfamilientreffen. Jim (li.) und John Harbaugh (Mi.) mit Tochter und Eltern.Foto: AFP

Den Blick in die Kamera gerichtet, wollte John Harbaugh, 50, noch schnell einige Worte loswerden. „Hey Jim, du bist ein großartiger Coach. Ich liebe dich.“ Die Grüße gingen an seinen jüngeren Bruder. Der trainiert die San Francisco 49ers und hatte wenige Minuten zuvor durch ein 28:24 bei den Atlanta Falcons den Einzug in den Super Bowl geschafft. Drei Stunden später hatte dann auch John seinen Teil zum kommenden Familientreffen beigesteuert. Die von ihm trainierten Baltimore Ravens siegten überraschend deutlich 28:13 bei den favorisierten New England Patriots und zogen ebenfalls in den Super Bowl ein.

Damit kommt es am 3. Februar in New Orleans zu einer Premiere. Zum ersten Mal in der Geschichte der National Football League (NFL) stehen sich im Endspiel zwei Brüder als Cheftrainer gegenüber. Schon im vergangenen Jahr wäre es beinahe zu dieser Konstellation beim größten singulären Sportereignis der Welt gekommen. Damals jedoch scheiterten beide knapp im Halbfinale.

Nachdem sie es nun in den Super Bowl geschafft hatten, versuchte John das Aufeinandertreffen mit seinem fünfzehn Monate jüngeren Bruder herunterzuspielen. „Wir werden versuchen, uns da raus zu halten. Die Teams sollen es unter sich ausmachen.“ Realistisch ist das aber nicht. Schon vor den Halbfinals hatten sich die US-Medien auf ein mögliches Familienduell eingeschossen und den Super Bowl zum Harbowl erklärt.

Gerade für den an Sentimentalitäten orientierten amerikanischen Fernsehmarkt ist die Geschichte der zwei Brüder auch viel zu attraktiv. Als Söhne des erfolgreichen Highschool- und Collegecoaches Jack Harbaugh war die Trainerkarriere von John und Jim früh vorgegeben. Im Wohnzimmer schauten sie mit ihrem Vater Videoaufzeichnungen von Footballspielen. Das ist in den USA nichts außergewöhnliches, Jack aber wollte, dass seine Kinder dabei etwas über das Spiel lernen. Ständig drückte er die Stopptaste, erklärte auf Standbildern, warum die Spieler sich gerade so verhielten. Der Wunsch, selbst einmal Trainer zu werden, reifte schnell in den Jungs. „Du wächst auf und siehst, was dein Vater macht. Irgendwann willst du dann das Gleiche tun“, sagte John dem Fernsehsender ESPN bei einer Dokumentation über die Familie. Der ständige Kontakt zu den Spielern beschleunigte den Wunsch nur. Weil Jack Harbaugh viel beschäftigt war und während der Saison wenig Zeit für seine Kinder hatte, ließ sich Mutter Jackie etwas einfallen. Sie brachte John und Jim immer zu den Trainingseinheiten, die Jungs pumpten dann Bälle auf oder putzten die Schuhe der Spieler. „Wenn der Vater nicht bei seinen Kindern sein kann, bring die Kinder zu ihm“, sagte Jackie Harbaugh.

„Bei uns gab es immer nur Football. Andere Familien gingen fischen, das haben wir einmal gemacht. Nach fünfzehn Minuten sind wir dann wieder nach Hause, um Footbälle zu werfen. Wir hatten eine tolle Kindheit“, sagt John. Er und Jim teilten sich 18 Jahre lang ein Zimmer im Haus der Eltern, sie pflegen bis heute ein sehr enges Verhältnis zueinander. Anders als Jim orientierte sich John sehr früh ausschließlich auf den Trainerjob. Jim spielte dagegen viele Jahre erfolgreich als Quarterback in der NFL, seine beste Zeit hatte er bei den Chicago Bears und den Indianapolis Colts. Später wurde er Trainer an der Universität Stanford, ehe er die traditionsreichen San Francisco 49ers übernahm. John hatte ihm dazu geraten. Gut möglich, dass der inzwischen mit gemischten Gefühlen an seinen Rat denkt.

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