Play-off-Duell : Alba gegen Bayern: Alarmstufe Gelb-Rot

In den Play-offs treffen Alba und der FC Bayern ab Samstag zum vierten Mal aufeinander. Drei Rückblicke und eine Prognose.

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Auf Kollisionskurs. Alba und Bayern haben sich noch nie etwas geschenkt, erst recht nicht in den Play-offs. Hier prallen Vargas und Djedovic in der Finalserie 2015 aufeinander, auch am Samstag werden es beide im ersten Viertelfinale miteinander zu tun bekommen. Foto: imago/Eibner
Auf Kollisionskurs. Alba und Bayern haben sich noch nie etwas geschenkt, erst recht nicht in den Play-offs. Hier prallen Vargas...Foto: imago/Eibner

2012/13, Viertelfinale: Das Vorspiel

München spielt die zweite Saison nach dem Aufstieg in die Bundesliga, die Rivalität zwischen Alba Berlin und Bayern ist noch jung. Beide Klubs haben vor den Play-offs eine durchwachsene Saison hinter sich, der Tabellenfünfte Alba trifft auf den Tabellenvierten Bayern, die Serie scheint offen. Die Berliner haben München auf dem Weg zum Pokalsieg im Halbfinale besiegt, auch in der Euroleague hat das Team in der ersten Saison unter Trainer Sasa Obradovic überzeugt und die Top16-Runde erreicht. Im letzten Saisondrittel häufen sich aber die Probleme: Obradovic gerät im Training mit Spielmacher Dashaun Wood aneinander, Heiko Schaffartzik beschwert sich darüber, dass der Klub seinem Freund Yassin Idbihi vorgeworfen hat, Verhandlungen über einen neuen Vertrag hinauszuzögern.

Nach Kreuzbandrissen bei Nathan Peavy, Vule Avdalovic und Ali Traoré fehlt den Berliner die Energie für den Schlusspurt. Nach der Niederlage im ersten Spiel versucht Obradovic sein Team wachzurütteln, indem er mit den Münchnern und ihrem Coach Svetisvlav Pesic beim morgendlichen Wurftraining vor der zweiten Partie einen Streit anfängt. Die gezielte Provokation nutzt nichts, die frischeren und harmonischeren Münchner setzen sich eindeutig und locker in drei Spielen durch. Endstand: 3:0 für München.

2013/14, Finale: Das Hassduell

Im Sommer wechseln nicht nur Idbihi und Schaffartzik nach München, sondern auch Nihad Djedovic und Deon Thompson. Albas Aufsichtsratschef Axel Schweitzer wirft dem FC Bayern daraufhin vor, Spieler mit „Geld zuzuschütten“ und mit „abstrusen Gehältern“ in Berlin abzuwerben. Für noch mehr böses Blut sorgen Berliner Fans, die im Ligaspiel im November Schaffartziks Trikot auf zwei gekreuzte Plastikstangen präsentieren, versehen mit der Beschriftung „verkauft“ und „kein Berliner“. Die Münchner sehen die Konstruktion als Aufruf, Schaffartzik zu kreuzigen.

Die Anspannung entlädt sich in der Finalserie um die deutsche Meisterschaft. Das erste Spiel verliert Alba in München mit 81:88, die Klimaanlage in der Halle ist ausgefallen, es herrschen Temperaturen wie in einem Backofen. Die Gastgeber bekommen 50 Freiwürfe zugesprochen, Alba nur 22. Obradovic fordert daraufhin die Ligaleitung auf, den besten deutschen Schiedsrichter Robert Lottermoser in der Serie einzusetzen. Alba-Manager wirft Bayern-Spielmacher Malcolm Delaney vor, „Breakdance-Einlagen“ zu zeigen, um Foulpfiffe zu schinden.

Die Berliner gewinnen die zweite Finalpartie, Bayern die dritte – und Pesic flippt in der Pressekonferenz nach Spiel drei aus. Der Serbe wirft Baldi vor, „eine Kampagne gegen mich und meinen Verein zu führen“ und als Mitglied des Liga-Präsidiums die Schiedsrichter-Ansetzungen zu manipulieren. Vor dem vierten Endspiel ist die Atmosphäre endgültig vergiftet, die Berliner Arena kocht, Bayern bleibt cooler und gewinnt 75:62. Schaffartzik verbeugt sich demonstrativ vor dem Berliner Publikum, als er kurz vor Schluss ausgewechselt wird. Die Alba-Fans pfeifen den neuen Deutschen Meister aus München aus, der seinen ersten Titel seit 1955 ausgerechnet in Berlin feiern kann. Endstand: 3:1 für München.

2014/15, Halbfinale: Das Drama

Alba spielt zum 25. Klubjubiläum eine beeindruckende Saison. Im Oktober bezwingt Obradovics Team sensationell den NBA-Champion San Antonio Spurs. Auch in der Euroleague glänzen die Berliner, besiegen mehrere Topteams und verpassen nur knapp das Viertelfinale. In der Bundesliga werden Sasa Obradovic als Trainer des Jahres, Jamel McLean als MVP und Clifford Hammonds als bester Verteidiger der Saison ausgezeichnet. Als Tabellenzweiter der regulären Saison trifft Alba aber schon im Halbfinale erneut auf die Bayern. Im Gegensatz zum Vorjahr steht diesmal der Sport im Vordergrund.

Im ersten Spiel fegen die Berliner München mit 81:55 aus der Halle, nach einer Niederlage und einem Heimsieg haben sie zwei Matchbälle für den Einzug ins Finale. Doch München nutzt sein Heimspiel und gleicht zum 2:2 aus, Spiel fünf in Berlin muss entscheiden. In einer an Dramatik kaum zu überbietenden Partie wird Pesic für zwei Technische Fouls von den Schiedsrichtern in die Kabine geschickt, die Münchner behalten ohne ihren impulsiven Coach die Nerven. Der letzte Wurf in der regulären Spielzeit von Jamel McLean, der Alba ins Finale befördert hätte, geht vorbei, viele Berliner Fans wollen ein Foul gesehen haben.

In der Verlängerung setzt sich München durch, fünf Sekunden vor Schluss vergibt Alex Renfroe die Chance zum Ausgleich, freistehend kann er einen Dreier nicht verwandeln. Dem Berliner Team bleibt nach einer mitreißenden Saison und einer packenden Serie die Krönung versagt – danach wird es auseinandergerissen, weil etliche Spieler zu finanzstärkeren Klubs wechseln. Endstand: 3:2 für München.

Viertelfinale: Klare Verhältnisse?

Vor dem vierten Play-off-Duell der beiden Rivalen spricht alles für die Münchner. Der Abstand zwischen den Etats der beiden Klubs ist noch einmal größer geworden, Alba hat eine echte Seuchensaison hinter sich. Nach etlichen Verletzungen und Rückschlägen musste der Berliner Trainer Ahmet Caki, dessen Handschrift nie klar erkennbar wurde und der die Spieler zuletzt nicht mehr erreichte, kurz vor den Play-offs gehen. Seinem Nachfolger Thomas Päch blieb vor dem ersten Viertelfinalspiel am Samstag (20.30 Uhr) kaum Zeit, an den Schwächen des Teams wie der Reboundarbeit und der löchrigen Verteidigung zu arbeiten – von einem Fokus auf den Gegner konnte keine Rede sein. München strotzt hingegen vor Stärke und Selbstbewusstsein, die tief besetzte Mannschaft hat 16 ihrer letzten 17 Bundesligaspiele gewonnen.

Am ehesten scheinen die Münchner noch im Spielaufbau verwundbar, wo sie lange nach einer Verstärkung suchten und erst spät im 32-jährigen Dru Joyce einen soliden und erfahrenen aber keineswegs brillanten Point Guard fanden. Alba hat deutlich mehr Baustellen, mit einer Wunderheilung des Langzeitverletzten Peyton Siva ist nicht zu rechnen. So könnte das zweite Viertelfinale am kommenden Donnerstag das letzte Alba-Heimspiel der Saison werden, ein 3:0-Sweep der Münchner würde niemanden überraschen. Auch der Alba-Anhang scheint die enttäuschende Spielzeit schon so gut wie abgehakt zu haben: Für die vom Verein organisierte Fan-Busfahrt zum ersten Spiel nach München fanden sich nicht genug Teilnehmer, aus mangelndem Interesse wurde das Angebot gestrichen. Endstand: ???

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