Play-offs im Basketball : Alba Berlin chancenlos gegen FC Bayern München

Zum Auftakt der Play-offs verliert Alba Berlin beim FC Bayern München überdeutlich mit 68:95.

Abgeprallt. Der Berliner Gerald Robinson (l.) kommt nicht an Nick Johnson vorbei. Foto: dpa/Gebert
Abgeprallt. Der Berliner Gerald Robinson (l.) kommt nicht an Nick Johnson vorbei.Foto: dpa/Gebert

Vor dem Spiel sprach alles gegen Alba Berlin – fast alles. Einen kleinen Strohhalm, an den sich die Berliner Basketballer vor ihrem Auswärtsspiel in München klammern durften, hatten immerhin die übrigen Ergebnisse der Bundesliga geliefert. Am ersten Spieltag der Play-offs hatte es zuvor drei Auswärtssiege gegeben. Nach dem Erfolg der Oldenburger am Freitagabend setzten sich am Samstag auch Bonn 93:92 bei Meister Bamberg und Ludwigsburg 96:93 nach Verlängerung in Ulm durch. Sollte also auch Alba beim Favoriten FC Bayern München zum Auftakt der Viertelfinalserie eine Überraschung gelingen?

Spiel zwei findet Donnerstag in Berlin statt

Etwa fünf Minuten lang durfte das Team von Trainer Thomas Päch tatsächlich von einem sensationellen Auswärtssieg träumen. Dann übernahmen die Münchner die Kontrolle, unter dem Druck der Gastgeber zerbröselten die wacklige Spielidee und das poröse Selbstvertrauen der Berliner. Am Ende hieß es 95:68 (22:17, 31:8, 20:20, 22:23) für die Münchner. Mit einer Niederlage hatte Alba durchaus gerechnet, die Höhe der Pleite gegen den Erzrivalen war dann aber doch überaus schmerzhaft. Im zweiten Spiel der „Best of five“-Serie hat Alba am Donnerstagabend um 20.30 Uhr Heimrecht, im dritten Spiel am kommenden Samstag könnte die Saison der Berliner in München zu Ende gehen.

Alba war mit viel Mut und Engagement in das Spiel gestartet. Die ersten Wurfversuche der Gäste fanden ihr Ziel, in der Verteidigung gingen Pächs Profis mit Feuer und Konzentration zu Werke. Erst Mitte des ersten Viertels konnte der FC Bayern erstmals ausgleichen – es war der Beginn einer fortan einseitigen Partie. Als die Münchner mehr Aggressivität in der Defensive zeigten, verloren die Berliner völlig den Faden. Allein im ersten Viertel verlor Alba acht Mal den Ball, am Ende standen 20 Turnovers für die Gäste in der Statistik.

„Wir schmeißen den Ball vorne viel zu viel weg"

Und auf der anderen Seite war es wieder einmal ein ehemaliger Alba-Profi, der seinem früheren Arbeitgeber richtig weh tat. Reggie Redding traf innerhalb kürzester Zeit drei Dreipunktewürfe, mit jedem Treffer schienen die Berliner Profis zu schrumpfen und die Münchner zu wachsen. Aus einem 24:19 für Bayern wurde in wenigen Minuten ein 41:21, drei Minuten vor der Halbzeitpause war das Spiel entschieden. „Macht sie alle, schießt sie aus der Halle“, skandierte ein Teil der 6309 Zuschauer in der Münchner Arena höhnisch. Und Ismet Akpinar fasste das Geschehen für das Fernsehpublikum in der Pause kurz und präzise zusammen: „Wir schmeißen den Ball vorne viel zu viel weg – und hinten kriegen wir gar nichts zusammen.“

Es half den Berlinern auch nicht, dass erstmals seit mehr als fast drei Monaten auch Peyton Siva im Kader stand. Der langzeitverletzte Spielmacher sollte Alba mit seinem Comeback zum Play-off-Start einen Schub geben, wirkte aber nach der langen Pause noch sehr gehemmt und von seiner alten Dynamik und Spritzigkeit weit entfernt. Es passte zu Albas bislang so frustrierender Saison, dass mit Sivas Genesung die Erkrankung eines Kollegen einherging: Carl English hatte sich eine Mandelentzündung zugezogen. Der kanadische Routinier spielte nur etwas mehr als eine Minute, der einzige Wurf des Dreierspezialisten verfehlte den Korb um etwa einen Meter, dann nahm er wieder mit Quarantäne-Abstand zu seinen Mitspielern auf der Bank Platz. Bester Werfer bei Alba war Elmedin Kikanovic mit elf Punkten, für München kam Redding auf 17 Zähler.

Albas Geschäftsführer Marco Baldi erlebte also einen höchst unerfreulichen 55. Geburtstag. Kurz nach der Pause war die Führung der Münchner auf 31 Punkte angewachsen, danach war auch der letzte Rest von Spannung gewichen, beide Teams schienen sich mental bereits auf die nächsten Aufgaben vorbereiten zu wollen. Für die Berliner wird es darauf ankommen, dem Erzrivalen am Donnerstag vor eigenem Publikum einen echten Kampf zu liefern. Basketballerisch, das wurde am Samstagabend nur allzu deutlich, sind sie den Münchnern in allen Belangen nahezu hoffnungslos unterlegen. (Tsp)

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