Play-offs in der Basketball-Bundesliga : Alba Berlin: Endlich eine Einheit

Alba Berlin geht mit neuem Selbstvertrauen und großer Hoffnung ins dritte Play-off-Spiel gegen München.

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Wachstumsschub. Die Berliner, allen voran Tony Gaffney (r.), haben sich in der entscheidenden Saisonphase noch einmal drastisch gesteigert. Foto: Tilo Wiedensohler/Imago/Camera 4
Wachstumsschub. Die Berliner, allen voran Tony Gaffney (r.), haben sich in der entscheidenden Saisonphase noch einmal drastisch...Foto: Tilo Wiedensohler/Imago/Camera 4

Tony Gaffney hat einen sehr eigenwilligen Laufstil. Der 2,06 Meter große Basketballer von Alba Berlin galoppiert wie eine Gazelle über das Feld, mit federnden Knien und hohen Schritten. Am Donnerstagabend wirkte es so, als habe sich der Routinier auch noch Sprungfedern unter die Schuhe montiert und eine Turbine unter dem Trikot versteckt. Beim 83:76-Sieg gegen den FC Bayern war der 32-Jährige überall, erzielte zwölf Punkte, holte sieben Rebounds und blockte vier Würfe der Münchner. „Wenn der Ball in der Luft ist, fühle ich mich sehr jung“, sagte Gaffney nach dem triumphalen Erfolg seines Teams. „Fragen Sie mich nicht, wie es mir morgen nach dem Aufstehen geht. Aber auch am Samstag werde ich mich wieder fühlen, als ob ich 18 oder 19 bin.“ Dann treten die Berliner um 20.30 Uhr zum dritten Spiel der Viertelfinalserie wieder in München an – beim Stand von 1:1 und mit dem neuen Glauben, den großen Favoriten tatsächlich in die Knie zwingen zu können.

Gaffney hatte schon vor ein paar Wochen erzählt, er glaube fest daran, Alba könne noch „gefährlich“ sein und in den Play-offs „einigen Schaden anrichten“. Allerdings sah es auch am Donnerstag lange Zeit nicht danach aus, als würden sich die Münchner aus der Ruhe bringen lassen. Dann aber kämpften sich die Berliner in einen Rausch, getragen von ihren Fans brachte Alba die Gäste völlig aus dem Konzept. „Im dritten Viertel haben wir einfach die Energie aufgedreht“, sagte der neben Gaffney überragende Niels Giffey. „Und Tony war unglaublich.“

Entscheidend im zweiten Spiel war, dass alle Berliner nach Monaten der Verunsicherung endlich einem gemeinsamen Plan folgten. Auf diese Klarheit hatte Thomas Päch nach seiner Beförderung vom Assistenzcoach zum Cheftrainer hingearbeitet. Das Team habe „unzählige Stunden lang“ Videos studiert, sagte Gaffney. Besonders defensiv scheint sich das nun auszuzahlen. „Wir fühlen uns jetzt als Einheit. Vorher haben auch alle hart gearbeitet, wussten aber nie so recht wohin“, sagte Gaffney.

"Mit viel, viel Kampf kann man sie besiegen“

Die zuvor unaufhaltsam scheinenden Münchner wirkten in der zweiten Spielhälfte regelrecht hilflos. Der FC Bayern ist tief besetzt und verfügt über etliche offensive Waffen, acht Spieler erzielen im Schnitt rund neun Zähler, auch am Donnerstag punkteten wieder fünf Profis zweistellig. Als Alba den Druck erhöhte, schien sich aber niemand zu finden, der Verantwortung übernehmen und das Spiel an sich reißen wollte. „Man hat gesehen: Mit viel, viel Kampf kann man sie besiegen“, sagte Alba-Manager Marco Baldi. „Sie waren mit uns beschäftigt.“

Das dürfte bis auf Weiteres so bleiben, Bayern-Trainer Sasa Djordjevic wirkte nach der Niederlage angefressen. „Wir müssen tief über uns nachdenken“, sagte der Serbe. Die Berliner hingegen werden wohl versuchen, nicht allzu viele Gedanken, sondern eher die Gefühle aus der zweiten Partie mit ins dritte Spiel zu nehmen. Am Freitag stand für die Alba-Profis ein ruhiges Programm an, ehe die Mannschaft am Abend ins Flugzeug nach München stieg. Baldi sprach von einem „Pflegetag“, den das Team dringend nötig habe. „Die sehen nicht gut aus, die Buben. Da ist alles grün und blau“, sagte der 55-Jährige. Insbesondere Point Guard Peyton Siva sei nach seinem zweiten Spiel nach langer Verletzungspause „halbtot“.

Keine Müdigkeit in den Play-offs

In der Play-off-Serie hingegen sind die bereits totgesagten Berliner wieder quicklebendig. Giffey sagte, man werde „mit riesigen Hoffnungen“ nach München reisen. Und Tony Gaffney war die große Vorfreude auf ein erneutes Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern anzusehen – trotz aller Erschöpfung. „In den Play-offs gibt es so etwas wie Müdigkeit nicht“, sagte er grinsend.

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