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Play-offs in der Basketball-Bundesliga : Alba Berlin nach 65:71 gegen Frankfurt vor dem Aus

Auch im zweiten Duell mit den Frankfurt Skyliners läuft bei Alba wenig zusammen. Nach der 65:71-Heimniederlage brauchen die Berliner jetzt ein kleines Wunder, um noch das Halbfinale zu erreichen.

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Eins gegen zwei? Kein Problem für Frankfurts Jordan Theodore in dieser Szene gegen Niels Giffey (l.) und Albas Will Cherry.
Eins gegen zwei? Kein Problem für Frankfurts Jordan Theodore in dieser Szene gegen Niels Giffey (l.) und Albas Will Cherry.Foto: dpa

Auf und zu, auf und zu. Vor dem Schlussviertel bewegte Robert Lowery seine Finger wie hektisch redende Münder. Seinen Mitspielern wollte Alba Berlins Spielmacher damit sagen: Reden, Jungs! Wir müssen reden! Leider sind die Play-offs die Zeit zum Handeln, für Absprachen, Planungen und Unterhaltungen sind die mehr als sieben Saison-Monate zuvor da. Und was man bis Mitte Mai verpasst hat, kann man nicht aufholen. Diese Erkenntnis mussten die Berliner Basketballer am Mittwochabend einmal mehr hinnehmen. Im zweiten Viertelfinalspiel unterlagen sie den Frankfurt Skyliners mit 65:71 (23:32) und sind damit so gut wie ausgeschieden. Nach der 64:83-Niederlage im ersten Spiel am vergangenen Samstag steht es 0:2 aus Sicht der Berliner, Frankfurt kann die „Best of five“-Serie am kommenden Samstag mit einem Heimsieg für sich entscheiden.

Alba-Coach Sasa Obradovic sagte nach dem Spiel, sein Team sei zu „hektisch und nervös“ gewesen. Dann leistete sich der Serbe in der Pressekonferenz einen vielsagenden Versprecher. „Wir fahren nach Frankfurt, um im letzten Spiel alles zu geben“, sagte Obradovic. „Äh… ich meine natürlich: Wir werden in Frankfurt alles geben, damit es nicht das letzte Spiel wird.“

Die Berliner hatten für ihr Heimspiel in die Max-Schmeling-Halle ausweichen müssen, die Arena am Ostbahnhof ist durch das Finalturnier der Basketball-Euroleague belegt. Die allermeisten Alba-Profis hatten noch nie in der alten Heimstätte des Klubs gespielt – und fremdelten sichtlich. Wurf um Wurf verfehlte sein Ziel, zum Teil fast meterweit. Die ersten elf Versuche der Berliner aus dem Feld gingen daneben, erst nach knapp sechs Minuten erlöste Will Cherry sein Team und die 7312 immer wieder aufstöhnenden Zuschauer mit einem Dreier.

Alba musste in die Max-Schmeling-Halle ausweichen - und fühlte sich dort nicht wirklich heimisch

Der Knoten in den Köpfen der Alba-Spieler hat in dieser Saison aber mittlerweile derartige Ausmaße erreicht, dass auch dieses erste Erfolgserlebnis ihn nicht zum Platzen bringen konnte. Im Angriff überboten sich die Berliner an Verunsicherung und Verkrampfung. Alba blieb allein durch Einsatz und Kampf im Spiel, viele Offensivrebounds ermöglichten etliche zweite Wurfchancen, die allerdings fast ausnahmslos genauso kläglich vergeben wurden. Es fehlte eine gemeinsame Idee, wie die Defensive der Frankfurter zu knacken sein könnte, am Ende lag Albas Wurfquote bei grausamen 28 Prozent.

Dabei waren die Vorzeichen günstig: Bei den Frankfurt Skyliners fehlte Konstantin Klein verletzt, Jordan Theodore musste das Spiel der Gäste quasi im Alleingang organisieren. Doch das dezimierte Gästeteam hielt Albas Druck stand und ging mit einer 32:23-Führung in die Pause. Frankfurts Trainer Gordon Herbert, erst am Vormittag zum „Coach des Jahres“ der Bundesliga gekürt, gab sich am Spielfeldrand betont gelassen, sein Gegenüber Obradovic wütete noch mehr als gewohnt. Dem Serben, seit 2012 Nachfolger von Herbert als Alba-Coach, war die Verzweiflung ob der kollektiven Inkompetenz seiner Spieler anzusehen.

Nach dem Seitenwechsel traf Alba etwas besser, am Gesamtbild änderte sich aber wenig: Die Berliner mussten für jedes Pünktchen unendlich hart arbeiten. Frankfurt reichten hingegen oft zwei kluge Pässe in zwei Angriffen, um zwei Dreier zu verwandeln und jede kleine Aufholjagd wieder im Keim zu ersticken. So schwankte die Stimmung in der Schmeling-Halle zwischen wild entschlossener Unterstützung, Fassungslosigkeit und Wut. Euphorisch laut wurde es nur durch Ismet Akpinar: Der vor Energie fast platzende Alba-Spielmacher brachte die Gastgeber Ende des dritten Viertels mit einem Dreier auf 45:49 heran. Akpinar war noch der beste Berliner, die elf Punkte des 20-Jährigen brachten seinem Team aber auch nicht die Wende. Frankfurt blieb cool, sogar als Alba kurz vor Schluss ein weiteres Mal auf vier Punkte herankam. Nach der Schlusssirene wurde es sehr still in der Halle.

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