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Pokalsieger im Basketball : Alba Berlin - Männer ohne Nerven

In einem dramatischen Finale des Top-Four-Turniers setzt sich Alba in München 67:65 gegen den FC Bayern durch und ist damit zum neunten Mal deutscher Pokalsieger.

Da ist das Ding! Albas Spieler mit dem Objekt der Begierde.
Da ist das Ding! Albas Spieler mit dem Objekt der Begierde.Foto: dpa

Will Cherry leistete sich die ultimative Majestätsbeleidigung, aber an diesem Abend war wirklich alles erlaubt. Alba Berlins Aufbauspieler rubbelte seinem Trainer Sasa Obradovic mit beiden Händen über die schweißnasse Glatze, der strenge Serbe ließ es mit einem Lächeln geschehen. Schließlich hatte sein Team zuvor als Außenseiter ein sensationelles Spiel abgeliefert und in einem dramatischen Pokal-Finale den FC Bayern München mit 67:65 (25:34) besiegt. Kurz nach Cherrys Liebkosung musste sich Obradovic noch einmal selbst über den blanken Schädel fahren: Erst spritzten seine Spieler Bier auf ihren Trainer, dann wurde sein Kopf mit Konfetti paniert. Als Albas Kapitän Alex King den Pokal in die Höhe stemmte, war der Jubel der 500 mitgereisten Berliner Fans grenzenlos.

Der neunte Pokalsieg und 17. nationale Titel der Vereinsgeschichte hätte für Alba nicht süßer zustande kommen können: beim Erzfeind, gegen den Erzfeind, in einem großen Finale mit einer Schlussdramaturgie, die packender kaum vorstellbar war. „Das ist das, was Sport ausmacht“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi. „Ich will jetzt nicht zu pathetisch sein: Aber ich glaube, das ist auch das, was Alba ausmacht.“

40 Minuten lang hatten sich beide Mannschaften einen erbitterten Kampf geliefert, der den 6500 Zuschauern in der ausverkauften Halle Münchner Halle in den finalen Finalminuten noch einmal etliche Wendungen bot. 90 Sekunden vor Schluss sah Alba bereits wie der sichere Sieger aus, nach einem Dreier von Dragan Milosavljevic lag Obradovics Team 65:58 vorn. Doch die Münchner benötigten nur eine Minute und einige Berliner Unkonzentriertheiten, um auszugleichen. Die Vorfreude auf den Gesichtern der Alba-Spieler war nun blankem Entsetzen gewichen. Doch Milosavljevic behielt ein weiteres Mal die Nerven: Fünf Sekunden vor Spielende wurschtelte sich der Serbe irgendwie durch, sein Wurf tanzte zwei, drei Mal auf dem Ring – und fiel in den Korb. Münchens letzter Verzweiflungsversuch ging daneben, die Berliner Auswechselspieler stürmten mit der Schlusssirene aufs Feld und hüpften wie Flummis durcheinander.

Dragan Milosavljevic traf den entscheidenden Wurf zum Sieg

„Milosavljevic hat unglaublich viel Charakter gezeigt“, sagte Obradovic über den Matchwinner. „Er hat das Herz eines Löwen und fürchtet sich nicht davor, am Ende eines Spiels eine Entscheidung zu treffen. Es ist schwer, solche Spieler zu finden.“ Milosavljevic war nur einer der Berliner Spieler, die als Helden von München in Albas Vereinchronik eingehen werden. Center Elmedin Kikanovic war mit 19 Punkten bester Berliner Werfer des Endspiels und traf in der Schlussphase sogar einen enorm wichtigen Dreier. Jordan Taylor stand fast ohne Pause auf dem Feld, trieb seine Mannschaft immer wieder an und erzielte 18 Punkte.

Die enttäuschten Münchner Spieler konnten es wie ihre Fans kaum abwarten, die Halle zu verlassen. „Wir müssen dieses Spiel verarbeiten. Das wird nicht einfach“, sagte Bayern-Trainer Svetislav Pesic. „Alba hat sich von Minute zu Minute gesteigert und verdient gewonnen.“ Die Münchner bekommen in den nächsten neun Tagen allerdings gleich drei Chancen zur Revanche: Beide Klubs treffen am Mittwoch in Berlin und am Sonntag und Dienstag in München in Eurocup und Bundesliga erneut aufeinander. Marco Baldi wollte dem Triumph in der Heimhalle der Bayern aber nicht allzu viel Bedeutung für die kommende Mini-Serie beimessen. Außerdem sei das Spiel am Samstagabend ohnehin das wichtigste von allen gewesen, „heute ging’s um den Titel“.

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Die Berliner Fans konnten es sich nicht verkneifen, die Bayern-Spieler vor der Halle mit ausgelassenen „Und schon wieder keine Titel FCB“-Gesängen zu verabschieden. Auch Aufbauspieler Akeem Vargas war die Genugtuung anzumerken, als er die Bedeutung des Triumphs im Feindesland einordnete. „Für die Rivalität zwischen beiden Klubs ist das natürlich ein schöner Kanister Benzin“, sagte er.

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