Sport : Schäfer setzt sich durch: Manager Schindelmeiser muss vorzeitig gehen

Karsten Doneck

Düstere Drohungen stieß Winfried Schäfer aus. "Was einem hier für Steine in den Weg gelegt wurden ... Das wird aufgearbeitet", grollte der Übungsleiter von Tennis Borussia in der vorigen Woche vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln und versprach: "Am Ende der Saison kommt alles auf den Tisch." Solch nebulöse Ankündigung möglicher Enthüllungsgeschichten löst im Verein wenig Furcht aus. Im Gegenteil. So manch einer, Profi und sonstiger Angestellter, wartet doch nur darauf, von Schäfer verbal attackiert zu werden, um ihm dann mit gleicher Münze heimzuzahlen, indem er des Trainers Arbeit und Auftreten mal einer etwas kritischeren Würdigung unterzieht. Auf zur fröhlichen Schlammschlacht? Wohl kaum. TeBe-Vorstandsvorsitzender Erwin Zacharias ist clever genug, den Trainer vor sich selbst und damit letztlich den Verein vor einer Zerreißprobe zu schützen. Also wird Schäfers Drohung wohl verpuffen.

Einen Teilerfolg konnte Schäfer indes verbuchen. Zacharias gab gestern bekannt, dass sich TeBe mit sofortiger Wirkung von Jan Schindelmeiser getrennt hat. Der Leiter der Lizenzspielerabteilung, durchaus erfahren im Fußball, schaute in der Vergangenheit dem Trainer wohl allzu genau auf die Finger, unterhielt zu manchem Profi engeren Kontakt als Schäfer selbst - und musste nicht zuletzt deshalb bei TeBe sein Bündel packen. Die Trennung war äußerst geschickt terminiert: TeBe wartete so lange ab - und musste sehr lange warten - , bis der Trainer mal das Stadium der Unangreifbarkeit erreicht hatte. Das war nach dem 2:0 gegen Köln der Fall. Danach durfte Schindelmeiser getrost entlassen werden, ohne dass Schäfers Machtfülle - er ist, laut offizieller Darstellung des Vereins, Sportdirektor und Cheftrainer - gleich mit auf den Prüfstand geriet.

Schindelmeisers Vertrag wäre nach zweijähriger Tätigkeit bei TeBe ohnehin am 30. Juni ausgelaufen. Er hatte bereits seit Ende vorigen Jahres signalisiert, dass er sich danach ein neues Betätigungsfeld suchen wolle - außerhalb des Vereins. Dass die Trennung nun so abrupt geschah, überrascht. "Diesen Beschluss hat der Aufsichtsrat gefasst", erklärt Zacharias. Ganze zwei Personen bilden dieses wichtige TeBe-Gremium: Jürgen Rinnewitz und Jörg Henschel.

Über die Gründe des vorzeitigen Abschieds herrscht Schweigen. In Boulevardzeitungen wird kolportiert, dass sich Schäfer furchtbar darüber aufgeregt haben soll, dass ausgerechnet der von ihm suspendierte Profi Bruno Akrapovic kürzlich bei Schindelmeiser vorstellig geworden sein soll. Schäfer seinerseits scheint es in seiner fast einjährigen Tätigkeit bei TeBe nicht geschafft zu haben, zu den Spielern ein solches Vertrauensverhältnis aufzubauen, dass sie mit ihren Problemen direkt zu ihm kommen.

Das Feuern und Heuern ist derzeit bei TeBe an der Tagesordnung. Neben Schindelmeiser musste auch Roland Weißbarth, Leiter der Marketingabteilung, seine Koffer packen. Nachfolger wird Manfred Zielsdorf (43), zuletzt als Manager beim Sportartikelhersteller Reebok tätig. Michael Plassmann, bisher Pressesprecher, stieg zum Prokuristen der TeBe-Fußball-KGaA auf.

Fristgerecht eingereicht hat TeBe die Lizenzierungsunterlagen für die nächste Saison. Für die Bundesliga kalkuliert der Klub mit 28 Millionen Mark bei 20 000 Zuschauern im Schnitt, für die Zweite Liga mit 26 Millionen und rund 3500 Zuschauern. Und dann - Wunder geschehen immer wieder, offenbar besonders oft bei Tennis Borussia - gibt es da noch eine Zahl, die pures Staunen auslöst. Trotz mäßiger Zuschauerresonanz und einer sündhaft teuren Mannschaft - eine Konstellation also, die andere Vereine an den Rand des Ruins treibt - schloss TeBe das Geschäftsjahr 1999 mit einem Überschuss von drei Millionen Mark ab.

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