Sport : Schnell noch eine Invasion legen

Philipp Köster

Eine Schweigeminute ist überfällig. Nehmen wir also die Mützen ab, falten andächtig die Hände und trauern um ein aussterbendes literarisches Genre, das einst so schillernde Genre der Fußballersprüche.

Vorbei die Zeiten, als noch jedes Wochenende ein verschwitzter Spieler missratende Metaphern und groteske Stilblüten ins Mikrofon bölkte. Als Dichter und Denker wie Lothar Matthäus („Jürgen Klinsmann war immer ein Gegenpool zu mir“), Hotte Hrubesch („Die EM Paroli laufen lassen“) und Fritz Walter („Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt“) ohne nachzudenken, die deutsche Sprache neu entwarfen. Heute sprechen selbst eher simpel gestrickte Kicker, die auf Nachfrage nicht einmal drei Bundesländer aufzählen könnten, routiniert vom „erwartet schweren Gegner“ und halten ansonsten einfach den Mund.

Zudem sind gerade die klassischen Aphorismen der Kickergilde längst schon niederzitiert. Manche Sprüche taugen nicht einmal mehr, um sie an Buffets lausiger Studentenpartys anzubringen. Wer je akkurat gescheitelte Nachwuchsjuristen mit Apfelsaftgläsern in der Hand die Weisheit „Den größten Teil meines Geldes habe ich für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst!“ verkünden sah, ist froh, dass der gute George Best das nicht mehr erleben muss. Besteht noch Hoffnung? Ein wenig! Solange es noch Manager wie Klaus Fuchs vom VfL Wolfsburg gibt, die nach drei Unentschieden in Folge verkünden: „Ich weiß nicht, wie viele Mannschaften in der Bundesliga nach drei Spieltagen noch ungeschlagen sind.“ Kein Klassiker, aber mit jenem charakteristischen Knick in der Optik, der gute Fußballersprüche auszeichnet und an eine Einsicht von Berti Vogts erinnert: „Die Realität ist anders als die Wirklichkeit.“ Oder umgekehrt.

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